Verfasst von: Dr. Who | 7.5.09

39 | Geist und Materie

Zwei brillante Denker äußern sich zum Verhältnis von Geist und Materie wie folgt:

HANS-PETER DÜRR, Physiker und langjähriger Leiter des Max-Planck-Institutes für Physik in München

"Wir erfassen mit unseren naturwissenschaftlichen Methoden (z.B. das Miller-Urey-Experiment) nicht das Wesentliche. Wenn man diese Methode beispielsweise anwendet, um ein Gedicht zu beschreiben, dann kommt man darauf, wie die Buchstaben aus Kohlestäubchen aufgebaut sind, wie man die Buchstaben anordnet, damit Wörter entstehen und so weiter. Man weiß dann zwar hinterher, wie ein Buch geschrieben ist, auch wie die Buchstabenfolge angeordnet ist, aber die genaue Untersuchung der Buchstaben gibt mir keinen Einblick in die Bedeutung des Geschriebenen. Man kann das auch auf das Leben übertragen. Für mich ist Leben letztendlich reine Form. Denn die Anordnung der Substanz ist eigentlich nicht das Wesentliche, sondern gerade das, was von der Substanz gelöst ist. Ein Beispiel dafür ist die Symphonie auf einer Schallplatte. Man kann mit dem Mikroskop die Linien der Platte ansehen, aber dennoch absolut nicht verstehen, dass hier in diesen Rillen eine Symphonie verborgen ist, nämlich in der Form, nicht in der materiellen Substanz.

Das ist auch auf das Phänomen des Lebens übertragbar. Das Lebendige ist eigentlich auch reine Form. Und wenn man von höheren oder niedrigeren Lebewesen spricht, dann ist auf der jeweiligen Schallplatte eine Symphonie oder eben ein triviales Lied. In der Rille kann ich das aber nicht ersehen. Wir Menschen sind wie das Immaterielle unbeständig, unverlässlich, aber genau aus diesem Grund sind wir kreativ. Wir sind eine höhere Stufe oder wir sind von einer Art, aus dem eigentlich Wirklichkeit zusammengebaut ist. […]

Das Geistige braucht aber nicht einmal diesen materiellen Träger. Deshalb ist es für mich etwas Allgemeineres. Das Feld durchdringt alles, und das Gegenständliche ist für mich eine Vergröberung des Geistigen. Das Geistige ist viel durchlässiger…"

Das zweite Zitat stammt von PAUL DAVIES, ebenfalls Physiker und erfolgreicher Sachbuchautor:

"Bewusstsein und Intelligenz sind Begriffe der Software-Ebene; sie auszudrücken ist lediglich eine Frage der Anordnung – der Organisation -, nicht des Mediums. Denkt man das konsequent zu Ende, kann man sich durchaus einen seit der Schöpfung existierenden “Über”-Geist vorstellen, der alle Grundfelder der Natur umfasst und dem die Aufgabe obliegt, aus einem völlig ungeordneten Urknall den komplexen und wohlgeordneten Kosmos zu organisieren, den wir jetzt wahrnehmen; und das alles im Rahmen der physikalischen Gesetze. Das wäre kein Gott, der alles durch übernatürliche Mittel erschüfe, sondern ein leitender, alles umfassender Geist, der den Kosmos durchdringt und die Naturgesetze so handhabt, dass dabei ein bestimmter Zweck erfüllt wird.

Wir könnten diesen Stand der Dinge so beschreiben, dass wir sagen, die Natur sei ein Ergebnis ihrer eigenen Technik, und das Universum sei ein Geist: ein sich selbst beobachtendes wie auch sich selbst organisierendes System. Unserer eigener Geist ließe sich dann als jeweils eng umrissene “Insel” des Bewusstseins in einem Meer als Geist auffassen, eine Vorstellung, die an solche in einigen Systemen der asiatischen Mystik denken lässt, die Gott als das vereinigende Bewusstsein aller Dinge ansehen, in die der menschliche Geist eingeht und, wenn er eine hinreichend hohe Stufe seelischer Vervollkommnung erreicht hat, seine Identität verliert."

Diese Meinungen gehen grob in die von CAPRA (Das Tao der Physik) vertretene Meinung, dass Geist und Materie sich letztlich wie die zwei Seiten einer Münze darstellen.

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Responses

  1. […] stimmt, weil 2 + 3 = 5 ist. Er projiziert den auf seiner Seite (bei ihm!) liegenden Fehler (der unvollständigen Informationen) über „das, was ist“, nun unbewußt auf die rechte Seite, ohne sich der eigentlichen Ursache […]


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