Verfasst von: Dr. Who | 21.9.14

989 | NDR: Öffentlich-rechtliches Rasmussen-Lob zum Abschied

Das deutsche Staatsfernsehen überschüttet den scheidenden NATO-Generalsekretär zum Abschied mit einigem Lob. Besonders anerkannt werden seine scharfen Worte in der Ukraine-Krise und das harte Vorgehen gegen Russland. Selbst die große militärideologische Nähe zum Obama-Vorgänger George W. Bush scheint kein Problem zu sein.

Von Marco Maier

Irgendwo angeeckt ist er ja immer schon. Ob es sich um den Irak-Krieg handelte, bei dem er US-Präsident Bush seine volle Unterstützung zukommen ließ, die Debatte über die Bombardierung Libyens bei dem er die deutsche Delegation – die sich dagegen aussprach – brüskierte, oder die Verteidigung der Mohammed-Karikaturen mit der er die Türkei gegen sich aufbrachte – an Ecken und Kanten mangelt es dem Dänen nicht. Dies merkt man auch im Umgang mit Russland. Politische und militärische Hardliner sind derzeit eben sehr beliebt.

Doch der Scharfmacher Rasmussen hat auch Freunde in Deutschland. Offenbar will ihm das transatlantische Netzwerk, welches sich auch über die deutschen Staatsmedien erstreckt, zum Abschied ein kleines mediales Denkmal setzen, bevor mit dem Norweger Jens Stoltenberg ein eher moderater Politiker die Führung des transatlantischen Militärbündnisses übernimmt. Vielleicht soll dies auch nur ein kleiner Fingerzeig für seinen sozialdemokratischen Nachfolger sein, der als Verhandler gilt und durchaus diplomatisch agieren kann. Für die zukünftige Ostpolitik der NATO ist er wohl doch eher der passende Partner.

Im NDR, einst unter britisch-alliierter Kontrolle, gibt es für den rechtsliberalen Anders Fogh Rasmussen jedoch deutlich mehr Lob als Tadel. Vor allem Rasmussen-Versteher kommen zu Wort und die Zustimmung zum harten Kurs gegen Russland scheint überall durch. Wenngleich man quasi durch die Blume zugibt, dass der Disput mit Moskau eigentlich nur dazu dient, die Existenzberechtigung der Militärorganisation in Zeiten ohne machtpolitische Blöcke aufrecht zu erhalten. Die künstliche Verschärfung der politischen Differenzen durch die NATO-Politiker sorgte dafür, dass die westlichen Militaristen für Zusammenhalt sorgen können und das Bündnis somit fester aneinander schweißen.

Quelle: contra-magazin.com

Advertisements

Kategorien