Verfasst von: Dr. Who | 17.10.14

1057 | Deutschland: Öffentliche Sprachlosigkeit

Mit dem Begriff „Public Aphasia" (zu Deutsch: öffentliche Sprachlosigkeit) wird die Unfähigkeit beschrieben, seine Meinung öffentlich kundzutun.

Der Direktor des Meinungsforschungszentrums Levada Lew Gudkow erklärt diesen Umstand mit der Tatsache, dass die Menschen in der Sowjetzeit ihre Meinung nicht öffentlich äußern konnten. Grund dafür war die Furcht vor Repressionen. „Juri Levada nannte das kollektives Geiseltum", so Gudkow.

Wer in der Sowjetunion [EU, Deutschland] eine individuelle Meinung hatte, die nicht mit der der Partei konform ging, und diese öffentlich machte, lief Gefahr, sich selbst, seiner Familie und seinen Freunden zu schaden. Die daraus resultierende Angst führte zu einer Selbstkontrolle. „Es ist also weniger eine Aphasie, ein Unvermögen, sich zu artikulieren, sondern es ist eher Konformismus, ein Anpassen an die Gegebenheiten" ergänzt Lew Gudkow. Im heutigen Russland wollten viele ihre Meinung ebenfalls nicht öffentlich äußern. „Die Russen scheinen bemüht, das zu zeigen, was die Obrigkeit sehen will, nicht aber das, was ihren eigenen Überzeugungen entspricht", glaubt er. „Loyalität und Gehorsam sind Verhaltensweisen, die in Russland [Deutschland, EU] weit verbreitet sind, und die im Endeffekt zu politischer Passivität und Apathie führen", fasst Gudkow zusammen.

„Um das öffentliche Gespräch zu entwickeln, brauchen wir vor allem öffentliche Plattformen, darunter auch im Fernsehen, wo zur Zeit nur ein einheitlicher Standpunkt vertreten wird", so Wakhtin. „Hätten wir ein anderes Fernsehen, könnten die Menschen auf den TV-Kanälen auch erleben, wie unterschiedliche Standpunkte vertreten werden: Dann würden sie verstehen, dass derjenige, der eine andere Meinung hat, nicht unbedingt ein Bösewicht oder Taugenichts ist. Würden sich unsere Medien mehr in dieser Richtung bewegen, hätten wir bei uns auch eine ganz andere Staatlichkeit", resümiert Wakhtin.

Quelle: rbth.com

Diese Tatsachen sind in Deutschland allgegenwärtig und keineswegs ein russisches Phänomen. Wer gegen die aufgezwungene "veröffentlichte Meinung" steht, hat mitunter schnell Existenzprobleme. Wer nicht spurt, wird verfolgt, auch ganz konkret juristisch und finanziell ruiniert (Belege finden sich hundertfach in Udo Ulfkottes Bestseller Gekaufte Journalisten), verleumdet, diffamiert, virtuell angespuckt und ausgesperrt.

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