Verfasst von: Dr. Who | 17.3.15

1173 | Handelsblatt: Ehemals Wirtschaft, jetzt politischer Dummfug

Russland war während des Konfliktes um die ukrainische Halbinsel Krim vor einem Jahr kurz davor, sein Atomwaffenarsenal für den Fall eines Militärangriffs des Westens in Alarmbereitschaft zu versetzen. Das sagte der russische Präsident Wladimir Putin in Äußerungen, die am Sonntagabend im russischen Fernsehsender Rossia 1 schriftlich gezeigt wurden. „Wir waren bereit, es zu tun“, sagte Putin demnach. Die russische Führung sei bereit gewesen, sich der „schlimmsten Wendung zu stellen, welche die Ereignisse hätten nehmen können“.

Die russischen Streitkräfte hatten laut Putin damals auf der Krim Raketenabwehrsysteme vom Typ „Bastion“ positioniert, die im Falle eines Angriffs durch ein US-Kriegsschiff im Schwarzen Meer einsatzbereit gewesen wären. Damals sei es unklar gewesen, ob der Westen militärisch in den Konflikt eingreifen würde. Er habe die Haltung Russlands, wonach die Krim „historisches Gebiet“ Russlands sei und dort Russen lebten, seinen westlichen Kollegen mitgeteilt, sagte Putin weiter. „Das war eine ehrliche und offene Haltung. Und ich glaube, niemand wollte einen Weltkrieg auslösen.“

Die Äußerungen wurden am Sonntagabend vor der Ausstrahlung eines Dokumentarfilms über die Annexion der Krim durch Russland gezeigt. Nach dem Sturz der prorussischen Regierung in Kiew hatte am 27. Februar 2014 ein prorussisches Kommando die Kontrolle über das Regionalparlament der Schwarzmeerhalbinsel übernommen. Am 15. März wurde dann auf der Krim ein Referendum abgehalten, in dem sich die überwiegende Mehrheit der Bewohner für einen Anschluss an Russland aussprach. Daraufhin annektierte Russland das Gebiet.

In der Fernsehsendung wurde Putin mit den Worten zitiert, die Entsendung russischer Soldaten habe auf der Krim ein „Blutbad“ verhindert. „Wir waren gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Bewohner der Krim ihren Willen frei ausdrücken können“, sagte der russische Staatschef.

„Wir mussten unsere militärische Präsenz auf der Krim erhöhen, damit unsere Soldaten günstige Bedingungen für ein Referendum ohne Blutvergießen schaffen konnten.“ Er sei sich sicher, dass sich ohne dieses Vorgehen „ein ähnliches Szenario abgespielt“ hätte „wie heute im Donbass“ in der Ostukraine. Dort wurden bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten seit April 2014 fast 6000 Menschen getötet.

Quelle: handelsblatt.com

Die Entsendung russischer Spezialkräfte auf die Krim vor einem Jahr hat es ermöglicht, dort ein friedliches Referendum abzuhalten und ein Blutvergießen zu verhindern, sagen russische Experten mit Blick auf den neuen Dokumentarfilm „Krim. Der Weg in die Heimat“ mit Wladimir Putin.

Der russische Politik-Experte Michail Remisow sagte der Agentur Ria Novosti, in Sachen Krim habe es sich nicht um eine Willkür der russischen Staatsführung, sondern um eine Selbstbestimmung der Krim-Bevölkerung gehandelt: „Diese Selbstbestimmung wurde dadurch ermöglicht, dass Russland mit Hilfe seiner Streitkräfte die Möglichkeit eines Gewalt-Szenarios seitens der Ukraine blockiert und ausgeschlossen hat“. Die damaligen Aktivitäten der russischen Streitkräfte seien ein „Faktor der Abschreckung“ gewesen, und zwar gegenüber den „potentiellen Gegnern“, die damals über eine Anwendung bzw. Nichtanwendung von Gewalt entschieden, hieß es.

Putin: Westen wollte Wiedervereinigung der Krim mit Russland verhindern

Der Experte Dmitri Absalow erläuterte, die Verlegung zusätzlicher russischer Soldaten habe damals ermöglicht, ein legitimes Referendum auf der Krim abzuhalten und einen blutigen Konflikt zu  verhindern. Hätte es das Referendum nicht gegeben, hätte die Ukraine laut Absalow die vorwiegend prorussische Krim blockieren und „erdrücken“ können: „Es bestand ein hohes Risiko, dass Kiew und manche Atommächte eine Blockade starten würden, zumal sich Nato-Kriegsschiffe im Mittelmeer befanden.“

Putin in Krim-Doku: Wir durften die Menschen nicht den Nationalisten ausliefern

In dem am Sonntag ausgestrahlten Dokumentarfilm hatte Wladimir Putin gesagt, Russlands Aktivitäten seien eine Reaktion auf den Staatsstreich in Kiew gewesen, um die Menschen auf der Krim zu schützen: „Wir hatten nie an eine Abtrennung der Krim von der Ukraine gedacht. Doch nach Beginn der Ereignisse im Zusammenhang mit dem Staatsstreich in Kiew, als die Menschen in Gefahr gerieten, von den Nationalisten misshandelt zu werden, dachte ich natürlich sofort daran.“ Putin bestätigte, er habe befohlen, russische Spezialkräfte auf die Krim zu verlegen, und zwar „unter dem Deckmantel einer verstärkten Bewachung“ der dortigen russischen Militäranlagen.

Der russische Präsident bezeichnete die USA als „die realen Drahtzieher“ des ukrainischen Staatsstreiches. Die Amerikaner hätten beim Training militanter ukrainischer Nationalisten geholfen. Die russische Führung sei damals auf jede Entwicklung der Situation gefasst gewesen, denn man habe nicht gewusst, ob der Westen militärisch eingreifen würde. Laut Putin war Moskau bei Bedarf auch bereit, seine nuklearen Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen.

Der Militärexperte Leonid Iwaschow rechtfertigt die Entsendung russischer Spezialeinheiten auf die Krim: „Zweifelsohne war jene Entscheidung richtig und vielleicht einzig möglich, um ein Blutvergießen zu verhindern. Soviel ich weiß, wurden die ukrainischen Militäreinheiten blockiert, ihnen wurde vorgeschlagen, nicht zu schießen und keinen Widerstand zu leisten.“ Der Militärexperte Konstantin Siwkow stimmt zu: „Die ukrainischen Streitkräfte auf der Krim wollten sich nicht der Kiewer Junta anschließen. Doch es gab keine Garantien, dass radikal gestimmte ukrainische Kommandeure nicht damit beginnen, auf Zivilisten zu schießen.“

Quelle: http://de.sputniknews.com

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