Verfasst von: Dr. Who | 28.5.15

1235 | BRD: Blockwart Ideologie

Stichwort Nudging.

In der BRD machen sich unschöne Tendenzen breit. Neben der Gender Mafia sind hier die politischen Blockwarte zu nennen, die sich anschicken, Deutsche erneut fest in den Klammer Griff zu nehmen — gemeinhin als Schwitzkasten bekannt — wenn diese nicht den vorgegebenen Leit- und Leidlinien folgen, die ihnen erwiesenermaßen zum Nachteil gereichen und Schaden auf das deutsche Volk ziehen statt diesen abzuwenden. Aus diesem Grunde haben nun Unternehmer eine Verfassungsbeschwerde erhoben, weil durch die Politik der EZB Schaden für das deutsche Volk entsteht. Vermutlich ist bereits das ein Blockwart No-Go, denn man hat hinzunehmen, was in Brüssel D.C. von der Zentralregierung in deren unendlicher Weisheit diktiert wird.

Insoweit sind diese Blockwarte dafür zuständig, alles und jeden niederzubügeln, der sich erlaubt, eine Gegenposition – von Opposition zu sprechen wäre in der Sache zum jetzigen Zeitpunkt unverhältnismäßig – die Zentralvorgaben für was auch immer in Frage zu stellen. Früher hieß das Hohe Priester, Gesinnungspolizei, Gestapo oder MfS, heute sind diese Blockwarte mindestens Vorläufer der EU D.C. (Alllied Command) Front Security. Unter anderen hat es nun Herfied Münkler getroffen, einen Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität. Auffällig sind die Taktik und Strategie der Blockwarte, die sich in indirekter und anonymer Attacke manifestieren, vorborgen hinter einer Lügenwand und dem unbedingten Vermeiden der Offenlegung ihrer Identität. Zersetzung kann nur dann effektiv sein, wenn die Quelle, der Maulwurf, unbekannt ist.

Man kennt dieses Treiben bereits von Portalen wie esowatch, jetzt psiram als anonyme Internet Pranger. Das dabei zu beobachtende Vorgehen stimmt auffallend mit einem Leitfaden von Geheimdiensten überein betreffend Zersetzung missliebiger Zielpersonen und die Störung von Kommunikation, einschließlich Netzwerke. In der BRD ist dazu stark auffällig, dass gegen alles und jeden gehetzt wird, der es wagt, eine souveräne Position zu beziehen, ungeachtet des Themas und Inhalts. Seitdem Deutsche sich wagen, für sich selbst zu sprechen, NEIN zu sagen, setzt ein anonymer shitstorm ein, um nicht nur das Image der Zielperson zu schädigen, sondern diese perspektivisch zu ruinieren. Prominentestes Beispiel ist Wladimir Putin.

Die Botschaft ist: "Tue es nicht, sondern dir einen Gefallen!" Das so etwas klar Cyber Terrorismus ist, liegt auf der Hand. Was Terrorismus und 9/11 gemein haben, ist allen bekannt.

Wichtig ist zu verstehen, wie diese Blockwarte funktionieren, als was sie fungieren, wer sie steuert und in wessen Auftrag und Interesse sie agieren. Es gilt einzusehen, dass gebündelte kriminelle Energie eine Haupttriebfeder dieser Blockwarte ist und eine Debatte, gar ein Dialog mit den Angegriffenen niemals angestrebt oder gar realisiert wird.

„Münkler-Watch“ ist eine unerfreuliche Begriffsbildung und eine unerfreuliche Sache. Es handelt sich um einen Blog, den Studenten der Berliner Humboldt-Universität betreiben und in dem sie die Vorlesungen des Politikwissenschaftlers Herfried Münkler (63) weniger referieren als benoten, und zwar nicht nach fachlicher Qualität und didaktischer Güte, sondern nach dem Grad ihrer politischen Korrektheit.

Der oder die anonymen Verfasser rechtfertigen ihr Vorgehen damit, daß man sich nicht darauf beschränken dürfe, den offenen Faschismus zu bekämpfen, sondern schon der „Extremismus der Mitte“ als Feind zu brandmarken sei. Ihr Kriterienkatalog ist am treffendsten abzulesen an der Liste der Verdammungsvokabeln, mit denen Münkler bedacht wird: Sexismus, Chauvinismus, Rassismus, Militarismus, Eurozentrismus. Man wirft dem Politikwissenschaftler fehlende Bereitschaft zum Gendern vor und Gefühllosigkeit in bezug auf die Flüchtlingsmassen, die nach Europa strömen; seine Feststellungen im Hinblick auf die Funktionstüchtigkeit des Nationalstaates und das Wesen des Krieges können nach Meinung von Münkler-Watch nur als Rechtfertigung verstanden werden.

Unerträgliche Situation der permanenten Denunziationsdrohung

Wahrscheinlich wäre die ganze Angelegenheit ein Internum der Universität geblieben, hätten sich nicht einige Zeitungen und Netzpublikationen des Themas angenommen. So erfuhr eine breite Öffentlichkeit von den Vorgängen und auch, daß Münkler bereits das dritte Opfer dieses Vorgehens war (nach dem Soziologen Michael Makropoulos und dem Historiker Jörg Baberowski) und die Drahtzieher der Aktion in einer trotzkistischen Kleinstgruppe zu suchen sind.

Prompt erschien in der Vorlesung Münklers am 12. Mai eine ganze Reihe von Journalisten, was wiederum anzeigt, daß dessen Sorge in bezug auf Rufschädigung und das Entstehen einer Atmosphäre des Verdachts nicht ganz unbegründet ist. „Es ist eine eigentlich unerträgliche Situation“, äußerte Münkler, „unter diesen Umständen der permanenten Denunziationsdrohung mit sinnentstellenden bis das Gegenteil des Gesagten behauptenden Zitaten eine Vorlesung halten zu müssen.“

Blogbetreiber fürchten die öffentliche Auseinandersetzung

Allerdings sind die meisten Stellungnahmen in bezug auf Münkler-Watch eindeutig negativ: Das Spektrum reicht vom Vorwurf der Feigheit wegen der Anonymität der Beiträger bis zur Denunziation und Zensur. Selbst in der Studentenschaft scheint das Vorgehen kaum Zustimmung zu finden. Zu den wenigen, die sich bisher auf die Seite der Blogger stellen, gehört ausgerechnet der FAZ-Mann Patrick Bahners, der für die Studenten das Machtgefälle zwischen Lehrenden und Lernenden in Anschlag bringt und die Anonymität mit dem Hinweis auf die angelsächsische Tradition der ungezeichneten Besprechung in so renommierten Organen wie dem Times Literary Supplement verteidigt.

Nun kann Bahners kaum entgangen sein, daß weder der eine noch der andere Bezug paßt. Der erste nicht, weil klar ist, daß es sich keineswegs um – wenngleich scharfe – Kritik in der Sache handelt, sondern um den Versuch, jemanden mit anderer politischer Auffassung mundtot zu machen; bemerkenswerterweise wird eine Studentin mit der Einschätzung zitiert, daß ein Professor, der nicht das Renommee Münklers habe, schon entlassen worden wäre. Der zweite nicht, weil die Beschränktheit der Mitarbeiter von Münkler-Watch aus jedem Beitrag spricht. Daß sie die öffentliche Auseinandersetzung nicht nur aufgrund der rhetorischen Überlegenheit Münklers zu fürchten hätten, ist offensichtlich.

Eine fortschreitende Ideologisierung der Politikwissenschaften

Es liegt insofern die Vermutung nahe, daß es Bahners bei seinem Schulterschluß um etwas anderes geht: nämlich um den Widerwillen, den ihm der „Sound“ von Aussagen Münklers einflößt. Was damit genau gemeint ist, führt Bahners nicht aus, aber wahrscheinlich spielt er auf Münklers Neigung an, jene Barrieren in Frage zu stellen, die um die Politikwissenschaft in Deutschland aufgestellt sind.

Errichtet wurden die schon bei der Organisation des bis dahin unbekannten Faches in der Nachkriegszeit. Die Siegermacht USA hatte es von Anfang an darauf abgesehen, im Rahmen ihres Reeducation-Programms die Schlüsselstellung der Historiographie und der klassischen Staatslehre im Geistesleben zu brechen. An ihre Stelle sollte eine „Demokratiewissenschaft“ treten, die gar keine zweckfreie Erkenntnis zum Ziel hatte, sondern eine Art intellektuelle Dienstleistung für das westdeutsche Gemeinwesen.

Die Folge war nicht nur das in vieler Hinsicht beklagenswerte Niveau des neuen Fachs, sondern auch eine immer weiter fortschreitende Ideologisierung, die zwar kaum den Erwartungen der Schöpfer entsprach, aber doch dazu führte, daß sich hier flächendeckend Auffassungen durchsetzen konnten, die nur linke oder bestenfalls linksliberale Positionen als legitim betrachteten und gleichzeitig die Reflexion der Lage, in der die eigene Disziplin entstanden war, notorisch verweigerte. Das „konkrete historische Subjekt“, schrieb der Politikwissenschaftler Hans-Joachim Arndt über seine Disziplin, werde grundsätzlich „ausgeblendet“.
Münkler meidet zwingende Schlußfolgerungen

Die späte Kritik als Folge taktischen Geschicks

Daß Münkler gegen diese Generaltendenz opponiert, ist nicht neu. Er neigt seit je dazu, sich mit „gefährlichen“ Themen zu befassen. In seiner Dissertation ging es um Machiavelli, in seiner Habilitation um den Begriff der Staatsräson. Es genügt ansonsten der Blick auf die letzten Veröffentlichungen und den sachlichen Ton, in dem er nicht nur die Wiederkehr der Gewalt als logisches Ergebnis internationaler Prozesse beschreibt, die Bedeutung der Geopolitik hervorhebt oder auf die produktive Funktion des politischen Mythos hinweist. Das alles muß schon seine Kollegen nachhaltig irritieren und erst recht heutige Studenten, die nie gelernt haben, daß der dichte Schleier politischer Wünschbarkeiten, der sie umgibt, keineswegs die Sache selbst ist, sondern nur eine Möglichkeit, sie zu verbergen.

Wenn Münklers Wirken so lange unbeanstandet blieb, kann man das wahlweise als Zufall oder als Folge taktischen Geschicks sehen. Letzteres ist wahrscheinlicher. Dafür spricht der Erfolg seiner klug plazierten Bücher, und mehr noch die Art und Weise, in der er Schlußfolgerungen meidet, die zwingend wären, aber ganz aus dem Konsens herausführen, oder Namen ausläßt, die in seiner Fachdisziplin auf der „Schwarzen Liste“ stehen. Dieses Vorgehen erlaubt Münkler manche Schärfe. Allerdings nur, weil es bisher genügte, jene Gefahr im Blick zu behalten, die er einmal für Machiavelli beschrieben hat, der bei der Formulierung seiner Theoreme nie recht begriff, „welche Irritationen er auslösen würde“.

Die Irritationsfähigkeit ist aber neuerlich gewachsen, und wer wie Herfried Münkler angesichts der vielen konservativen Kollegen, die sich linkem Gesinnungsterror ausgesetzt sahen, glaubte, daß ihm dergleichen nie widerfahren könne, rückt jetzt ins Blickfeld der Blockwarte, die daran arbeiten, das Land in eine „DDR mit menschlichem Antlitz“ (Broder dixit) zu verwandeln. Wie jede totalitäre Bewegung basiert auch die, die sich an der Humboldt-Universität breitmacht, weniger auf der Allmacht eines Apparats als vielmehr auf dem guten Gewissen derer, die über die reine Lehre wachen. Hinzu kommt die Bereitschaft, nicht aus Zwang oder auf Kommando, sondern aus tiefer innerer Überzeugung jene ans Messer zu liefern, die sich nicht erst durch ein Handeln verdächtig gemacht haben, sondern durch ein Meinen – oder ein vermutetes Meinen.

JF 22/15

Quelle: Junge Freiheit

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