Verfasst von: Dr. Who | 30.1.15

1143 | USA: Ein Herd brauner Ideologie?

Der Westen wird in Zukunft nur für militärische Zwecke in die Ukraine investieren, sagt die renommierte Historikerin, Politologin und Direktorin des Institutes für Außenpolitische Analyse und Initiativen in Moskau, Veronica Krasheninnikova, in einem Interview mit Sputnik-Korrespondentin Jana Hermanovskaja.

Nicht ohne Grund forderte der ukrainische Ministerpräsident, Arseni Jazenjuk, die Europäische Union zu finanziellen Hilfen auf. Wirtschaftlich gesehen ist die Ukraine am Ende. Das bestätigt die Politologin Veronica Krasheninnikova und erklärt die schwierige, ökonomische Lage des Landes: „auf Grund des militärischen Konflikts kann die dortige Wirtschaft nicht einwandfrei funktionieren. Hinzu kommt, dass der Großteil der ukrainischen Industrie im Osten des Landes liegt. Der Westen ist, vor allem was die Energieressourcen angeht, sehr vom Osten abhängig. Kiew möchte daher versuchen, mit Hilfe von Kürzungen im sozialen Bereich oder auch einer starken Erhöhung von Gas- und Ölpreisen, die wirtschaftliche Situation des Landes zu verbessern. Diese Kürzungen werden die ukrainische Bevölkerung sehr belasten. Die Wirtschaftslage dort wird dadurch aber nicht automatisch gestärkt.“ 

Jene Kürzungen werden auch von internationalen Kreditgebern wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) gefördert,und auch Washington steht hinter diesen Einschränkungen, um eine Gegenleistung für die in den ukrainischen Militärsektor investierten Gelder zu gewährleisten. Krasheninnikova ergänzt: „Für Washington ist die Ukraine lediglich als militärisches Instrument, das man gegen Russland einsetzen kann, interessant. Ganz ohne Frage unterstützt Washington, wie auch der gesamte Westen, eine Militarisierung der Ukraine.“ 

Kann man also behaupten, der Westen stehe hinter den radikalen nationalistischen Bewegungen, die in der Ukraine kursieren? Als Historikerin belegt Krasheninnikova, dass das nicht zum ersten Mal in der Geschichte passiere, und erzählt: „Im Laufe des 20. Jahrhunderts wählten beispielsweise die USA gerne ihre Partnerländer nach der Dichte radikaler und manchmal auch faschistischer Gruppierungen aus. Das war in Chile und in anderen Staaten Lateinamerikas der Fall. Was Europa betrifft, möchte ich an den Putsch von 1967, durch das Militär in Griechenland, auch das "Regime der Obristen" genannt, erinnern. Und auch der Umsturz in Spanien, als Francisco Franco an die Macht kam, fällt in das gleiche Vorgehensmuster. Man kann davon ausgehen, dass die USA gerne ultra-rechte und faschistische Gruppierungen unterstützen. Schließlich sind solche radikalen Kräfte ein geeignetes Mittel, sie gegen US-Kritiker oder US-Gegner zu richten.“ 

Krasheninnikova widerspricht dabei allen Gerüchten, die Vereinigten Staaten würden künftig militärisch direkt gegen Russland vorgehen wollen. Sie erklärt: „Ich denke nicht, dass Washington seine jungen Männer in einen Krieg gegen die russische Armee schicken wird. Das Weiße Haus ist sich bewusst, dass ein solcher Zug sinnlos wäre. Allem Anschein nach plant die amerikanische Regierung stattdessen Ukrainer, Georgier, das Militär baltischer Staaten und Volksgruppen anderer osteuropäischer und eurasischer Länder auszunutzen und über diese einen Krieg mit Russland anzuzetteln und zu führen.“

„Washington wird lediglich eine Art Trainerrolle übernehmen. Mit Hilfe von Ausbildern aus dem amerikanischen Militär oder auch aus der Nato werden Streitmächte der eben erwähnten Regierungen auf einen Krieg gegen Russland vorbereitet. Somit wird der Westen in Zukunft nur für militärische Zwecke in die Ukraine investieren.“

Für Krasheninnikova ist dieser geopolitische Zug keine Neuheit. So bekräftigt die anerkannte Politologin ihre Aussage, dass beispielsweise Georgien mehrere Jahre lang militärisch von den USA unterstützt wurde. „Das ist seit spätestens August 2008 bekannt“, sagt sie. Allen voran war es unter der Regierung von Präsident Michail Saakaschwilli der Fall. Doch die georgische Bevölkerung stellt gerade einmal 4,5 Millionen Einwohner dar. Die Ukraine ist für die USA mit dem zehnfachen an Bevölkerungsdichte wesentlich interessanter für eine Militarisierung, so Krasheninnikova.

Doch wie sieht eigentlich die europäische Bevölkerung den Anti-Russland-Kurs des Westens? So kommt die Generaldirektorin des Institutes für Außenpolitische Analyse und Initiativen in Moskau auf Griechenland zu sprechen. Dort gewann kürzlich die Syriza-Partei die Präsidentschaftswahlen. Die linksorientierte Partei ist gegen jegliche Russland-Sanktionen und überhaupt gegen eine Anti-Russland-Politik der Europäischen Union. Doch wird sich der Wille der Partei innerhalb des gegebenen EU-Rahmens durchsetzen können? Krasheninnikova äußert ihre Meinung: 

„Ich möchte meine Bewunderung für das Durchhaltevermögen der Parteien aussprechen, die gegen die aufgezwungene Washington- oder Brüssel-Politik gehen möchten. Solche Parteien spiegeln die tatsächliche Meinung ihrer jeweiligen Bevölkerung wieder. Das kann man mit den Umfragen, die kürzlich durchgeführt wurden, belegen. Diese ergaben, dass auch in Ländern wie Frankreich oder Deutschland die Mehrheit des Volkes gegen Anti-Russland-Haltung und Russland-Sanktionen auftritt. Außerdem sind diese wirtschaftlichen Hemmungen für die dortigen Firmen und Unternehmen in der Tat nicht von Vorteil. Daher kann es durchaus sein, dass eine russlandunterstützende Meinung in Westeuropa zunehmen wird. Ich vermute allerdings, dass Brüssel und Washington dagegen vorgehen werden und mit allen Mitteln versuchen könnten, die Deutungshoheit eines Anti-Russland-Kurses aufrecht zu erhalten. Aber in einer demokratischen Union, wie es die europäische ja ist, wäre ein Vorgehen gegen den Willen der Mehrheit eigentlich undenkbar.“

Alles in allem sieht Victoria Krasheninnikova einen Hoffnungsschimmer in Sachen EU-Russland-Beziehungen. Sollte die Syriza-Partei ihren Willen durchsetzen können und andere westeuropäische Länder bereit sind, diesem zu folgen, sind gemeinsame, wirtschaftliche Beziehungen zwischen EU-Ländern und Russland sehr gut vorstellbar. Was dem entgegen wirken könnte, erklärt sie in ihrem Schlusswort: 

„Auf der einen Seite herrscht ein enormer Druck seitens Washingtons auf die Europäische Union. Auf der anderen Seite kann die Europäische Union die Meinung des eigenen Volkes nicht einfach ignorieren. Daher muss es einen Mittelweg geben. Kürzlich gab es Überlegungen, im März dieses Jahres erneut Sanktionen gegen Russland einzuführen. Diesmal sollen die europäischen Unternehmen, die sich direkt in Russland befinden, belastet werden. Aber das zu schaffen ist sehr schwierig. Daher wird man vermutlich die aktuellen Sanktionen verschärfen und vielleicht ein Einreiseverbot für bestimmte Personen öffentlichen Interesses einführen. Es ist offensichtlich, dass diese Sanktionsspirale den europäischen Unternehmen schädigen wird. Deshalb habe ich keinen Zweifel daran, dass der rationale Verstand der Unternehmer und auch der Bevölkerung des Westens siegen wird und die Westeuropäer gegen einen Anti-Russland-Kurs endlich aktiv vorgehen werden.“

Quelle: http://de.sputniknews.com/meinungen/20150130/300883165.html

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