Verfasst von: Dr. Who | 14.10.14

1044 | Russland in neuer Welt: „US-Hegemonie ist zu Ende“

STIMME RUSSLANDS Der Westen mit Amerika an der Spitze reagiert nahezu hysterisch auf Russlands Bereitschaft, seine nationalen Interessen zu verteidigen, stellt ein russischer Staatsmann fest. Die US-Regierung plant einem Zeitungsbericht zufolge keine weitere „Reset“-Politik gegenüber dem Kreml. Ein neuer US-Botschafter soll nach Moskau kommen.

Russland in „kompakter“ Welt

Jewgeni Lukjanow, Vizechef des russischen Sicherheitsrates, sagte am Mittwoch im Interview mit der Agentur Ria Novosti, nach dem Kalten Krieg sei zunächst eine monopolare Welt mit den USA an der Spitze entstanden: „Doch dieser Status quo existierte relativ kurz. Neue Machtzentren kamen zustande, darunter die Länder, die der BRICS-Gruppe angehören. Auch Russland selbst konnte wieder Fuß in der Welt fassen. Verschiedene Staaten betonten offen ihre Interessen und forderten, ihre grundlegenden Rechte zu respektieren. Damit war die US-Hegemonie in der Welt zu Ende, womit sich Washington natürlich nicht abfinden will.“

Russland sei keine Sowjetunion, sondern ein anderer Staat, der bereit sei, seine nationalen Interessen zu verteidigen. Dies habe im Westen eine „inadäquate Reaktion“ ausgelöst, die einer „Hysterie“ ähnle. Es sei aber nicht möglich, den Faktor Russland zu ignorieren, mahnte Lukjanow.

Angesicht der Globalisierung sei die Welt derzeit „sehr kompakt“. Russland sei in die Weltwirtschaft integriert, hieß es. Lukjanow warnte vor wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland. Wenn sich ein Land für solche Restriktionen entscheide, schade es seinen einheimischen Unternehmen.

„Boeing präsentierte beispielsweise seinen Dreamliner und erhielt viele Aufträge. Diese Verträge sehen Verzugsstrafen vor, falls die Liefertermine nicht eingehalten werden. Titan für diese Wunderjets kommt aber aus Russland. Was ist, wenn die Titan-Lieferungen gestoppt werden? Wie viele Reklamationen bekommt dann Boeing? Das wäre wohl nicht die beste Aussicht für den Konzern“, sagte Lukjanow.

Neuer US-Botschafter erwartet

Zu den Differenzen zwischen Moskau und Washington äußerte sich unterdessen auch Ben Rhodes, ein außenpolitischer Berater von US-Präsident Barack Obama. Er kommentierte die jüngste Erklärung des russischen Staatschefs Wladimir Putin, der am Dienstag die „notorische Abschreckungspolitik gegen Russland“ gegeißelt hatte. Putin sagte, diese Politik werde trotz des Endes des Kalten Krieges weiter betrieben und liege der Ukraine-Krise zugrunde.

Rhodes will dieser These nicht zustimmen. Die russische Tageszeitung „Kommersant“ zitierte ihn am Mittwoch in ihrer Onlineausgabe mit den Worten, der wegen der Ukraine zugenommene Streit zwischen Moskau und Washington gehe „keineswegs auf die Absicht der USA zurück, Russland irgendwie zu bestrafen“. Washington sei davon überzeugt, dass jeder Staat, darunter auch die Ukraine, „für sich selbst entscheiden“ dürfe. Das sei eben der Kern der Differenzen mit Russland, so Rhodes.

Nach Informationen des Blattes soll der durch seine Kreml-Kritik bekannte John Tefft der neue US-Botschafter in Moskau werden. Die US-Regierung habe bereits einen entsprechenden Antrag an Russland gestellt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf US-Diplomaten. Der bisherige Botschafter Michael McFaul war im Februar zurückgetreten.

Ein nicht namentlich genannter Beamter des US-Außenministeriums sagte dem Blatt: „Das Weiße Haus hat über seine weitere Russland-Politik endgültig entschieden. Es wird keine neue ‚Reset‘-Politik geben. Solange Barack Obama im Amt bleibt, wird seine Regierung versuchen, ihre Zusammenarbeit mit Russland zu minimieren.“ Tefft (einst Amerikas Botschafter in Georgien und in der Ukraine) gelte als harter Unterhändler, zu Kompromissen wenig geneigt, schrieb das Blatt.

Quelle: http://german.ruvr.ru/2014_07_02/Russland-in-neuer-Welt-US-Hegemonie-ist-zu-Ende-6307/

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