Verfasst von: Admin | Sonntag, 12. Juli 2009

41 | Intelligenter Dialog

Nachfolgender Auszug gibt ein Exzerpt meines Gespräches innerhalb eines Business-Forums wieder.

Es fällt mir nicht leicht, wirklich zu glauben, was man als intelligenter Mensch tendenziell schwer verdaulich vorgesetzt bekommt. Mehr noch betrüblich ist, dass selten ein Ohr dafür offen ist, wie es unsere Bildungsministerin neulich demonstrierte: „Dafür bin ich nicht der richtiger Ansprechpartner!“ — AHA.

Schwant uns da etwas?

Macht ist die Möglichkeit, dumm zu bleiben (Gesine Schwan)

Da frage ich mich, wofür ich meinen Kopf habe, vielmehr noch, wofür mir die Natur einen Geist schenkte, den ich mal überschwänglich auch Intelligenz nenne. Das ist, a priori, nicht das Gleiche wie Intellekt.

Sie stellen sehr viele Behauptungen auf,

Nein, Herr H., das sind durchweg belegbare Tatsachen.

die man erst präzisieren müsste

Die Präzision ist mit einer entsprechenden (Vor-)Bildung gegeben.

und die so weit gefasst sind,

… wie sie ein Abturient oder Studienbewerber sollte erfassen können …

dass sie in begrenzter Zeit

Das Argument „Zeit ist Geld“ scheitert an den Erfordernissen unserer Zeit. Wenn wir uns keine Zeit nehmen, etwas zu be- und verarbeiten und wenn Wirtschaft oder Gesellschaft ihren (Fort-)Bestand daran ausrichten, dass Bildung zu zeitintensiv ist, kann das nur heißen, dass allgemeine intellektuelle und weitreichend geistige Fähigkeiten unterentwickelt sind: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

nicht zu bearbeiten sind.

Die permanente Forderung nach Reduktion und „Allgemeinverständlichkeit“ mit dem Paradigma der Ausrichtung am allgemeinen (Mittel-)Maß kann nicht dazu verhelfen, die Probleme und Herausforderungen zu lösen, welche nicht zuletzt dadurch entstanden sind, dass non-lineare Reflexion viele Menschen überfordert — und um die es Ihnen in Ihrem Artikel ja geht. Wer A sagt, muss auch B sagen, Herr H. Hier geht es um das Eingeständnis einer nicht vorhandenen Fähigkeit und eines gravierenden Versäumnisses.

Dass bspw. Finnland Anleihen am DDR-Bildungssystem nahm und heute „erstaunlicherweise“ PISA anführt, sollte zu denken geben. Dass Dänemark und Schweden das Modell der Kinderbetreuung von der DDR adaptierte, ist ebenfalls eine Tatsache. Das allgemeine Bildungsniveau in der DDR war nachweislich höher als das der BRD, und nach 20 Jahren Wiedervereinigung fehlt vielen (jungen) Bundesbürgern fast schon Erinnerung an ehemals zwei deutsche Staaten.

Was ich zur Physik ausgeführt habe, ist analoges Denken, das heißt, die Fähigkeit zu adaptieren. Dafür muss keine Dissertation geschrieben werden. Dass Sie meine konkreten Punkte nicht ebenso konkret aufgreifen, sondern beständig auf Ihre Fragestellung und gedankliche Assoziation rückzuführen versuchen, zeigt mir, dass Sie ansonsten den Faden zu verlieren scheinen. Mit dieser Feststellung möchte ich Sie keinesfalls persönlich diskreditieren.

Synchrones Arbeiten und Abstraktionsvermögen sind jedoch grundlegende Fähigkeiten, Probleme zu lösen, die anders als Aufgaben nicht mit Routine(verfahren) zu bewerkstelligen sind. Hier kommen neben anderen Aspekten mentale und neurobiologische Aspekte zum Tragen, welche zu erläutern hier wirklich den Rahmen sprengt.

Wollten wir also dazu übergehen, derartige Intelligenz in die Wissenschaft und Forschung abzudrängen, würde dies konsequenterweise bedeuten, dass im wirtschaftlichen Kontext Intelligenz per se ein untergeordnetes Thema ist — weswegen sich manch Hochbegabte und Hochsensitive der Tatsache gegenüber sehen, auch nur in diesen Bereichen tätig werden zu können.

Der (geistige) Entwicklungsstand einer Gesellschaft ist seit jeher am Umgang mit Kindern sowie Andersartigkeit feststellbar. Die Absenkung der Leistungsgrenzen und Anforderungen an allgemeinbildenden Einrichtungen unterstreicht dies. Von Politisierung oder Polemik zu sprechen, kann nur weiter verdeutlichen, sich dem Thema nicht stellen zu wollen. Und es macht deutlich, warum eine Gesellschaft infolge mangelnder geistiger Tätigkeit zunehmend verblödet: Die Verblödung schreitet voran

Das sind Aussagen, die Stoff für viele Dissertationen geben und nicht in einem Diskussionsforum bearbeitet werden können. Ich möchte daher hier einen Strich ziehen und stelle es jedem anheim, sich damit weiter zu beschäftigen.

Ich fühle mich aufrichtig geschmeichelt, Herr H. Denn genau das verdeutlicht sehr anschaulich die Leistungsfähigkeit Hochbegabter! Es verdeutlicht auch ihre Unverzichtbarkeit für eine Gesellschaft, da sie Impulsgeber und Zugpferde sind, welche entsprechender Pflege und Zuwendung bedürfen.

Es bedarf nicht des Hinweises, dies sei nicht der richtige Ort und die richtige Zeit. Es bedarf der Bereitschaft, sich an einem anspruchsvollen Niveau zu orientieren und ganz bewusst und gezielt die dafür nötigen Ressourcen bereitzustellen. Als Entwicklungsberater müsste dies Ihr oberstes Anliegen sein?!

Sie sind ein an Jahren erfahrener Unternehmer im Wirtschaftsleben. Ich würde mich z.B. sehr freuen, von Ihnen eine Einladung zu einem wirklichen Wirtschaftsgespräch zu bekommen. Denn im distanzierten Verharren in Foren können wir keine der Fragen lösen. Hochintelligenten Zeitgenossen Raum zu geben, ihre Fähigkeiten zum Allgemeinwohl einzusetzen, ist keine Frage von Wohlwollen, sondern von Intelligenz und ein unstrittiger Wirtschaftsfaktor. Kommen wir weg vom Reden, Herr H., hin zum Handeln.

Wenn wir uns darauf einigen, es jedem lediglich anheim (frei) zu stellen, sich diverse Elementarkenntnisse anzuzueignen und gleichzeitig Anreize bieten, Bildung und geistige Tätigkeit als Ballast fallen zu lassen, tragen wir zur Absenkung eines ohnehin mittelmäßigen Bildungsniveaus bei. Bitte beachten Sie: Bildung, – nicht Faktenwissen!

Und solange das so ist, werden nicht nur Spitzenkräfte das Land verlassen, nein, die geistige Verarmung und sinkende Wettbewerbsfähigkeit wird drastisch zunehmen.

Warum, wieso, weshalb – Fragen, die Sie stellen und offenbar keine Antworten haben – sind Futter für Intelligente. Sie fragen, warum manches hier nicht adaptiert wird?

Weil Deutschland mit seiner geistigen Haltung zum Entwicklungsland degeneriert ist. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die natürliche Intelligenz und der Bildungsstand der Zweite-/Dritte-Welt-Länder zunimmt. Das zu erkennen, ist Intelligenz. Das ist Bildung. Das ist Können — gegenüber Kennen.

Ich lade Sie gern auf unsere Homepage ein.

Insofern ist und bleibt (meine) Stimme etwas Kraftvolles, die sowohl Zärtlichkeit als auch Notwendigkeit zum Aufbruch und Neuordnung verkündet. Ich nutze jede Gelegenheit, meine Sensitivität einzusetzen, das Problem zu lösen, das Sie, Herr H., ansprechen.


Kategorien