Verfasst von: Dr. Who | 3.3.14

708 | Schachbrett oder: Der Aufwärtshaken

von Gerhard Wisnewski

Im Grunde ist es wie auf einem Schachbrett: Schlägt man Figuren des Gegners, zwingt man ihn, ebenfalls zu schlagen. Nur dass man bei einem Schachspiel nicht anfängt, zu heulen und den Gegner anzuklagen. Und zwar deshalb nicht, weil klar ist, dass man dessen Gegenreaktionen selbst bestimmt. Zweitens, weil Schachspieler zur Schweigsamkeit angehalten sind und nur ihre Figuren sprechen lassen. Denn Schach ist bekanntlich ein kultiviertes Spiel. Nur die Politik eben nicht. Die Politik gleicht einem Schachspiel mit »Foul Play«, bei dem sich die Spieler mit Dreck bewerfen und dauernd mit dem Finger auf den anderen zeigen, um ihn verschiedener Vergehen anzuklagen.

Anders als im Schachspiel versuchen beide Seiten, das Publikum mit Propaganda zu beeinflussen und in die Partie hinein zu ziehen, wodurch es zum Teil des Spiels wird – was natürlich irregulär ist. Der Figurenstand ist nicht mehr allein entscheidend – sondern wer die Öffentlichkeit hinter sich bringt, hat schon halb gewonnen. Und dabei geht es nicht etwa um Demokratie (also Herrschaft des Volkes), sondern ganz im Gegenteil: Beide Seiten oder eine Seite versuchen lediglich, ihre Bauernarmee zu vergrößern. Oder auch ihren Kanonenfutter-Vorrat.

Quelle und weiterlesen: KOPP Verlag

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