Verfasst von: Dr. Who | 2.10.14

1016 | Türkischer Militär: Sanktionen gegen Russland unzulässig

In der letzten Zeit scheint der Westen von einer gewissen „antirussischen Idee“ besessen zu sein. Interessant ist dabei, dass die Türkei als wichtiges Glied des westlichen Systems der kollektiven Sicherheit bei weitem nicht immer derartige Aktionen des Westens unterstützt.

Warum? Seine Meinung hierzu äußerte im Gespräch mit der STIMME RUSSLANDS Prof. Dr. Mesut Hakkı Çaşın von der Militärakademie der Luftstreitkräfte der Türkei und der Universität Özyeğin in Istanbul. Konkret sagte er Folgendes:

„Kaum ist eine Militärübung zu Ende, beginnt die NATO bereits die nächste. Die Militärübung "Rapid Trident" war noch im Gange, als bereits die Militärübung ‚Anakonda‘ begann. Als ihre Initiatoren treten angeblich die Länder der Region auf, die die von Russland ausgehenden Bedrohungen fürchten.

Was die Türkei betrifft, so muss in erster Linie gesagt werden, dass die Türkei Russland nicht als einen Gegner betrachtet. Die Türkei hat sich von den Realitäten des Kalten Krieges gelöst und lebt in der Gegenwart. Die türkische öffentliche Meinung betrachtet Russland heute als einen äußerst wichtigen Nachbarn am Schwarzen Meer. Die Freundschaft zwischen beiden Ländern festigt sich durch die Freundschaft zwischen unseren Völkern.

Die Konflikte in der Schwarzmeer-Region betrachtet die Türkei durch das Prisma unserer eigenen Interessen. Die Türkei tritt für die Erhaltung des Friedens und der Stabilität auf dem Schwarzen Meer und für die unbedingte Einhaltung der Montreux-Konvention ein. Die Türkei ist davon überzeugt, dass die Sicherheit der Schwarzmeer-Region durch die Bemühungen der Schwarzmeer-Anrainerstaaten gewährleistet werden muss. Ankara meint, die Ukraine-Krise besitze einen ökonomischen und politischen Hintergrund und müsse deshalb mit ökonomischen und politischen Mitteln geregelt werden. Die angespannten Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine, zwischen beiden Bruderländern, können durchaus mit friedlichen Mitteln geregelt werden. Nichts hindert Kiew daran, unter Berücksichtigung der Wünsche der Bewohner der südöstlichen Gebiete der Ukraine im Land Reformen durchzuführen.

Die Türkei als Mitglied der NATO nimmt an den Militärübungen der Luft-, See- und Landstreitkräfte der Allianz teil. Doch zum Beispiel im Unterschied zu Polen verhält sie sich Russland gegenüber ganz anders und tritt gegen jegliche provokative Handlungen ein. Zweitens ist Ankara für die unbedingte Einhaltung der internationalen Verträge. Drittens informieren wir unsere russischen Partner über alle bevorstehenden Militärübungen in der Schwarzmeer-Region.“

Es ist offensichtlich, dass die Aktivitäten der NATO in der Region ein Ausdruck der Zügelungspolitik Russland gegenüber sind. Entspricht eine solche Politik Ihrer Meinung nach den Interessen der heutigen Welt? Prof. Dr. Mesut Hakkı Çaşin beantwortete diese Frage so:

„Russland ist ein globaler Akteur, ein ständiges Mitglied des Sicherheitsrates der UNO, das im Rahmen der Erhaltung des globalen Friedens eine äußerst wichtige Bedeutung besitzt. Man darf nicht vergessen, dass es im vergangenen Jahr gerade dank der Bemühungen des Präsidenten Putin gelungen war, die Chemiewaffen Syriens zu vernichten. Russland ruft heute die Weltgemeinschaft zu einer ganzen Reihe von Problemen zu konstruktiven Schritten auf. Besonders gilt das für die syrische, irakische und palästinensische Krise. Es ist offensichtlich, dass diese Probleme ohne die Teilnahme Russlands nicht zu regeln sind.

Das Weiße Haus muss seine militärische Sicherheitsstrategie, vor allem seine Russland-Politik, überdenken, und zwar unter Berücksichtigung des realen politischen Einflusses Russlands in der Welt und dessen militärischer Stärke. Ein Druck auf Russland mit Hilfe der Verhängung von Wirtschaftssanktionen im Zusammenhang mit dessen Position zur Ukraine-Problematik ist meines Erachtens unzulässig. Die Türkei ist sich der Bedeutung und Stärke Russlands bewusst, und sie verhält sich ihm gegenüber in den bilateralen Beziehungen und ebenso in der Weltarena in gebührender Weise“, sagte abschließend Prof. Dr. Çaşin im Gespräch mit der STIMME RUSSLANDS.

Quelle: http://german.ruvr.ru/2014_10_01/Experte-Keiner-hindert-Kiew-daran-die-Wunsche-der-Bewohner-des-Sudostens-zu-berucksichtigen-3380/

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