Verfasst von: Dr. Who | 18.4.12

291 | Russische X-Men

Ein spektakulärer Zeitungsbericht lässt an Science-Fiction-Filme wie „X-Men“ erinnern: Ein russisches Geheimlabor für militärische Parapsychologie soll Soldaten der Zukunft erfolgreich geschaffen haben. Überraschenderweise wurde der Bericht nicht von einer Boulevardzeitung, sondern von der amtlichen Rossijskaja Gaseta veröffentlicht.

Der Militärstandort Nr. 10003 sei direkt dem sowjetischen Generalstabchef untergeordnet gewesen, schrieb die Zeitung. Selbst der Verteidigungsminister habe von den dortigen Projekten praktisch nichts gewusst. Das Team von Generalleutnant Alexej Sawin habe „unlösbare Aufgaben gelöst“. Ein wichtiger Schwerpunkt sei militärische Parapsychologie gewesen.

„Sawin verzichtete dabei auf die Versuche, auf das fremde Gehirn mit psychotronischen Generatoren einzuwirken. Er entwickelte ein anderes Konzept. Einen Soldaten der Zukunft sah er nicht als Killer-Bioroboter, sondern als Geisteskrieger. Es wurde ein Algorithmus gefunden, der einem Menschen ermöglichte, Super-Fähigkeiten bei sich zu entdecken“, so das Blatt weiter.

„Dieser Krieger war in jedem Kampf unbesiegbar – selbst wenn gegen ihn Waffen zum Einsatz kamen, die auf ‚neuen physikalischen Grundlagen‘ basierten. Das klingt vielleicht unwahrscheinlich, aber diejenigen, die dieses russische Kampfsystem beherrschten, waren beispielsweise in der Lage, gegnerischen ‚Todesstrahlen‘ auszuweichen. Mit ihrer Psycho-Kraft konnten sie etwa ein digitales Steuerungssystem ruinieren“, so der Zeitungsbericht.

von Nikita Sorokin

Andere Länder basteln aktiv an Waffen, die auf „neuen physikalischen Grundlagen basieren“, und Russland darf nicht tatenlos zusehen, mahnen Militärexperten. Für Stimme Russlands kommentieren sie spektakuläre Medienberichte, wonach die Sowjetunion „Supersoldaten“ wie in Science-Fiction-Filmen gezüchtet habe.

In der Sowjetunion gab es eine Vielzahl von militärischen Geheimlaboren. Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems wurden die meisten Forschungen ausgesetzt. Psycho-, Strahl-, Wellen- und Klimawaffen – die entsprechenden Unterlagen verstauben nun vermutlich in Geheimarchiven.

Kürzlich machten Medienberichte über das parapsychologische Labor von Oberstleutnant Sawin Schlagzeilen. Dort soll man Soldaten mit Superfähigkeiten geschaffen haben. Es gab auch weitere Beispiele. So tüftelte das von Oberst Bazhanow geleitete Labor an Energiegeneratoren, um Eigenschaften von Wasser und Kraftstoff zu beeinflussen. Bei einem Experiment soll ein ganzes Panzer-Bataillon lahmgelegt worden sein, weil der Dieselkraftstoff seine Funktionen einbüßte. Westliche Geheimdienste sehen aber all diese Entwicklungen eher gelassen, wie der russische Militärexperte Alexander Golz im Gespräch mit Stimme Russlands sagte:

"In den Geheimdienstberichten, die dem US-Kongress regelmäßig vorgelegt werden, zeigt man sich kaum über russische Militärprogramme besorgt. Um solche Waffen zu bauen, ist ein Durchbruch bei fundamentalen Forschungen nötig – wie beispielsweise einst beim Atomprojekt. Als neu bezeichnet Russland jetzt seine Waffenentwicklungen aus den 1980er Jahren. Dass sie bislang nicht eingesetzt wurden, ist aber noch kein Grund, sie als neu zu betrachten."

Dies bedeutet allerdings nicht, dass jene Entwicklungen ineffizient waren. Jetzt könnten sie etwa als Grundlage für neue Projekte dienen. Viele Forschungsprojekte mussten ja jahrzehntelang auf praktische Umsetzung warten. Ein gutes Beispiel sind Halbleiter vom russischen Nobelpreisträger Schores Alferow: Jahre waren vergangen, bevor sie zu einem nichtwegzudenkenden Element moderner Elektronik wurden.

In Bezug darauf, welche grundsätzlich neuen Waffen die russische Armee erhalten könnte, sind Experten sehr vorsichtig. Es wäre verfrüht, davon zu sprechen, so der Militärexperte Igor Korotschenko:

"Wir versuchen immer davon auszugehen, ob solche Projekte umsetzbar sind – sowohl hierzulande als auch im Ausland. In den USA und weiteren Nato-Ländern, aber auch in China werden einige Waffenentwicklungen umgesetzt, die auf neuen physikalischen Grundlagen basieren. Wir dürfen nicht am Straßenrand bleiben. Wir haben beispielsweise eine ziemlich gute technologische Grundlage in Sachen Laserwaffen. Ein direktes Wettrüsten wäre für uns aber kontraproduktiv. Die russische Antwort soll deshalb ausgeglichen, asymmetrisch und nicht besonders aufwendig sein."

Auf jeden Fall wird man die entsprechenden Arbeiten streng geheim halten – selbst wenn es zu einem praktischen Einsatz kommt. All die offenen Debatten zu diesem Thema bleiben deshalb nur Spekulationen.

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