Verfasst von: Dr. Who | 25.9.14

1004 | Totalitarismus als Ausfluss von Werten

Die Art und Weise, wie die westlichen Werte weltweit durchgesetzt werden, ähnelt mittlerweile den Methoden des totalitären kommunistischen Regimes, meint der einstige sowjetische Dissident Eduard Losanski.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Gastbeitrag für die Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ schreibt Losanski, heute Präsident der American University in Moskau: „Wer Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre die monumentale Umgestaltung der sowjetischen Gesellschaft beobachtete bzw. an diesem Vorgang teilnahm, erinnert sich an die damalige Euphorie. Attribute des totalitären kommunistischen Regimes wurden Vergangenheit – und die Bürger des neuen Russland wollten in die große Familie der von Amerika geführten westlichen Zivilisation einsteigen.“

Das vom „kommunistischen Joch“ erschöpfte Russland sei bereit gewesen, die westlichen Werte wie Menschenrechte, Herrschaft des Gesetzes, Demokratie, Freiheit und Marktwirtschaft zu akzeptieren. Die Mehrheit der Russen habe erwartet, dass ausgerechnet Amerika dabei helfen werde, diese Werte in die Tat umzusetzen.

Doch die Geschehnisse im postsowjetischen Russland hätten sich von diesen Idealen und Träumen krass unterschieden. Die Wirtschaft sei mehr als während des Zweiten Weltkrieges beeinträchtigt worden. Millionen Menschen hätten die Arbeit und ihre Ersparnisse verloren. Nicht die Geschäftsleute, sondern vor allem die Kriminalität habe die Freiheit genossen. Und die damalige Privatisierung werde von vielen als größte Plünderung des 20. Jahrhunderts betrachtet, so Losanski.

„Natürlich darf man den Westen dafür nicht völlig verantwortlich machen. Es ist jedoch nicht abzustreiten, dass die Privatisierung sowie viele Reformen in Russland unter direkter Teilnahme zahlreicher westlicher (meistens US-amerikanischer) Berater erfolgten“, schreibt Losanski weiter.

Es gebe keine eindeutige Antwort auf die Frage, warum Amerika sich geweigert habe, Russland in die westlichen wirtschaftlichen, politischen und militärischen Strukturen zu integrieren. Offenbar habe der Westen keine Wiedergeburt Russlands als Weltmacht gewollt. Der Westen habe Russland eher als „Rohstoffanhängsel“ und Absatzmarkt betrachtet.

„Doch es hat sich ein Wunder vollzogen. Wie der mythische Phönix konnte Russland neu erstehen und auf der Topliste der führenden Wirtschaften landen. Die Werte der westlichen Zivilisation (oder, genauer gesagt, die Methoden ihrer Weiterverbreitung) werden indes in Zweifel gezogen – nicht nur in Russland, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Die Luftangriffe auf Serbien, die Farbrevolutionen, der Arabische Frühling, der Angriff auf den Irak, Libyen und Syrien ohne UN-Zustimmung, Hunderttausende Opfer, Millionen Flüchtlinge, Chaos, Zerrüttung, aber auch die Entstehung einer neuen Generation der Terroristen, im Vergleich zu denen die Al-Qaida nahezu gemäßigt erscheint – all dies lädiert das Image des Westens“, so der Kommentar.

Zwar seien die deklarierten Werte der westlichen Zivilisation nach wie vor gültig. Doch ihre gewaltsame Durchsetzung ähnle in letzter Zeit immer mehr den Methoden des sowjetischen Regimes, stellt Losanski fest.

Die Mehrheit der Amerikaner sei laut Umfragen gegen die Einmischung in die Angelegenheiten von Drittländern, die die Sicherheit der USA nicht gefährden. Barack Obamas Zustimmungswerte nähmen ab. Nur 13 Prozent der Amerikaner fänden die Arbeit des US-Kongresses befriedigend. „Die politische Landschaft der USA muss sich umgestalten, um die Außenpolitik des Landes grundlegend zu korrigieren und die gefährlichen Fehler der Regierungen von Clinton, Bush jr. und Obama einzusehen. Zwar sind diese Chancen gering, doch die Chancen auf einen Zusammenbruch des Kommunismus sind einst noch geringer gewesen. Wunder ereignen sich manchmal“, schlussfolgert Losanski.

Quelle: http://de.ria.ru/politics/20140925/269636661.html

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