Verfasst von: Dr. Who | 10.10.13

664 | Das Ende einer Weltmacht: China ruft Obama zur Ordnung

Der chinesische Premier Li Keqiang hat sich am Donnerstag mit einer deutlichen Botschaft an US-Außenminister John Kerry gewandt: Li sagte, dass „China dem Thema der amerikanischen Schulden-Obergrenze große Aufmerksamkeit“ widme. Die Aussagen wurden auf der Regierungs-Website veröffentlicht.

Diese Wortmeldung, so kurz sie sein mag, wirft ein Schlagschlicht auf die Verhältnisse der Weltmächte: Die Amerikaner haben sich massiv verschuldet – und müssen nun nach der Pfeife der Chinesen tanzen. China hat etwa 60 Prozent seiner ausländischen Investments in US-Assets. Für Peking stehen also 2 Billionen US-Dollar auf dem Spiel.

Schon zu Beginn der Woche hatte der chinesische Vize-Finanzminister Zhu Guangyao die Amerikaner aufgefordert, „die Sicherheit der chinesischen Investments zu gewährleisten“. Für den Fall, dass die USA die Schuldenobergrenze nicht erhöhen können, müssten die Amerikaner zuerst ihren Schuldendienst an den Inhabern von Staatsanleihen leisten, sagte Zhu.

Tatsächlich ist das Risiko einer technischen Pleite gering – wie Goldman Sachs ermittelt hat: Diese würde sich an den Kreditversicherungen (CDS) orientieren, mit insgesamt 23 Milliarden Dollar und 3,3 Milliarden Dollar mit einer Fälligkeit per Ende September. Diesen „Kredit-Event“ würde die ISDA ausrufen, die internationale Sammelstelle für Kreditversicherungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist gering, erklärt Goldman auf Business Insider.

Tatsächlich erinnert der Vorgang an Griechenland: Auch die Griechen stecken in der Schuldenfalle – nicht, weil die Bürger in Saus und Braus leben, sondern weil der hochverschuldete Staat seine Schulden nicht bedienen kann.

Bereits in Griechenland war zu sehen, warum die eigentlich überfällige Staatspleite nicht erfolgte: Die Banken mussten sicherstellen, dass das Geld, das sie in ihren Bilanzen in Form von Schuldscheinen stehen haben, irgendwie über das Schneeball-System des globalen Finanz-Systems aufgebracht wurde.

So hat sich die groteske Situation ergeben, dass Griechenland in einem Fort Geld von der EU bekommt – nicht, um den Euro zu retten, sondern um den Banken dem Staat den Schuldendienst mit europäischen Steuergeldern zu finanzieren. Das Geld geht dann, wie bei jedem guten Schneeball-System, wieder in die Taschen derjenigen, die es eigentlich gegeben haben: Im Falle Griechenlands ist das die EZB. Die Zinslast führt jedoch dazu, dass die Schulden immer höher werden.

Das nennt man Drogenabhängigkeit im Weltfinanz-System.

Auch im Fall der USA werden die Chinesen den Teufel tun und den Amerikanern das Messer an den Hals setzen. Denn auch im Fall der US-Pleite ist längst derselbe Prozess im Gang wie in Europa: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kauft wie verrückt US-Staatsanleihen. Damit zieht die Fed das Geld aus den Märkten und zwingt die US-Steuerzahler dazu, die Haftung für die US-Schuldenpolitik zu übernehmen. Genau dasselbe ist in Griechenland passiert: Die Banken haben durch Schuldenschnitt und rechtzeitigem Abzug all ihre Schrottpapiere auf die europäischen Steuerzahler übergewälzt.

Und die zahlen nun auf Jahrzehnte hinaus.

Genauso werden die amerikanischen Steuerzahler zahlen.

Die Ohrfeige der Chinesen für Obama entspricht ebenfalls dem griechischen Modell: Regierungschefs aus Athen werden in Brüssel behandelt wie schlechte Schuldner eben behandelt werden: Man bringt sie nicht um, weil man sie noch braucht – schließlich schadet der Totalausfall dem Gläubiger genauso wie dem Schuldner. Doch man demütigt sie, etwa, indem man ihnen jeden Monat die Men in Black (Troika) vorbeischickt.

Eine Troika wird bei Präsident Obama nicht auftauchen.

Der Ordnungsruf aus Peking, der früher als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ ganz und gar undenkbar gewesen wäre, ist eine härtere Maßnahme als ein paar Bürokraten zum Geldeintreiben.

Er macht den Gesichtsverlust deutlich.

Das ist in Asien die Höchststrafe.

Die großen Schlachten verliert man nicht bei einem Waffengang, sondern in Symbol-Handlungen, die klar machen, wer oben und wer unten ist.

Die USA haben mit dem hemmungslosen Schulden-Wahn ihren Nimbus verloren.

Amerika – das Ende einer Weltmacht.

Quelle: Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Advertisements

Kategorien