Verfasst von: Dr. Who | 14.10.14

1045 | Explosiv III: Gekaufte Journalisten – „Journalisten sollten ihre eigene Position halten“

Seit die ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ die Nebentätigkeiten von Josef Joffe, Herausgeber der Zeitung „Die Zeit“, bekannt gemacht hat, dass er Mitglied in einem Interessensverband ist, stellt sich die Frage, inwiefern Journalisten objektiv und unabhängig publizieren. Und ob sie dies bei Mitgliedschaft in Interessensverbänden überhaupt tun können. Jana Hermanovskaja hat Prof. Karl Renner von der Universität Mainz gefragt, was diese Interessensverbände sind und warum Journalisten Mitglieder solcher Verbände sein dürfen.

Was versteht man unter Interessensverbänden oder auch den Netzwerken für Journalisten?

Unter Interessenverbänden, Netzwerken usw. versteht man eine Einrichtung, die für die modernen Gesellschaften üblich sind, dass Leute untereinander Kontakt haben. Unsere Gesellschaft ist in viele Facetten ausdifferenziert, sodass eine Gegenbewegung da ist, seine Interessen zu bündeln. Journalisten sollten sich nicht zum Sprachrohr für Interessensgruppen machen, sondern sie sollten ihre eigene Position halten. Ein einfaches Beispiel: Wenn ich zum Sprachrohr der Autotester werde, und auf einmal Autos sehr positiv beschreibe, dann ist das nicht mit journalistischen Vorstellungen zu verbinden.

Wie kommt es denn, dass Journalisten oder Herausgeber von Medien Mitglieder oder gar Förderer von diversen Interessensverbänden sein dürfen?

Das ist das Grundrecht der Versammlungsfreiheit und Journalisten geben nicht ihre Grundrechte ab, nur weil sie journalistisch tätig sind.

Welche Konsequenzen hat es für den Medienkonsument, wenn er Informationen eines Journalisten annimmt, der beispielsweise in einem Autoverband tätig ist. D.h. dass es keine unabhängigen Informationen sind.

Das kann natürlich negative Konsequenzen haben, wenn der Journalist seine eigentlich journalistischen Tätigkeiten nicht erfüllt hat und die erhaltenen Informationen nicht gegen recherchiert, einordnet und gewichtet oder wenn er es interessengeleitet macht.

Werden Journalisten dazu animiert, Interessenverbänden beizutreten?

Nein, im Gegenteil: Man warnt davor, weil Journalisten dadurch dann im Interessenskollisionen kommen können. Dass Journalisten bewusst falsche Informationen verbreiten oder über Sachverhalte nicht berichten, weil der Verband darüber nicht berichten möchte. Ein anderer Punkt ist, dass Journalisten mit ihren Informationen, die sie vom Verband haben, instrumentalisiert werden. Und diese Instrumentalisierung erleben wir auch im Bereich der Politik. Ich habe lange nachgedacht, ob das wirklich sinnvoll ist, warum Journalisten auf ihr Bürgerschaftsengagement verzichten sollten, bis wir den Unicef-Skandal in Deutschland hatten. Da kann also was passieren, dass die Glaubwürdigkeit der Journalisten dadurch beschädigt wird, dass der Verband, für den sie ihr Gesicht hergeben, auf einmal irgendwelche Schwierigkeiten hat.

Können Journalisten heutzutage überhaupt unabhängig berichten? Es ist ja bekannt, dass zum Beispiel Zeitungen oder Zeitschriften politisch orientiert sind. Wie ist dieser Zweispalt zu erklären?

Ich würde nicht sagen, dass Zeitschriften politisch organisiert sind. Das ist ja ein Entwicklungsprozess, und damit ist es wichtig, dass die Informationen unabhängig sind. Wie stellt man diese Unabhängigkeit her? Da sind die Überlegungen in Deutschland sehr ausgearbeitet gewesen, dass wir auf der einen Seite die unterschiedlichen Zeitungen in einen Wettkampf miteinander treten zu lassen, stellt sich ein Meinungsbild her, indem unterschiedliche Positionen aufeinander prallen.

Sind Herausgeber oder Produzenten in anderen Medien ebenfalls Mitglieder in Interessensverbänden?

Da muss man unterscheiden. Die haben ihre eigenen Interessensverbände, weil sie sich als Wirtschaftsverbände verstehen wie in etwas des ganzen Bereiches des Rundfunks. Beim privaten Rundfunk geht es nicht unbedingt darum, Meinung zu machen, sondern da geht es in erster Linie um das Geldverdienen. Und Geld wird verdient, indem man sich dem Mainstream anpasst. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist natürlich ein Einfluss der Parteien da.

Seit kurzem stehen alternative Medien im kritischen Blick. Was sind alternative Medien und inwiefern sind sie tatsächlich alternativ?

Das sind Medien, die von Leuten produziert und hergestellt werden, die nicht von traditionellen Medien – seien es Zeitungsverlage, Fernsehsender, Rundfunksender – sind. Die Vorstellung von alternativen Medien ist, dass man versucht, Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen, die in den Massenmedien nicht erscheinen. Man muss Meinungen und Informationen trennen. Das ist in alternativen Medien oft nicht der Fall.

Wird denn in den Leitmedien komplett meinungsfrei gearbeitet?

Nein, überhaupt nicht. Aber solange sie ihre Meinung als Meinung kennzeichnen, dann kann man davon ausgehen, dass der Leser das versteht und einordnen kann. Das ist auch der Grundgedanke, dass man auf der einen Seite Informationen hat, die stimmen müssen.

Die ehemalige ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz kritisiert die einseitige Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt. Die ARD hat ebenfalls letztens zugegeben, einseitig berichtet zu haben. Wie konnte das passieren?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie einseitig gearbeitet haben. Ich teile nicht die Position von Frau Krone-Schmalz. Sondern sie (die ARD) hat wirklich versucht, beide Seiten darzustellen.

Quelle: http://german.ruvr.ru/2014_10_13/Interessenverbande-Journalisten-sollten-ihre-eigene-Position-halten-3561/

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