Verfasst von: Dr. Who | 9.8.15

1301 | Varoufakis: „Da ist ein Preis zu zahlen, wenn man Dinge ändern will.“

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Janis Varoufakis ist von seinem Posten als griechischer Finanzminister zurückgetreten, um seiner Regierung beim Aushandeln des dritten "Hilfsprogramms" nicht im Weg zu stehen. Doch wer geglaubt hat, ihn und seine Kritik am korrupten System los zu sein, der hat sich gewaltig geirrt. In einem Interview mit der spanischen Zeitung „El País“ übte er scharfe Kritik an Deutschlands Finanzminister Schäuble.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Wieder einmal mehr meldete sich der charismatische Ökonom zu Wort, um einerseits Schäubles geheime Agenda zu entblößen und andererseits die Spanier und den Rest Europas vor den Konsequenzen der aggressiven Finanzpolitik Deutschlands und dessen Auftraggebern zu warnen. So nutzt Varoufakis das Interview auch, um seinem ärgsten Widersacher in die Suppe zu spucken. Schäuble hätte einen Plan um das Terrorregime der Troika nach halb Europa zu bringen – bis hin nach Paris.

Das Interview indes, begann mit einer Frage über den Plan B, den Varoufakis seinem Premierminister angeboten hatte. Bei diesem Plan hätte Griechenland eine Parallelwährung in Umlauf gebracht um die Fesseln der EZB los zu werden. Doch Alexis Tsipras hat dieses ultimative Werkzeug letzten Endes nicht genutzt. Auf die Frage, ob ihn sein Rücktritt persönlich in ein Tief gerissen hätte, wovon andere Journalisten wohl ausgehen, sagte er: „Ich glaube die Journalisten gehen davon aus, dass ich irgendwie den Kopf hängen lasse, jetzt da ich nicht mehr im Ministerium bin. Doch ich bin nicht in die Politik gegangen um Karriere zu machen, ich bin in die Politik gegangen, um den Versuch zu machen Dinge zu ändern. Da ist ein Preis zu zahlen, wenn man Dinge ändern will.“

Der Preis wäre die geballte Gewallt des Establishments zu spüren zu bekommen, wenn man den Unmut der etablierten Macht provoziert. Sie hätten sich bedroht gefühlt. Dann erklärte der Held der Hellenen wie sich durch sein Wirken etwas geändert hat. Dabei wählte er ein Beispiel aus der Physik, als wollte er der deutschen Kanzlerin (gelernte Physikerin) die Sache besonders verdeutlichen. So würde eine stete Kraft – die Geschichte – immer wieder auf ein unbewegliches Objekt – die EU-Instituitionen – treffen. Dies würde Lärm und Hitze erzeugen und hoffentlich auch etwas Licht.

Der gelernte Ökonom, der es bevorzugt die EU-Institutionen weiter als Troika zu bezeichnen, übt harsche Kritik an der Form, wie sein Land erpresst wurde und auch weiterhin wird. Besonders die EZB und das Zudrehen des Geldhahns für die hellenischen Banken war, so Varoufakis, ein undemokratischer Akt und reine Erpressung um politischen Druck auszuüben. Letzten Endes war es immer das Ziel, das Versagen der griechischen Regierung zu provozieren. Das Ganze soll den Spaniern und Portugiesen als Warnung dienen, sich nicht auf „politische Experimente“ einzulassen.

So habe Wolfgang Schäuble seine ganz eigenen Ziele und er träume von einer Eurozone ohne Schwachpunkte, mit preußischer Disziplin und mit unbedingtem Gehorsam gegenüber Frankfurt und Berlin. Janis Varoufakis nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, jetzt wo er kein Amt mehr bekleidet. „Dieses Programm wurde erstellt um fehl zuschlagen.“ Sagte der Held vieler Europäer und führte weiter aus: „Wolfgang Schäuble war nie an einer funktionierenden Übereinkunft interessiert. Er hat kategorisch verkündet, dass er die Eurozone neu gestalten will und ein Teil dieser Neugestaltung ist der Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone.“

So hat Varoufakis also weiterhin den Mächtigen in der EU den Kampf angesagt und seine Warnung an alle, die noch meinen die Politiker würden im Sinne der Menschen handeln und die denken, dass wir in einer Demokratie leben, ist bis weithin hörbar. Diesmal hat sich der unbequeme Ökonom gegenüber der eher konservativen spanischen Tageszeitung „El País“ geäußert. Im dort anstehendem Wahlkampf liegt seine Unterstützung eindeutig beim is Podemos. Man darf gespannt sein, ob er der portugiesischen Linkspartei – Bloco Esquerda – genauso seine Unterstützung zusichert oder ob er sich hier für andere Parteien oder Bündnisse ausspricht.

Die Abschrift auf seinem Blog im englischem Original hier.

(http://yanisvaroufakis.eu/2015/08/02/in-conversation-with-el-pais-claudi-perez-the-complete-long-transcript/)

Quelle: contra-magazin.com

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