Verfasst von: Dr. Who | 30.3.14

761 | USA – Kriegspläne gegen Russland

Das Pentagon will neue Atombomben in Europa stationieren. Russische Experten betrachten das als Verstoß gegen die europäische Sicherheit und sehen Hinweise auf aggressive US-Pläne gegen Russland. Deutschen Medienberichten zufolge geht es um die Stationierung neuer Atombomben für Tornado- und F-16-Kampfjets in Europa.

Die Software der Flugzeuge soll entsprechend modernisiert werden. Die ersten Bomben sollen ab 2020 zur Verfügung stehen. Wie es hieß, kostet das Programm rund zehn Milliarden US-Dollar. Der Experte Dmitri Danilow vom russischen Europa-Institut klärt über Amerikas Motive auf:

„Angesichts der zunehmenden militärpolitischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen wollen die Amerikaner erstens ihre Militärpräsenz in Europa und ihre militärischen Garantien bekräftigen. Zweitens wollen sie möglicherweise Russland und die europäischen Partner zu aktiveren Verhandlungen über die Kontrolle der taktischen Waffen bewegen. Darüber hinaus gibt es natürlich militärtechnische Motive. Die Frage ist, inwieweit die USA bereit wären, wesentliche Ressourcen in eine Erneuerung ihrer Atomwaffen zu investieren, und zwar angesichts der deutlich zugenommenen politischen Instabilität. Wird dies die Instabilität nicht weiter schüren? Diese Frage ist sehr aktuell.“

Dass die USA ihre Atomwaffen in Europa erneuern, ist nichts Außergewöhnliches. Alle Waffensysteme bedürfen ja einer Modernisierung. Doch jeder sieht den Zusammenhang mit der Krim-Krise. Der politische Hintergrund ist offensichtlich. Konstantin Siwkow, Experte der russischen Denkfabrik „Akademie der geopolitischen Probleme“, sagt, die derzeitige Umrüstung richte sich gegen Russland:

„Russland lässt sich wirtschaftlich nicht einschüchtern, Europa wird auf diese Weise nur sich selbst schaden. Folglich schafft man Bedingungen für eine direkte militärische Invasion in Russland. Russland hat ein ziemlich starkes Nuklear-Potenzial auf taktischer Ebene, aber auch ein starkes strategisches Potenzial. Um das europäische Potenzial mit dem russischen auszugleichen, bringen die Amerikaner neue Bomben nach Europa. Vor diesem Hintergrund sollte Russland dringend jegliche Reduzierung seiner Atomwaffen stoppen und Maßnahmen treffen, um sein nukleares Potenzial auf den Stand wie vor dem New-START-Vertrag wieder zu erhöhen. Mit anderen Worten sollte Russland 3.500 bis 4.000 nukleare Sprengköpfe auf strategischen Trägersystemen haben. Das taktische Atompotenzial sollte von den derzeitigen 3.500 auf mindestens 4.000 bis 5.000 Gefechtsköpfe erhöht werden. Dadurch könnte Russland seine Sicherheit und Kampfeffizienz im Fall eines gegnerischen Präventivschlags gewährleisten. Europa ist dann ein Kriegsschauplatz. Die Europäer selbst brauchen das nicht, sie werden aber von den USA kontrolliert. Ihre amerikanischen Herren brauchen eine Eskalation. Washington hat Europa dazu gezwungen, Atomwaffen aufzunehmen. Im Prinzip zeugt das davon, dass sich die USA auf einen Krieg gegen Russland vorbereiten.“

Die praktische Reichweite der F-16 beträgt etwas mehr als 1.300 Kilometer. Das gibt Aufschluss darüber, welchen potentiellen Gegner die Amerikaner ins Visier nehmen. In dieser Entfernung liegt ja nur ein Staat, der nicht zur NATO gehört. Danilow kommentiert:

„Der Gedanke liegt nahe, dass es nach wie vor eine militärische Planung gegen Russland gibt. Die Militärs ziehen immer das schlimmste Szenario in Betracht. Die beiden in Europa bestehenden Kriegsmaschinen – Russland und die NATO – nehmen einander unumgänglich ins Visier. Einige NATO-Mitglieder wie Polen sowie baltische und nordeuropäische Staaten sprechen von einer Aufrechterhaltung oder sogar von einem Ausbau der kollektiven Verteidigung. Nach dem Nato-Gipfel in Lissabon wurde es offensichtlich, dass die Allianz bereit ist, diese Funktion zu bekräftigen. Die nukleare US-Präsenz in Europa ist ein sehr wichtiger Bestandteil dieses Konzepts.“

Es gibt aber auch andere NATO-Mitglieder, die diese Politik für veraltet halten und eine Änderung der US-Atompräsenz in Europa fordern. Fakt ist, dass die Europäer nicht an den roten Knopf ran dürfen und keine lebenswichtigen Entscheidungen fällen. Eine Wahl zwischen Leben und Tod treffen immer die Amerikaner. Und sie leben zu weit entfernt, um am eigenen Leib zu spüren, wie prinzipiell diese Frage ist.

Quelle: http://german.ruvr.ru/2014_03_18/Wie-US-Atombomben-Europa-destabilisieren-2281/

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