Verfasst von: Dr. Who | 2.4.14

765 | Russlands Marine: Wie sind Perspektiven der Schiffe ersten Ranges?

Bei der Waffenmesse DEFEXPO 2014, die in Indien stattfand, hat Anatoli Schlemow, Leiter der Abteilung für staatliche Rüstungsaufträge bei der vereinigten Schiffbaukorporation, der STIMME RUSSLANDS ein Exklusivinterview gegeben.

Es wurden unter anderem der Ausbau der russischen Marine und die militärtechnische Kooperation mit Indien angeschnitten.

Vor kurzem wurde der Flugzeugträger „Vikramaditya“ an Indien übergeben. Stehen noch mehr Projekte von ähnlichem Ausmaß an?

Unsere Zusammenarbeit mit Indien wird sich auf keinen Fall auf die „Vikramaditya“ beschränken. Obwohl dieses Projekt bisher nach dem Umfang nicht seinesgleichen hat. Wie Sie wissen, hat Russland die vom Newa-Projektbüro entwickelten technischen Ausrüstungen für den indischen Deckflugtechnik-Simulator sowie für den neuen Flugzeugträger des Projekts 71 geliefert. Außerdem wird über die technische Wartung nach dem Ablauf der Garantiefrist des Flugzeugträgers verhandelt.

Während der Arbeiten an der „Vikramaditya“ hat die Holding Sewmasch wertvolle Erfahrung bei der Reparatur von großen Überwasserschiffen gesammelt. Wie wird diese Erfahrung eingesetzt? Sollte man erwarten, dass die „Admiral Kusnezow“ repariert wird?

„Admiral Kusnezow“ benötigt natürlich eine grundlegende betriebsinterne Reparatur und Modernisierung. Jetzt kann es sich die russische Marine nicht leisten, einen Flugzeugträger für eine lange Zeit zu verlieren, denn das Schiff erfüllt wichtige politische Aufgaben. Im Grunde ist es die einzige Plattform für die Ausbildung der bordgestützten Fliegerkräfte.

Was ist denn mit den NITKA-Ausbildungsanlagen?

Ja, die Anlage steht tatsächlich. Wenn sie vollständig in Betrieb genommen ist, kann der Flugzeugträger repariert werden. Ich glaube, dies geschieht in den kommenden drei bis vier Jahren.

Eine radikale Lösung wäre ja der Bau eines neuen Flugzeugträgers. Sollte man mit einem neuen Schiff in der absehbaren Zukunft rechnen? Wie steht es aktuell mit den Neuentwicklungen?

Es werden mehrere Varianten der Schiffe dieser Klasse erwogen. Etwas Genaues wird man dazu jedoch erst sagen können, wenn das langfristige Schiffsbauprogramm bestätigt ist. Es wird die Bauparameter und den Bedarf an konkreten Schiffen bis 2050 festlegen.

Was können Sie zur Reparatur des schweren Atomkreuzers „Admiral Nachimow“ sagen? Wie teuer könnte sie werden?

Derzeit laufen Vorarbeiten, bald soll das Schiff in das Reparaturbecken gebracht, wo früher die „Vikramaditya“ gestanden hat. 2018 soll der Kreuzer an die Flotte zurückgegeben werden. Den Preis würde ich hier jedoch nicht nennen. Im Laufe der Reparaturen bekommt das Schiff neue Möglichkeiten dank den neuen Bewaffnungen und der radioelektronischen Ausrüstung.

Könnte man sagen, dass die Reparaturarbeiten an der „Nachimow“ eine Vorbereitung auf die Reparaturen der „Pjotr Weliki“ sind?

Durchaus. Die „Pjotr Weliki“ ist sehr wichtig für die Marine und erfüllt eine ganze Menge Aufgaben. Das Schiff wurde 1998 an die Flotte übergeben und wird seitdem aktiv eingesetzt. Bald steht die Reparatur an, und der Kreuzer wird modernisiert, genauso wie die „Nachimow“.

Wie läuft die Arbeit am Projekt „Leader“?

Sie wissen wahrscheinlich, dass das russische Verteidigungsamt letztes Jahr einen Vertrag über Entwicklungsarbeiten am „Leader“-Projekt zur Schaffung eines neuen Überwasserschiffs für den Ozean abgeschlossen hat.

Wie wird das Schiff eingestuft? Wird es ein Zerstörer oder ein Kreuzer sein?

Bislang ist von einem Mehrzweckkampfschiff der Ozeanklasse die Rede. Dieser Begriff bestimmt die Aufgaben und Möglichkeiten des zukunftsfähigen Schiffs.

Was könnten Sie über die technischen Merkmale des neuen Schiffes wie etwa Wasserverdrängung, Antrieb und Bewaffnung verraten?

Es muss noch entschieden werden. Die Flotte hat sich noch nicht festgelegt, ob sie ein Schiff mit einer Gasturbinenanlage oder mit einer Atomanlage braucht. Davon hängen die Ausmaße und die Wasserverdrängung stark ab. Was die Bewaffnung anbelangt, so müssen wir vieles, was das Schiff bekommen soll, an der Fregatte des Projekts 22350 testen.

Heute wird eine Serie von Fregatten des Projekts 22350 gebaut, doch die Tests des neuen Schiffs und seine Inbetriebnahme werden immer wieder verschoben. Bewegt sich da etwas?

Dieses Jahr wird das Schiff in See stechen. Das Projekt hat allerdings noch so manche Probleme zu überwinden. Sie sind auf viele Neuerungen zurückzuführen, die den Antrieb, die Elektronik und die Bewaffnungen betreffen. Natürlich gab es da Schwierigkeiten, insbesondere seitens der Lieferanten von entsprechenden Waffensystemen und radioelektronischen Ausrüstungen.

Diese Probleme werden derzeit gelöst. Im Dezember fand in St. Petersburg eine Besprechung unter Leitung des russischen Vizepremiers Dmitri Rogosin zu diesen Fragen statt. Es wurden konkrete Lösungen zu den Lieferfristen und den Verpflichtungen der Lieferanten vereinbart. Wir setzen große Hoffnungen in dieses Projekt, es soll ein effizientes Instrument in entfernten Meeres- und zum Teil in Ozeangebieten liefern.

Was können Sie über Perspektiven der zukunftsfähigen Landungskräfte der russischen Marine sagen? Was ist das Schicksal der „Iwan Gren“ und der Projekts 11711 insgesamt, zu dem modernste große Landungsschiffe gehören?

Die Probleme der „Gren“ haben unter anderem mit Änderungen der technischen Aufgaben seitens der russischen Marine zu tun. Trotzdem wird dieses Schiff nächstes Jahr in Betrieb genommen. Außerdem sollen zwei oder drei weitere Landungsschiffe dieses Projekts gebaut werden.

Diese reichen für eine Erneuerung der Landungsstreitkräfte doch bestimmt nicht aus. Auf welchen Typ setzt man vor allem, auf die „Mistral“-Schiffe etwa?

Die russische Marine soll demnächst zwei hubschraubertragende Landungsdockschiffe des Typs „Mistral“ bekommen. Allerdings sind diese Schiffe ziemlich teuer und werden daher nicht massenhaft eingesetzt. Ich glaube, dass man vor allem auf mittelgroße Landungsdockschiffe mit einer Wasserverdrängung von 13 bis 15 Tonnen setzen wird, die ihrem Wesen nach der niederländischen „Rotterdam“ ähneln. Davon könnten sechs bis acht Stück gebaut werden. Gemeinsam mit den „Mistral“-Schiffen, dem Projekt 11711 und modernisierten großen Landungsschiffen werden sie der Marine erlauben, ihre Landungskräfte auf einem hohen Niveau zu unterhalten.

Dank dem Interview mit Anatoli Schlemow bekommt man einen Einblick in die Hintergründe vieler Entscheidungen, die in der letzten Zeit von der russischen Marine getroffen werden. Besonders sollte man das Projekt zum Bau der zukunftsfähigen Überwasserschiffe der Ozeanklasse beachten sowie die Entscheidung über die Reparatur der Kreuzer vom Projekt 1144 und die Verhandlungen über den eventuellen Rückkauf des Kreuzers „Ukraina“ (die ehemalige „Admiral Lobow“), der zurzeit im ukrainischen Nikolajew liegt. Bemerkenswert ist, dass auch die anderen Schiffe dieser Klasse repariert sowie Schiffe des Projekts 1155 kampffähig erhalten werden sollen.

Die genannten Fristen des Projekts „Leader“ mit der Kiellegung des Flaggschiffs 2017 oder 2018 bedeuten, dass das Schiff 2022 bis 2023 in die russische Marine aufgenommen werden kann. Von einer Serienproduktion ließe sich wohl nicht vor 2024 oder 2025 sprechen. Dies ist der hohe Preis der langen Pause in der Entwicklung neuer Schiffe der Ozeanklasse, doch darf Russland diesen Teil der Seemacht nicht einbüßen. Vor diesem Hintergrund ist die Reparatur von Schiffen der Projekte 1144, 1164, 1155 die einzige Möglichkeit für das Land, die Möglichkeiten seiner Flotte auf diesem Gebiet beizubehalten und sie nach Möglichkeit und in kürzesten Fristen auszubauen.

Quelle: http://german.ruvr.ru/2014_02_14/Russlands-Marine-Was-sind-Perspektiven-der-Schiffe-ersten-Ranges-8303/

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