Verfasst von: Dr. Who | 7.11.14

1100 | Grabgesang auf den SPIEGEL

Am Donnerstag wurde den Spiegel-Gesellschaftern eine »Erklärung« zugestellt, die faktisch die Absetzung von Chefredakteur Wolfgang Büchner fordert. Initiiert wurde diese Erklärung von der Print-Redaktion. Das Papier kursierte seit zwei Tagen zur Unterschrift. Unterzeichnet haben nach MEEDIA-Infos schließlich 91 Prozent der Print-Redakteure.

Bereits im September hatten die Print-Ressortleiter des Magazins in einem Brief an die Gesellschafter ihrer Sorge um die Zukunft Ausdruck verleihen wollen und Veränderungen an der Führungsspitze gefordert. Die wirtschaftliche Basis der Marken »Spon« und »Spiegel« sei bedroht.

In das gleiche Horn stoßen nun auch die Redakteure. Sie könnten ihrer Arbeit nur dann zufriedenstellend nachgehen, wenn das »Führungsvakuum« beseitigt würde, sprich ein den Print-Redakteuren genehmerer Chefredakteur installiert werde.

Die Online-Redaktion zeigte sich »entsetzt« über die Unterschriftenaktion. Dort ist man mehrheitlich gegen eine Absetzung Büchners. Der Graben zwischen Print- und Online-Redaktion scheint so groß wie nie zuvor. Von den Gesellschaftern gab es bisher keine Reaktionen.

Die Erklärung trägt die Spuren eines abgehoben-verzerrten Selbstbildes. Die Anmaßung der selbsternannten Elite zeigt sich im offenkundigen Ignorieren der eigenen Arbeitsverträge. Darin sind die Aufgaben klar definiert, Wahl, Beurteilung und Entsorgung leitender Angestellter gehören nicht dazu.

Und die Print-Redakteure schaufeln am eigenen Grab, denn das angekratzte Image des Verlagshauses wird durch interne Selbstzerfleischung nicht gerade aufpoliert. Schlechte Voraussetzungen für den Spiegel also auf einem sowieso schon schwierigen Markt.

Quelle: KOPP Verlag

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