Verfasst von: Dr. Who | 19.10.14

1063 | USA: Wem die Welt eine Geisel ist

Die USA erarbeiten militärische »Szenarien«, die nahe der russischen Grenze spielen. Das sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Zuvor hatte sein amerikanischer Amtskollege Chuck Hagel erklärt, die USA müssten sich auf ein »revisionistisches Russland« einstellen und darauf, dass die »moderne und leistungsfähige Armee (Russlands) vor der Tür der NATO steht«.

Schoigu erklärte sich »sehr besorgt« und »überrascht« von der Rede, die Hagel am Mittwoch bei der Jahreskonferenz des Interessenverbands Association of the United States Army hielt. Hagel hatte gesagt, die amerikanischen Streitkräfte müssen sich »mit einem revisionistischen Russland mit seiner modernen und leistungsfähigen Armee vor der Tür der Nato auseinandersetzen«.

»Die These von Chuck Hagel, die amerikanische Armee müsse sich mit einer ›modernen und leistungsfähigen‹ russischen Armee vor der Tür der NATO ›auseinandersetzen‹, löst große Besorgnis aus«, zitiert die russische Nachrichtenagentur TASS Schoigu. »Das spricht dafür, dass das Pentagon an Szenarien für Operationen an den Grenzen unseres Landes arbeitet.«

»Ich kenne den amerikanischen Verteidigungsminister Chuck Hagel persönlich. Deshalb hat die Rede, die er beim Jahrestreffen der US Army hielt und bei der er Russland zum Hauptfeind erklärte, uns alle gelinde gesagt überrascht«, so Schoigu.

Der Minister untersuchte einige der Konflikte, in die die USA zuletzt verwickelt waren, darunter die im Irak, Libyen, Afghanistan und Syrien, und schlussfolgerte: »Die Regionen, in denen die Vereinigten Staaten versuchen, die Demokratie zu fördern, tendieren dazu, in blutiges Chaos zu stürzen, nachdem die USA ihre Mission erfüllt haben.«

Was den Aspekt neuer Bedrohungen an der Grenze der NATO anbelangt, erklärte Schoigu, es seien die USA, die »sich hartnäckig nähern … und immer dichter an unsere Türen herankommen«. Schoigu regte an, einen »vorurteilslosen und unparteiischen Dialog zu führen, anstatt die Spannungen hinter dem Rücken eines anderen zu steigern«.

Washington reagierte am Donnerstag und erklärte, die USA hätten in Hagels Rede keinerlei Drohungen ausgesprochen. »Die Rede enthielt keinerlei bedrohliche Kommentare in Richtung irgendeines Landes«, sagte Konteradmiral John Kirby, Sprecher des Pentagons, bei einem Pressebriefing am Donnerstag.

Er fügte hinzu, die USA würden sich unbesonnen verhalten, »wenn wir nicht über das Maß an Bereitschaft nachdächten, das in ganz Europa notwendig ist, schließlich haben wir im Rahmen der NATO gegenüber unseren Verbündeten dort weitreichende vertragliche Verpflichtungen«.

Seit die NATO Russland vorwirft, sich in den Ukraine-Konflikt eingemischt zu haben, sind die Beziehungen zwischen Russland und dem Bündnis angespannt. Russland hat den Vorwurf stets zurückgewiesen. Im März kam es zur Wiedervereinigung der Krim mit Russland.

Seitdem bombardieren die USA und Europa Russland mit Sanktionen und seitdem hat die NATO ihre militärische Präsenz nahe der russischen Grenze beträchtlich aufgestockt. Das gilt vor allem für Polen und die ehemaligen Sowjetstaaten Litauen, Lettland und Estland im Baltikum.

Generalmajor Walter Piatt, der stellvertretende kommandierende General der amerikanischen Streitkräfte in Europa, erklärte unterdessen am Donnerstag, dass eine Neugewichtung erfolgt sei – weg von den Anforderungen der Kriege im Irak und Afghanistan und hin zu einer »operativen Bereitschaft« in Europa.

Diese erfolge durch gemeinsame Truppenübungen und Ausbildung im Zuge rotierender Stationierungen in Osteuropa. Die USA werde dies mit einer Truppenstärke von etwa 31.000 Mann in Europa leisten müssen, so Piatt.

Für die Zukunft sei geplant, eine schwere Kampfbrigade nach Europa zu holen und deren Ausrüstung nach Ende der Übung in Europa zu belassen, damit nachfolgende Einheiten die Ausrüstung nützen können, so der General.

Am Donnerstag trafen in Lettland amerikanische Panzer ein, offensichtlich als Signal gedacht, gegenüber Moskau Stärke zu signalisieren. Die Panzer werden im Verlauf der nächsten zwei Wochen über das Baltikum und Polen verteilt und dann für Manöver genutzt.

In Lettland wie auch bei den baltischen Nachbarn und in Polen wurde die Stationierung von Soldaten und Panzern als Abschreckungsmaßnahme gegen die vermeintliche Bedrohung durch Russland begrüßt. Es ist eine der bislang größten Truppenentsendungen Amerikas in Teile der ehemaligen Sowjetunion.

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Bildnachweis: kremlin.ru / wiki commons

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