Verfasst von: Dr. Who | 14.4.14

795 | Merkel – der Gladiator

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel weilte in diesen Tagen in Griechenland und bereitet sich auf einen Besuch in den USA vor.

In Griechenland sollte es, dank der deutschen Finanzhilfe, um die Überwindung der halb bankrotten Lage des Landes gehen. Die Journalisten interessierte dieses Thema aus verständlichen Gründen kaum, und die Massenmedien wandten sich alle der „ukrainischen Krise“ zu. In Washington wird man Angela Merkel am 1. und 2. Mai empfangen. Eigentlich wollte sie dort über die Reizpunkte in den deutsch-amerikanischen Beziehungen sprechen, etwa über die Überwachung und das Abhören von Politikern durch die NSA der USA. Aber auch in den Vereinigten Staaten wird sich offenbar erneut alles um den Kiewer Maidan drehen.

Wohl kein anderer in der EU fühlt sich heute wegen des „Kiewer Reizfaktors“ so bedrängt, wie die erste Bundeskanzlerin Deutschlands. Innere und äußere Bündnispartner, Handelspartner, Parlamentarier und auch politische Kontrahenten verlangen von Angela Merkel oft Widersprüchliches. Man kann sagen, sie sieht sich von allen Seiten her bedrängt.

Das deutsche Business ist überzeugt, dass man eine diplomatische Regelung des „ukrainischen Problems“ suchen müsse, meint Eckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.

„Wir wissen, dass sich die deutsche Regierung gerade in diese Richtung bewegt. Sollte keine diplomatische oder politische Regelung gefunden werden, so könnten natürlich Wirtschaftssanktionen das letzte Mittel sein. Aber, ich wiederhole, das deutsche Business ist überzeugt, dass es uns gelingt, das zu vermeiden.“

Eckhard Cordes wies die Behauptung zurück, dass es für den Westen überhaupt und für Deutschland insbesondere verderblich sei, auf die Abhängigkeit vom Import russischer Energieträger zu verzichten.

„Ich denke nicht, dass das ein Fehler ist. Schauen Sie in die Vergangenheit, um 40 Jahre zurück. Da sehen Sie, dass Russland kein einziges Mal seine Lieferungen (von Energieträgern) in den Westen unterbrochen hat. Derartiges gab es nicht einmal in den kältesten Jahren des Kalten Krieges. Sie haben ihre Versprechen stets erfüllt und waren stets ein zuverlässiger, sehr zuverlässiger Lieferant nach Europa.“

Nach den jüngsten Angaben einer Meinungsumfrage des Journals „Stern“ treten 63 Prozent der Deutschen gegen Handels- und Wirtschaftssanktionen gegen Moskau wegen der Krim ein. Mehr als 90 Prozent betrachten einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Moskau, wie ihn manche „junge“ Mitglieder der EU gefordert haben, als unzulässig. Das Handelsvolumen zwischen Russland und Deutschlands erreichte im Jahr 2013 76 Milliarden Euro. Die deutschen Direktinvestitionen in die Wirtschaft Russlands betrugen 20 Milliarden. In der Russischen Föderation sind mehr als 6.000 deutsche Unternehmen tätig. In Deutschland sind mehr als 300.000 Arbeitsplätze durch russische Verträge gewährleistet.

Es falle sehr schwer, sich vorzustellen, dass Deutschland so einfach Russland von seiner Wirtschaft abtrennen könnte, sagt der Geschäftsbereichsleiter Renolit Exterior, Stefan Friedrich, Vertreter eines führenden deutschen Unternehmens:

„Ich denke nicht, dass sich jetzt jemand entschließen wird, Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verhängen und, sagen wir, den Verkauf unserer Produkte stoppen wird. Es ist unklar, wie das zu machen ist. Zu diesem Zweck müsste man alle Grenzen schließen. Wir sehen nicht, dass sich jemand darauf vorbereiten würde.“

Wie die europäischen Zeitungen zugeben, gestalten sich die Dinge jetzt so, das Angela Merkel, die „Hausherrin“ der Euro-Zone und der Wirtschaft Europas, jetzt den Schlüssel zum künftigen Zustand der Wirtschaft des Kontinents in ihren Händen hält. Ebenso in den Beziehungen Europas zu Russland. In Europa Angela Merkel zu sein, ist wohl heute der schwierigste Beruf.

Quelle: http://german.ruvr.ru/2014_04_14/Zwischen-Berlin-Washington-Moskau-Wie-schwer-es-heute-ist-Merkel-zu-sein-5349/

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