Verfasst von: Dr. Who | 1.4.11

69 | Führung & Sprache

Tatsächlich gibt es kein Denken ohne Sprache.

Oder umgekehrt? Ich denke gerade darüber nach. Geschriebenes ist Gedachtes, in Schriftform Gebrachtes und somit Gesprochenes im Sinne innerer Resonanz.

Die eine Welt können wir als ‚Erlebnisrealität‘, die andere als ‚verbale Realität‘ bezeichnen.

Es können sich allerdings beide stark annähern. Je mehr Mensch lernt, die ‚Erlebnisrealität‘ sprachlich zu fassen, umso mehr verblassen die Grenzen zwischen Erlebtem und dem sprachlich Artikulierten. Was beim Rezipienten, also dem/den Gegenüber(n) ankommt, hängt stark davon ab, inwieweit sich Sender und Empfänger aufeinander einlassen und aufeinander einstellen.

Wir weisen immer wieder auf das Thema Synchronizität hin, denn es spielt in sämtlichen zeitabhängigen Prozessen eine immense Rolle. Zeit ist einer der Schlüsselfaktoren für Wahrnehmung, aber auch Speicherung, usw.

Sprache und Denken hängen auf das Engste mit dem zeitlichen Moment zusammen. Das tangiert unmittelbar Psychomotorik. Weitere Faktoren sind die synaptische Vernetzungstiefe, das heißt Anzahl und Art der Netzknoten, deren Aktivierung und Koppelungsdichte.

Manche Menschen — zum Beispiel Hochbegabte und Hochsensitive — denken so schnell respektive komplex, dass sie es verbal mitunter kaum in Worte fassen können und wenn, steigt unter Umständen der Zuhörer aus, weil er die Komplexität überhaupt nicht nachbilden und dekodieren kann. Doch auch wenn es nicht um die Zeitfrage geht, kann die Komplexität großes Thema sein, dem wir uns ebenfalls seit langer Zeit zuwenden.

Denken und Sprache korrelieren unmittelbar mit dem Verarbeiten von Eindrücken. Je stärker, tiefer und komplexer dieser Verarbeitung ist, um so mehr spiegelt sich das auch im sprachlichen Ausdruck wieder: Denken ist virtuelles Handeln.

In der verbalen Realität leiten Worte unsere Erfahrungen und diese Erfahrungen werden durch begriffliche Konzepte oder durch Sachen eingeschränkt, die wir benennen können. Wenn wir etwas nicht benennen können, können wir es meist auch nicht erfahren.

Meinen Sie damit den Umstand der Visualisierung, also der internalen Repräsentation, dem Wechselspiel zwischen Reiz, Reizaufnahme, Reizverarbeitung und Reizbewertung? Ich tendiere eher zum umgekehrten Schluss: Wenn wir etwas nicht erfahren (können), können wir es auch nicht benennen.

Im anderen Fall, und den meinen Sie möglicherweise, wird durch die Benennung von etwas ein Reiz ausgelöst, welcher durch Visualisierung Erfahrung ermöglicht. Das Gehirn „denkt“ in Bildern! Wo kein Bild ist, ist auch kein Wort. Jedenfalls ist das essentiell wichtig für Kommunikation mit Gegenübern, welche nicht die gleiche Sprache sprechen oder gemeinsame Sprachräume teilen. Fachdisziplinen sind hier exemplarisch.

Und dann, wenn wir etwas einmal benennen, hat die Erfahrung auch meist ein Ende, weil wir in unserer Kultur darauf trainiert sind, die Begriffe der Erfahrung vorzuziehen. Wir stecken in einem Dilemma fest.

Das möchte ich stark unterstreichen.

Wir sind darauf trainiert, nichts kreieren zu können, was außerhalb unserer Worte liegt.

Ich mache hier einen recht großen Schritt und verbinde: Am Anfang war das W-Ort. Mit „anderen“ Worten: Wenn wir Gott nicht verstehen — damit ist keine Glaubenslehre gemeint — können wir nicht kreieren, da wir nicht seine Sprache sprechen. Wir sind ein Ergebnis vielfältiger Prozesse und Sprache ist einer davon. Sprache ist Repräsentation des Geistes — oder wie ich es ausdrücke — Klarheit des Geistes. Je klarer meine Vorstellung von etwas, umso klarer meine Worte.

Es gibt im Universum immer eine Entsprechung. Es heißt: Gott kennt jeden/jedes beim Namen, denn für Gott gibt es nur Namen, das heißt Klang. Klang ist Code, Klang sind Frequenzen. Auch das Gehirn des Menschen arbeitet auf dieser Basis. Dass wir uns etwas merken können, hat mit Elektromagnetismus zu tun, und das sind bekanntlich Schwingungen.

Wir haben keinen Namen dafür.

Das ist der Fall, wenn wir nicht reflektieren, wenn wir keine Introspektive haben, und zwar auf unsere Empfindungen. Aber auch unsere Gedanken. Das lehrt uns die Philosophie. Und wenn wir in unserer Umwelt nicht nach einem Wort (Code) dafür suchen, um verstanden zu werden und damit gemeinsame Erlebnisräume teilen. — Dies ist die Grundlage für gelingende Kommunikation — anytime everywhere.

Genauso wenig haben wir einen Namen für den Schmerz des Harndranges, den wir empfinden, wenn wir endlich eine Toilette gefunden haben, nachdem wir schon lange dringend „einmal mussten“.

Erleichterung. Auch hier, lieber Herr K.: wie Sie es darstellen, ist es nicht ganz.

Normalerweise sprechen wir über solche Erfahrungen nicht, bzw. sprechen nicht darüber, weil wir keine Worte dafür haben.

Oder aber, weil aberzogen wurde, über dies und das zu sprechen beziehungsweise von etwas zu reden, was insgesamt noch einmal einen immensen Unterschied ausmacht. Von etwas reden oder über etwas sprechen — da liegen Welten dazwischen. Abseits dessen: worüber nicht gesprochen wird, prägt sich nicht ein. Wiederholungen sind ein Grundmuster menschlicher Gedächtnisleistung, wobei sich die Anzahl an Wiederholungen stark unterscheiden kann und von weiteren Faktoren abhängt.

Wenn wir uns nicht damit abfinden können, dass wir ohne Worte sind, wird auch unsere Kreativität auf die Dinge beschränkt bleiben, für die wir Worte haben. Kreativität selbst ist aber eine Erfahrung, die vor den Worten geschieht.

Da reden wir von zweierlei Arten von Worten, lieber Herr K. Sie sprechen von Worten, die dem rationalen Denken zugänglich sind. Inspiration sind ebenso Worte, welche allerdings auf einer anderen Ebene stattfinden und nicht verbal ausgelöst sein müssen. Inspiration ist eine Ebene menschlichen Bewusstseins, das sich der rationalen Ebene durchaus entziehen kann. Es gibt Menschen, die lernen Sprachen im Schlaf, für die sie nicht eine Sekunde Unterricht hatten. Und das nicht durch Superlearning, sondern weil sie Anbindung an etwas haben, das manche Hyperraum nennen. All das ist keine Fiktion, sondern wissenschaftlich belegt.

Insofern muss eine Setting, in dem Kreativität stattfinden soll, genug Möglichkeiten für Erfahrungen bieten, die dann auch nicht auf die übliche Weise zerredet werden.

Zerreden findet dann statt, wenn die eigenen Räume nicht erweitert werden (sollen) und der Ausgangspunkt für Konversation nicht eine neue Erfahrung ist, sondern die Manifestation des bereits Erfahrenen. Im Gegensatz zum Hinhören haben wir überdies oft nur ein Zuhören. Das ist etwas völlig anderes, denn Verständnis für die hintergründige Botschaft, nämlich der Sinn, kann damit nicht erfasst werden.

Die Wertschätzung der Qualität unserer Erfahrung, bevor wir diese Erfahrung in Worte fassen, eröffnet tatsächlich große Ressourcen für unsere Kreativität, die zuvor durch die verbale Realität beschränkt war.

Ich erhielt gestern eine Mail folgenden Wortlauts:

„Mit Tränen in den Augen bewegte ich mich durch Ihre Internetseite und lese Artikel und Blog, die sehr viel in mir bewegen. […] Ich würde am liebsten fragen, wie man bei Ihnen / Ihren Partnern mitarbeiten kann, so sehr spricht mich Ihre Einstellung und Ihre Arbeits-/Wirtschafts- und Welthaltung an. […] Noch nie war ich nach einem Seiten-Besuch im Internet so bewegt und es ist das allererste Mal, dass ich dazu überhaupt ein Feedback gebe. Ich hoffe, dass Sie noch vielen Menschen durch Ihre Coachings Ihre wahren Potentiale zu offenbaren helfen. […]“

Eine Referenz, die uns zeigt, wieviel mit „richtiger“ Kommunikation machbar ist, was sie auslöst und was sie bewirkt. Nicht umsonst lautet unser Profil: Neurowissenschaftliche Forschung und Bildungsmanagement. Wir kommunizieren so, dass wir Menschen auch wahrhaft erreichen. Diese Tatsache finden wir in bewegender Weise dokumentiert.

Als Unternehmen, das sich Managementfragen widmet, ist dieses Feedback für uns Ansporn und Anreiz zugleich, dies in die (Wirtschafts-)Welt (weiter-) zu tragen. Denn Wirtschaft ist heutzutage ein großer Teil des zentralen Lebens, zum Teil sogar Mittelpunkt. Nur wenn wir hier glücklich kommunizieren, schaffen wir Mehrwert, bringen Kreatives hervor und befördern sogar (geistige) Möglichkeiten.

Insofern ist das von Ihnen Angesprochene absolut essentiell, eine (Wirtschafts-)Welt zu kreieren, in der wir wirklich leben möchten. Ohne Worte, ohne Ausdruck des Inneren bleibt das Äußere eine fade Abbildung des Nicht-Ermöglichten. Hier setzen wir — Syncomm Managemententwicklung — Maßstäbe durch [Change] Enablement.

Warum wir das ausführlich thematisieren?
Weil es ein master key für gemeinsame Zukunft ist.

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