Verfasst von: Dr. Who | 27.3.11

67 | Führung x.x

Der Blick auf Menschen

Dass nicht diskutiert werden muss/braucht/soll… das hat sich inzwischen herumgesprochen. Wo Intelligenz vorhanden ist, muss weder wiederholt noch ständig das Gleiche unterrichtet werden. Damit ist fall-off-Effekten in der Aufmerksamkeit, Lernkurve und Motivation effizient zu begegnen. Entsprechende empirische Daten stützen die moderne Pädagogik. Zunehmend spüren wir das schon bei Kindern und Jugendlichen, die sich darüber beklagen, dass ihre Lehrer zu dumm sind. Alfred Zänker: Die vielen Gesichter der Dummheit

Nichtwissen beziehungsweise die Nutzbarmachung kollektiver Intelligenz — das ist in wachsendem Maße für ganze Organisationen ein Thema. Insofern für Organisationsentwicklung im Brennpunkt. Dummheit ist eine Zuschreibung, die niemand gern auf sich bezieht. Sie ist von Nichtwissen zu unterscheiden.

Was derzeit fehlt, ist eine Offenheit, die Tatsache der Dummheit zu artikulieren. Zu oft wird sie umschifft, um niemandem auf die Füße zu treten, was unvermeidbar ist, wenn man kurieren will.

Schmerzen müssen dabei nicht zwingend auftreten, wenn Widerstand obsolet ist. Diskussion eignet oft die Verneinung, Widerstand bietend oder erzeugend und damit ein unpraktisches Setting, um den kollektiven Wissenspool anzuzapfen.

Zu unterscheiden ist hiervon der Dialog. Schließlich soll sich kein Hirnforscher fragen müssen, was er eigentlich an Forschung betreibt, wenn die Ergebnisse zum Teil vollkommen ignoriert werden. Völlig zu Recht ist hier von “Beleidigung der Intelligenz” zu sprechen, unter der nicht wenige mit praktischer Intelligenz wie Lösungsfindefähigkeit Gesegnete leiden. Und zwar nicht etwa aus Standesdünkel, sondern aus objektivierbaren Tatsachen.

Das ist ein epochales Phänomen. Die Muster sind einfach zu stark, als dass eine einzelne aktivierte Zelle den ganzen Haufen revolutioniert. Das funktioniert nur über Wollen, über gezieltes Initiieren, und das ist Können.

Können setzt Bewusstheit über Prozesse voraus, um Wirkung zu erzielen. Dies wiederum impliziert Kenntnis eines Systems und seiner Subsysteme.

“Management by Nature” redet, vielmehr flüstert auf Zell- und Quantenebene. Ununterbrochen redet dieser „Kerl“ (Gott), mit einer Engelsgeduld, die Bewunderung auslöst. Das bekommt keine andere Persönlichkeit hin, denn die wäre entweder verdurstet oder hätte längst Stimmbruch. — Der „Kerl“ kann was!

Sie können sogar Liebe einsetzen. Wenn ein Mensch entscheidet, auf seiner Stufe verharren zu wollen, werden Sie ihn da nicht wegbewegen. Was Ihnen übrig bleibt, ist die Esel da stehen zu lassen wo sie sind, denn es ist (ganz offenbar) ihr Himmelreich, ihr Garten Eden. Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint — und Humor ist für eine Organisation unverzichtbar.

In einer Organisation steht jedes Individuum in seiner Ecke. Boxen ist so ein Sport — den wir hier aber mal außen vor lassen. Positionen sind treffender. Manche sind Stürmer. Manche Verteidiger. Manche sind aktiv, manche passiv, manche offensiv und manche defensiv. Manche stehen im Tor. Aber alle stehen im Garten. Oder im Wald. Das wiederum eint sie. Jeder für sich genommen ist professionell. Teamplay funktioniert aber nur, wenn die gemeinsame Strategie stimmt. Strategie kann nur wirksam sein, wenn sie verstanden, begriffen und verinnerlicht ist. Das setzt gemeinsame Sprach- und Aktionsräume voraus — die Bewusstsein schaffen.

Dies offenbart das Handicap selektiver Wahrnehmung. Selektive Wahrnehmung bildet nur ein Teilspektrum der Wirklichkeit ab. Parallel dazu steht die Frage der kollektiven Intelligenz, welche auch diese Aspekte integriert. Im Kollektiv mittelt sich Unschärfe aus, hat allerdings auch einen Vererbungsfaktor. Ein möglicher Lösungsansatz für Umgang mit Komplexität.

Wem man sich zuwenden sollte — so kann man Talent und Potential entdecken und auch fördern, denn es setzt eigene sehr hohe Wahrnehmungsfähigkeiten voraus, die beileibe nicht weit verbreitet sind (siehe Dummheit weiter oben) und schon gar nicht als „Tool“ unter HR’lern Verwendung finden — sind diejenigen, welche offensichtlich aus der Rolle fallen, die beispielsweise Texte oder andere Arbeiten abliefern, die ganz klar erkennen lassen, dass der- oder diejenige kein Mainstream ist. Es empfiehlt sich zudem, keinesfalls passiv zu sein und darauf zu warten, dass Talente den Weg ins Unternehmen finden.

„Wenn sich nichts ändert, ändert sich nichts.“ Diese Aussage ist gleichsam trivial wie intelligent. Das ist interessant, damit kann man Blumentöpfe und mehr gewinnen. Damit sind Organisationen lebensfähig. Jedenfalls, wenn es um Management, kollektives Bewusstsein und intelligente Netzwerke geht.

Gemeinsam etwas zu machen, ist der Anfang von Organisation.

Ein hervorragender Ansatz, sich das (plastisch) bewusst zu machen, ist der eigene Körper. Da werkeln allerhand Moleküle als Unit, eine Komplexität, die eine andere Organisation nie erreichen wird. Deshalb kann sie als Vorbild gelten.

Was heißt das? Es geht um Systemdynamik, genauer: Kybernetik.

Organisationen und Manager brauchen Intelligenz, um adaptieren zu können und (ihre eigene) Natur zu verstehen. Dies setzt unzweifelhaft kognitive Fähigkeiten auf der Leitungs- und Führungsebene voraus. Hierfür bedarf es eines breitbandigen Spektrums, nicht nur an Wissen, sondern vor allem an Fähig- und Fertigkeiten.

Die bestehenden Kontexte, die von den meisten Führungskräften kreiert werden, stellen keine Einladungen dazu dar; sie können keinen Raum dafür kreieren, halten und navigieren…

Stichwort Führungskräfte: Kräfte können gebündelt und entfaltet werden, aber nur dann, ausschließlich dann, wenn die Absicht konstruktiv und nicht destruktiv ist. Das ist ein universelles (physikalisches) Gesetz. Anführen möchten wir den 1. und 2. Hauptsatz der Thermodynamik: http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Energieerhaltungssatz.html beziehungsweise www.physik.as

Gute Führung hat ausgesprochen viel mit naturwissenschaftlichem Verständnis zu tun. Allerdings integrativ, das heißt ein Psychologe sollte etwas von Physik verstehen, begreifen und vor allem unmittelbar adaptieren, genau so wie ein Betriebswirtschaftler Zugang zur Philosophie braucht. Zwingend, nicht etwa optional. Das ist holistisch, und nur so geht’s. In der Zukunft allemal.

Falls wir ernsthaft über Führung x.x sprechen, ist das nicht einfach eine Erhöhung der Versionsnummer einer Software. Hier geht es um einiges mehr. Hier wird nämlich die Hardware gleich mit tangiert.

Es fehlt an Klarheit darüber, dass permanent Kontext mitgestaltet wird, unbewusst, und das man das auch bewusst tun kann. Und nicht nur auf einer funktionalistischen Ebene.

Holistik bedeutet, eigene Bewusstseinsräume multidimensional zu erweitern. Das ist nicht etwa mit Lehrgängen und Kursbesuchen zu machen. Diesmal setzt es direkt an der Wurzel an. Anderes Denken ist angesagt, und das heißt nicht Austausch des einen Speicherchips gegen einen anderen aus der selben Serie. Sowas ist linear und funktioniert einfach nicht länger.

Vielleicht schreckt viele Leute auch ab, dass es immer ums Rechthaben geht?

Dies ist der Modus: “Capture more than you deliver.” Beim Rechthaben mag es Befürchtungen geben, Angriffen ausgesetzt zu sein, und tatsächlich, so etwas fand praktisch statt. Wer rechts ist, kann nicht links sein. Jedenfalls nicht simultan. Aushalten beziehungsweise damit umgehen und kanalisieren kann das nur eine mental gefestigte Person, welche davon nicht affektiert wird. Das bedeutet, deren Speicherinhalte nicht überschrieben werden (können). Der nötige Modus heißt: schreibgeschützt.

Wenn im Kontext ungute Bedingungen herrschen, und der Einzelne nicht sieht, wie er diese Bedingungen verändern kann (und das wäre dann schon eine besonders hoch entwickelte soziale Kompetenz, ein Engagement), dann wird er sich tendenziell zurückziehen.

Zurückziehen kann heißen, wenn etwas im öffentlichen Raum nicht möglich ist, dies beispielsweise per Private Message anzugehen. Wir setzen von einem intelligenten Menschen — noch dazu Führungskräften — völlig unzweifelhaft und diskussionsfrei voraus, dass er gegebene Informationen vollumfänglich registriert, im Kontext einordnet und nutzt.

Auf unserer Homepage und im Blog finden sich Informationen in Hülle und Fülle, die nicht x-mal linear — beispielsweise in Foren — kommuniziert beziehungsweise erneut publiziert werden müssen. Dies wäre ein Fall mangelnder Resonanz infolge inexistenter Spontanaktivität. Diese ist unter anderem abhängig von der Kenntnis des aktuellen Systemzustandes: emotionale Bewertung.

Entscheidend sind die Koppelungsdichte und Spontanaktivität der Netzknoten sowie dynamische Engramme (Eigenfrequenz), welche die Netzwerkparameter bilden und sich gegebenenfalls wechselseitig modifizieren. Ein dynamisches Netzwerk ist selbstorganisierend im Sinne vorgenannter Parameter. Das Torrent-Netzwerk ist ein hervorragendes Beispiel.

Wenn Mensch das nicht registriert beziehungweise unzutreffend bewertet, fehlt eine entscheidende Fähigkeit, in Ermangelung derer falsche Entscheidungen fallen. Sein eigenes neuronales Netz kann die reflektierte Komplexität nicht (adäquat) abbilden. Demzufolge sind die Koppelungsdichte und Spontanaktivität der Netzknoten automatisch beschränkt.

Selbst aktiv zu sein und die Dinge anzugehen, die anders sein sollen, beginnen damit, selbst etwas anders zu machen. Syncomm Managemetnentwicklung bietet hier Change Enablement in Form der Aktivierung kollektiver Intelligenz.

Lamentieren und Auffordern sind Spielarten, die nicht über die Geste hinausreichen, Dritten das Engagement zu überlassen. Mögliche Folge: Denial of Service. Das ist nicht intelligent, wenn Kreieren [hohe Koppelungsdichte und Spontanaktivität der Netzknoten] auf der Agenda steht.

Die Leute beteiligen sich wahrscheinlich auch nicht, weil es einfach eine sehr lineare Form der Kommunikation ist. Nach meiner Erfahrung ziemlich ungeeignet um gemeinsam etwas zu tun.

Sogar wenn man kein direkter Kontakt ist, genügt ein Blick auf die Homepage, in die Skype-Suche oder ins Telefonbuch, um den Hörer abzunehmen und anzurufen, siehe Ping. Oder in Branchenverzeichnissen, Webkatalogen und Onlineregistern nachzuschlagen.

Man muss es nicht schwerer machen als es ist. Gleichsam ist das eine Frage der Koppelungsdichte und Spontanaktivität. Einstein sagte: „Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher als sie sind.“

Wer Veränderung will, sollte sie leben. Dazu gehört Mut und auch Intelligenz. Dazu gehört die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Eines der größten Risiken ist der eigene Schatten beziehungsweise der blinde Fleck.


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