Verfasst von: Dr. Who | 4.3.14

712 | Putin umarmen!

von Ulf Poschardt

Die kontinuierliche Herabsetzung einer unliebsamen Nation und ihrer Führer ist falsch, besonders falsch. Hilflos wirkte sie angesichts eines mit ungeheurer Machtfülle ausgestatteten Staatschefs, der – demokratisch legitimiert – ein zerrupftes Reich, das als Supermacht schon verloren war, wieder ins Zentrum der Weltpolitik zurückführt.

[…]

Russland hat das Gefühl, vom Westen verachtet zu werden. Seit der meist friedlichen Entsowjetisierung herrscht das Gefühl eines besonderen antirussischen Ressentiments vor, das mit geopolitischen Differenzen nicht erklärt werden kann. Die Barbarisierung der "Russen" durch den Westen trifft eine wunden Punkt, denn sie waren zwar rückständig, bukolisch und verarmt, in den Städten aber auch eine Avantgarde der westlichen Welt. Die russische Literatur des 19. Jahrhunderts ist die modernste, mutigste und eleganteste.

[…]

Putin hat in seiner bemerkenswerten Rede vor dem Bundestag 2001 deutlich gemacht, wie nahe sich die Russen den Deutschen fühlen. Lange schon. Gleichzeitig machte er – vergleichsweise selbstkritisch – deutlich, dass der Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und einer Marktwirtschaft voller Hürden und Hindernisse ist. Er konzedierte auch die Ungeschicklichkeit seines Landes bei einem in der Tat schwierigen Prozess.

[…]

Nur fehlen im Augenblick die Zwischentöne, jenes Verständnis für die Situation Russlands. Das Agieren des Landes wird dämonisiert. Putin verhält sich wie ein in die Ecke gedrängter Neurotiker. Er muss öfter umarmt werden.

Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article125387514/Der-Westen-sollte-Putin-umarmen.html

Anders gesagt: Wir müssen Liebe(n) lernen, und zwar dringend!

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