Verfasst von: Dr. Who | 3.12.14

1141 | Russlands neue Kommandozentrale: Superhirn mit eigener Software

Russlands neue Kommandozentrale: Superhirn mit eigener Software© Russian Defence Ministry

Am 1. Dezember wird die neue Kommandozentrale der russischen Armee vollständig in Betrieb genommen. Das „Gehirn“ der russischen Armee übernimmt jedoch nicht die Aufgaben des Generalstabs.

Präsident Wladimir Putin hat die neue Kommandozentrale ins Leben gerufen, um das Führungssystem der Armee zu zentralisieren sowie die Wirtschaft und das Land im Verteidigungsfall besser schützen zu können. Seit dem 28. März läuft die Zentrale bereits im Schichtbetrieb. Sie befindet sich in einem Gebäude des russischen Verteidigungsministeriums nahe der U-Bahnstation Frunsenskaja an der Moskwa. Demnächst sollen auch der Verteidigungsminister und mehrere Abteilungen dorthin umziehen.

Abschreckungsfaktor

Laut dem Generalstabschef der russischen Streitkräfte, Waleri Gerassimow, dient die neue  Kommandozentrale der Abschreckung. Entscheidungen könnten fortan schneller getroffen und auf feindliche Handlungen gegen Russlands territoriale Integrität könnte angemessener reagiert werden. „Das Nationale Führungszentrum für Verteidigung ist ein weiterer Faktor, der Aggressionen gegen Russland abschreckt“, so Generalstabschef Gerassimow.

Die neue Kommandozentrale ersetzt jedoch nicht den Generalstab, weil dieser für laufende, zukunftsorientierte und langfristige Planung zuständig ist. Die neue Kommandozentrale wurde geschaffen, um auf konkrete Ereignisse zeitnah reagieren zu können. Bei den strategischen Kommando-Stabsübungen „Wostok 2014“ wurde bereits deutlich, wie effizient die neue Struktur arbeitet. Nach Angaben des Leiters der operativen Hauptverwaltung des Generalstabs, Andrej Kartapolow, wurde die Lage im Osten des Landes im 24/7-Betrieb überwacht. Dabei sei deutlich zu erkennen gewesen, welche Staffel welche Aufgabe erfüllt. „Bereits jetzt kann man sagen, dass eine Struktur geschaffen wurde, um begründete und umfassend durchdachte Vorschläge für Entscheidungen auf allen Ebenen zu haben – von taktischen bis zu strategischen“, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Das „Wostok 2014“-Manöver war nicht der erste Test für die neue Kommandozentrale. Kurz vor der Siegesfeier am 9. Mai überprüfte Präsident Putin das Zusammenspiel der russischen Streitkräfte. Ins Zentrum wurden die Präsidenten der OVKS-Länder eingeladen – Alexander Lukaschenko (Weißrussland), Sersch Sargsjan (Armenien), Emomali Rachmon (Turkmenistan) und Almasbek Atambajew (Kirgisien). Dabei wurden die Zuverlässigkeit der Übermittlung von Übungsbefehlen und Signalen von der Kommandozentrale zu den Einheiten der Raketen-, Weltraum- und Verteidigungstruppen und dem Fernfliegerkommando geprüft.

Superhirn mit Software Marke Eigenbau

Dank moderner Anlagen laufen in der Kommandozentrale Daten aus ganz Russland in Echtzeit zusammen. Zudem können aktuelle Lageberichte erstellt und Vorschläge für operative und strategische Entscheidungen in Friedens -und Kriegszeiten ausgearbeitet werden. „Das ist ein tief integriertes System zur Steuerung der Streitkräfte, eine Art moderne ‚Stawka‘ (Stabshauptquartier) des Obersten Befehlshabers“, sagte Schoigu zu Beginn dieses Jahres. Das System besteht aus drei Bereichen – dem System zur Führung der strategischen Nuklearkräfte, dem Zentrum für Gefechtsführung und dem Zentrum für tägliche Truppenführung. Dabei kann das diensthabende Personal in der Kommandozentrale und in den regionalen Zentralen im Krisenfall Militäreinsätze genehmigen.

Wegen den westlichen Sanktionen muss die russische Rüstungsindustrie jetzt dafür sorgen, dass die bisher importierte Militärtechnik nunmehr gleichwertig ersetzt wird. „Wir nutzen nur das Beste an Technologien aus eigener Produktion. Die gesamte Technik und Software  ist zu 100 Prozent aus russischer Produktion. Kein einziges Erzeugnis wurde im Ausland hergestellt. Das ist doch ein äußerst wichtiges Element der Sicherheit“, sagte Kartapolow.

Alternative Aufgaben

Die neue Kommandozentrale wacht über die Lage im Land mit scharfem Blick und setzt dabei auf Innovationen. Sie kontrolliert Rüstungsfabriken und Lagerstätten. In 500 Objekten wurden mehr als 700 Kameras angebracht. Sechs Mal pro Tag werden die Aufnahmen der Kameras kontrolliert. Zudem werde anderen Ministerien dabei geholfen, eine geschützte Datenbank anzulegen so Schoigu.

„Für das Funktionieren des Nationalen Führungszentrums in einem einheitlichen geschützten Informationsraum wird ein Komplex entwickelt, in dem die Informationen aller Ministerien und Behörden zusammenlaufen“, so Schoigu. Laut dem Verteidigungsminister arbeiten die Führungsorgane bereits mit sich ständig aktualisierenden Informationen, die von großer Bedeutung für die Verteidigung des Landes sind. Alle zuständigen Behörden werden Zugang zu den Datenbanken haben. Somit soll das Nationale Führungszentrum für Verteidigung die Erfüllung des Rüstungsauftrags, die finanzielle und materiell-technische Versorgung, die Ausbildung des Personals, medizinische und Wohnungsversorgung sowie internationale und andere Tätigkeiten überwachen.

Quelle: http://de.ria.ru/opinion/20141128/270104860.html

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