Verfasst von: Dr. Who | 18.5.14

891 | Nervenkrieg im Schwarzen Meer: USA fordern Russland heraus

MOSKAU, 09. April (RIA Novosti).

Das Auftauchen des US- Zerstörers „Donald Cook“ im Schwarzen Meer ist ein Versuch Washingtons, Russland angesichts seines Vorgehens in der Ukraine-Krise auf den Zahn zu fühlen, wie der Vorsitzende der russischen „Bewegung zur Unterstützung der Flotte“, Kapitän zur See Michail Nenaschew einschätzte.

Außerdem sei das ein Zeichen für Rumänien, Polen und Montenegro, die zuletzt ihre Bereitschaft signalisiert haben, Raketenabwehranlagen auf ihrem Territorium aufstellen zu lassen, ergänzte der Experte.

Zuvor hatte der US-Nachrichtensender CNN auf seiner Webseite unter Berufung auf anonyme Quellen im US-Verteidigungsministerium berichtet, dass der Zerstörer „Donald Cook“ spätestens am 10. April das Schwarze Meer erreichen würde. Dabei habe es keine offizielle Erklärung des Pentagons bezüglich eines zweiten Kriegsschiffes in diesem Raum gegeben. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, hatte mitgeteilt, dass Washington die Aufenthaltsfrist des Zerstörers „Truxtun“ im Schwarzen Meer verlängert habe und dass „zusätzliche Ressourcen“ dorthin entsendet werden könnten.

Eine Quelle teilte am Mittwoch unter Berufung auf die russische Marine mit, dass die „Donald Cook“ derzeit die Schwarzmeerstraßen passiere und am 10. April das Schwarze Meer erreichen werde. Die „Truxtun“ habe das Schwarze Meer  inzwischen verlassen. Der in Spanien stationierte und mit Lenkwaffen bestückte Zerstörer „Donald Cook“ gehört zur Arleigh-Burke-Klasse. Das Schiff ist außerdem mit Aegis-Luftabwehrraketen und Tomahawk-Marschflugkörpern ausgerüstet.

Das Aegis combat system ermöglicht die gleichzeitige Verfolgung und Vernichtung von Boden-, Wasser, Unterwasser- und Luftzielen. Entscheidungen über die Vernichtung von gefährlichen Zielen können automatisch getroffen werden. Das Aegis-System kontrolliert einen 190 Kilometer großen Radius um das Schiff. Im Weltraum kann es Ziele aus einer Entfernung von 320 Kilometern orten.

„Tomahawks helfen nicht“

Dass Russland im Schwarzen Meer den schlagkräftigsten Marineverband habe, sei offensichtlich, äußerte Experte Nenaschew in einem Gespräch mit RIA Novosti. Die an der Küste aufgestellten Raketenanlagen und die Luftwaffeneinheiten seien ausreichend, „um das gesamte Schwarze Meer abzudecken“ und jegliche Schläge abzuwehren, betonte er.

„Um aber Russland zu ärgern, die antirussischen Kräfte in Polen, Rumänien und der Ukraine zu trösten und die eigenen Absichten zu untermauern, haben die Amerikaner dieses Schiff ins Schwarze Meer geschickt“, so Nenaschew.

Er unterstrich, dass die USA für die Entfaltung ihrer Raketenabwehr mindestens fünf derartige Schiffe bräuchten. „Es ist aber unmöglich, das gesamte Raketenabwehrsystem an Bord eines einzigen Schiffes zu installieren, auch wenn es mit fast 90 Anti-Raketen-Raketen bewaffnet ist. Bei einem Worst-Case-Szenario in der Region könnten diese US-Schiffe mit einem einzigen Schuss versenkt werden, ihre Tomahawks und die anderen Raketen würden ihnen überhaupt nicht helfen“, so der Experte.

Bitte Abkommen einhalten!

Mit der Stationierung eines kompletten Schiffsverbandes im Schwarzen Meer würden die Amerikaner den Vertrag von Montreux verletzen, der den Verkehr von Schiffen der Nicht-Schwarzmeer-Anrainer in den Dardanellen, dem Marmarameer und dem Bosporus regelt, so Nenaschew weiter. „Jeder dieser US-Zerstörer hat eine Wasserverdrängung von etwa 10 000 Tonnen. Wenn man bedenkt, dass es dort auch andere Schiffe gibt, würde die Frage aufkommen, ob der Vertrag von Montreux eingehalten wird“, warnte er.

Laut diesem Vertrag von 1936 dürfen die Nicht-Schwarzmeer-Anrainer durch die Schwarzmeerstraßen nur leichte Überwasserschiffe und Hilfsschiffe mit einer Wasserverdrängung von höchstens 10 000 Tonnen schicken. Die gesamte Verdrängung eines Schiffsverbandes darf nicht mehr als 15 000 Tonnen betragen. Außerdem dürfen sie die Wasserstraßen zum Schwarzen Meer nur bei Tageslicht passieren. Den Nicht-Schwarzmeer-Anrainern ist es untersagt, ihre Flugzeugträger und U-Boote in die Wasserstraßen zum Schwarzen Meer zu schicken. Die gesamte Verdrängung eines Kriegsschiffsverbandes der Nichtanrainer darf bei höchstens 45 000 Tonnen liegen. Außerdem dürfen sie sich nicht länger als 21 Tage im Schwarzen Meer aufhalten.

„Die Amerikaner wollen mit diesem Schiff lediglich demonstrieren, dass sie die Idee der Raketenabwehr-Aufstellung am Schwarzen Meer nicht aufgegeben haben“, fuhr Nenaschew fort. Das sei nur ein Versuch, Russland auf den Nerv zu fühlen. In Moskau begreife man das allerdings.

„Die wichtigste Frage ist: Was haben US-Schiffe 5000 Meilen von ihrer eigenen Küste entfernt im Schwarzen Meer zu suchen? Wie würden die Amerikaner darauf reagieren, wenn unsere Zerstörer im Golf von Mexiko umher fahren und wir unsere Raketenabwehrsysteme dort aufstellen würden?“ fragte der Experte rhetorisch.

Quelle: http://de.ria.ru/opinion/20140409/268237957.html

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