Verfasst von: Dr. Who | 23.4.14

834 | Warum Amerikas Macht nicht unbegrenzt ist

STIMME RUSSLANDS Um die einzige Supermacht zu bleiben, agieren die USA nur in ihrem eigenen Interesse und legen kaum Wert auf ihre Verbündeten. Deswegen bekommt Amerika immer mehr geopolitische Probleme. Zu diesem Schluss gelangt ein russischer Experte bei einem Blick auf die Lage im Nahen und Mittleren Osten.

Der russische Orientalist Jewgeni Satanowski schreibt in einem Gastbeitrag für die russische Wochenzeitung „WPK“, trotz des westlichen Propaganda-Krieges beanspruche Russland nicht die Rolle einer Supermacht. Diese Rolle habe eigentlich viele Nachteile, darunter gigantische Ausgaben für Militäreinsätze und Stützpunkte im Ausland sowie die Rückendeckung für Satellitenstaaten weltweit.

Die Supermacht-Positionierung bleibe offenbar noch lange den USA vorbehalten. Amerika sei in der Lage, jedem angenommenen Gegner einen verheerenden militärischen Schlag zu erteilen. Doch selbst die USA seien trotz ihres wirtschaftlichen Potenzials nicht fähig, zwei Kriege zeitgleich zu führen. Das hätten die Einsätze in den 2000er Jahren bestätigt.

Dementsprechend bleibe der mehrmals in Aussicht gestellte Militärschlag gegen den Iran wahrscheinlich aus – zumindest unter Präsident Barack Obama. Die derzeitige US-Regierung baue die Militärpräsenz im Nahen und Mittleren Osten ab.

Obwohl die Regierung in Washington Kontakte mit der neuen iranischen Führung suche, wolle Amerika auch den Einfluss auf seine bisherigen Verbündeten Saudi-Arabien und Israel nicht verlieren. Das sei ein weiterer Beleg dafür, dass Amerika lediglich in seinem eigenen Interesse agiere, die Sicherheit seiner Partner vernachlässige und seine eigenen Verpflichtungen breche, wenn die US-Regierung all dies für günstig halte.

Die Beziehungen der USA mit Saudi-Arabien und Israel seien vor diesem Hintergrund deutlich schlechter geworden. Die Friedensmission von US-Außenminister John Kerry sei „katastrophal gescheitert“, Obamas Besuch in Riad wenig erfolgreich gewesen, so der russische Experte.

„Auch der ägyptische Militärchef Abdel Fattah al-Sisi wird dem US-Präsidenten kaum verzeihen, dass dieser die Entmachtung der Muslimbrüder aktiv verhindern wollte und al-Sisi grob unter Druck setze, nachdem dessen Vorgänger Mohammed Mursi hinter Gitter gebracht worden war. Das betrifft auch die Aussetzung der US-Militärhilfe für Ägypten, obwohl dessen Anti-Terror-Einsatz auf dem Sina-Halbinsel zu jenem Zeitpunkt auf Hochtouren lief“, schreibt Satanowski.

Seit mehr als drei Jahrzehnten versuche Amerika, militante sunnitische Islamisten in seinem Interesse zu instrumentalisieren. Das habe in den 1980er Jahren begonnen, als sowjetische Soldaten in Afghanistan im Einsatz waren. Mit Hilfe von Islamisten wolle Amerika seine (geglaubten) Rivalen wie Russland, aber auch seine allzu selbständigen Verbündeten schwächen. Selbst die 9/11-Anschläge und der Terror-Angriff in Boston hätten diesen US-Kurs kaum gestört.

Der Versuch des US-Außenministeriums, auf die „weltlichen“ Rebellen-Gruppen in Syrien zu setzen, sei gescheitert. Die Freie Syrische Armee verkomme und gerate außer Kontrolle. Vor diesem Hintergrund seien nur die Dschihadisten fähig, die Situation im Nahen und Mittleren Osten wie gewünscht zu destabilisieren.

Weder die Amerikaner noch die Regierungen in Ankara, Riad und Doha hätten auf die Idee verzichtet, das Regime in Damaskus zu stürzen. Nach der Entsorgung der syrischen Chemiewaffen werde die Nato mit den USA an der Spitze wahrscheinlich Luftangriffe auf Syrien starten.

Ein weiteres Problem für Amerika sei die Aufrechterhaltung einer scheinbaren Stabilität in Afghanistan nach dem geplanten US-Truppenabzug, obwohl die US-Regierung über den afghanischen Drogenhandel und das unvermeidliche Comeback der Taliban wenig besorgt sei, stellt Satanowski fest.

Quelle: http://german.ruvr.ru/2014_04_22/Warum-Amerikas-Macht-nicht-unbegrenzt-ist-1883/

Advertisements

Kategorien