Verfasst von: Dr. Who | 5.8.15

1278 | Analyse: Eisbrecher – Russland hängt USA lässig ab

Russland hat eine unvergleichbar stärkere Eisbrecher-Flotte als die USA. Dadurch sollen die Seetransporte im Nordpolarmeer angekurbelt werden – dies wäre eine künftige Alternative zum Suezkanal. Aber auch an Land setzt Russland auf arktische Bauprojekte und intensiviert die Polarforschung wieder.

Financial Times: USA verlieren Kampf um die Arktis

Die russische Onlinezeitung vesti.ru schreibt:

„Abgesehen von Forschungsschiffen stehen nur drei Eisbrecher den USA zur Verfügung. Sie gehören der Küstenwache. Dabei versucht Amerika, seine Eisbrecher sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis einzusetzen, was schnelle Operationen verhindert (…) Russland hat dagegen sechs einsatzbereite Atomeisbrecher. Diese riesigen Schiffe sind dank ihrer Atomantriebe in der Lage, autonom zu funktionieren und die Schifffahrt praktisch überall und zu jedem Zeitpunkt zu sichern. Darüber hinaus gibt es mehr als ein Dutzend Diesel-Eisbrecher. Neue Schiffe werden gebaut.“

Es komme aber nicht nur auf die Eisbrecher an:

„Nötig ist eine lebensfähige Strategie zur Erschließung der Arktis. Russland hat sie. Um seine Interessen in der Arktis wahrzunehmen, hat Russland im Dezember 2014 das Vereinigte Strategische Kommando Nord aufgestellt. Neben der zuvor veröffentlichten ‚Entwicklungsstrategie der russischen Arktis-Gebiete‘ ist diese Entscheidung ein klares Signal, dass Russland auf seine Ambitionen nicht verzichten wird.“

Russland wird mehr als die Hälfte des Arktis-Öls fördern

Eine besondere Rolle stehe dem sogenannten Nördlichen Seeweg entlang der russischen Arktis-Küste zu. Die russische Eisbrecher-Flotte ermögliche, diese aussichtsreiche Verkehrsader zu kontrollieren. Möglicherweise sei der Nördliche Seeweg eine künftige Alternative zu den Transporten durch den Suezkanal. Die nördliche Route sei kürzer und in gewisser Hinsicht auch sicherer. Die Fahrt aus Europa nach Asien nehme dabei 35 Tage in Anspruch – anstatt von 48 Tagen durch den Suezkanal, hieß es.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Nördliche Seeweg zunächst praktisch vernachlässigt. Doch in den letzten Jahren nimmt das Interesse an dieser Route zu – nicht zuletzt dank des aktiven Vorgehens Russlands. Für die dortigen Transporte werden mehr als 600 Genehmigungen jährlich erteilt. Das Gesamtvolumen der beförderten Güter beträgt dabei rund vier Millionen Tonnen. In 15 Jahren wären laut Vizepremier Arkadi Dworkowitch mehr als 80 Millionen Tonnen potenziell möglich, also 20-mal so viel wie derzeit“, so der Bericht.

Um die wirtschaftliche Bedeutung der Arktis weiter zu illustrieren, beruft sich die russische Onlinezeitung auf die US-Angaben, wonach die Region 15 Prozent aller Öl- und bis 30 Prozent aller Erdgasvorräte weltweit ausmacht.

Russland plant Ausbau von Luftabwehrsystem in der Arktis

In Bezug auf die aktuellen Bauprojekte wird berichtet:

„Im Moment errichtet Russland 16 Häfen, 13 Flugplätze und 10 Flugabwehr-Stationen in der Arktis. Im laufenden Jahr hat Regierungschef Dmitri Medwedew eine Verordnung signiert, wonach die Forschung in der Region wieder beginnen soll. Die im Jahr 2013 geschlossenen driftenden Forschungsstationen sollen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Für diese Zwecke wurden 250 Millionen Rubel (vier Millionen Euro) aus der Staatskasse bereitgestellt.“

Dass Russland den USA in Sachen Arktis-Erschließung weit überlegen ist, hatte kürzlich auch das Magazin „Newsweek“ berichtet. Es zitierte den Chef der US-Küstenwache, Paul Zukunft, mit den Worten:

„Wir sind mit Russland nicht einmal in einer Gewichtsklasse. Wir sind überhaupt nicht im Spiel.“

Quelle: de.sputniknews.com

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