Verfasst von: Dr. Who | 28.11.15

1394 | Lügenpresse gerichtlich bestätigt: Säuberungswelle

von Gerhard Wisnewski

Deutschland steht vor einer verheerenden Säuberungswelle unter Künstlern, Journalisten und Schriftstellern. Autoren, Kabarettisten und Journalisten werden reihenweise abgesägt und ihre Existenz zerstört. Da kann man nur sagen: Stoppt die Diktatur. Jetzt.

Was kann eine Diktatur nun überhaupt nicht brauchen? Richtig: kritische Stimmen. Als ich selbst vor zwölf Jahren nach einem kritischen Film über die Attentate des 11.09.2001 vom WDR nicht mehr weiterbeschäftigt wurde, war das nur der Anfang. Nach der Ausstrahlung begann eine politische Kampagne, die sich gewaschen hatte – bis hin zu einer Titelgeschichte im Spiegel, in der gleich mehrere 9/11-Kritiker fertig gemacht wurden.

Damals wusste ich noch nicht, dass das Methode hatte und nur die ersten Ausläufer einer Säuberungswelle waren, die nun beträchtlich an Fahrt aufnimmt. Ich sage nur: Pirinçci, Matussek, Naidoo, »Proebstl« alias Hoven und viele andere mehr. Gearbeitet wird mit Falschbehauptungen, Verdrehungen, Denunziationen, künstlichen Empörungswellen und Skandalisierungen.

Der schmale Grat der Meinung

Da das natürliche Meinungsspektrum und der natürliche Meinungskorridor durch das politisch korrekte Neusprech in den vergangenen Jahrzehnten extrem verengt wurden, ist es leicht, jemandem eine Übertretung vorzuwerfen. Weil die breite Meinungsstraße inzwischen zu einem sehr schmalen Grat geworden ist, ist es kein Problem, irgendeine Äußerung zu skandalisieren. Siehe zum Beispiel Joachim Herrmanns »wunderbaren Neger«, den er natürlich umgehend »erklären« musste.

Die Wahrheit ist: Vor lauter Toleranz ist unsere Gesellschaft absolut intolerant geworden. Während für manche Gruppen absolute Toleranz gilt, gilt für andere der absolute Generalverdacht. Toleranz und Meinungsvielfalt wurden durch dumpfes und gefährliches Gut-und-Böse-Denken ersetzt. Heraus gekommen ist die totale Meinungsdiktatur.

Jeder Fehltritt ein Verbrechen

Ein anderes Wort dafür lautet »Gleichschaltung«: Entweder marschieren wir alle im Gänsemarsch auf dem schmalen Meinungsgrat, oder wir stürzen ab. Jeder Fehltritt ist ein Verbrechen, denn der Meinungsgrat ist heilig – sozusagen der »Leuchtende Pfad« aller politisch Korrekten (nicht umsonst war die gleichnamige peruanische Terrorgruppe eine kommunistische Organisation).

Während die offiziellen Ideologien angebetet werden, wird jeder verdammt und in den Abgrund gestoßen, der zum Beispiel die »Klimakatastrophe«, die Flüchtlingskrise oder die sexuelle Indoktrination unserer Kinder kritisch hinterfragt. Und wenn es keinen Fehltritt gibt, dann wird er eben erfunden. Exakt das ist die Situation im Merkel-Deutschland.

Zerstörung der gesamten Verwertungskette

Nehmen wir nur den Fall Akif Pirinçci: Bei einer Rede auf einer PEGIDA-Demonstration am 19. Oktober 2015 soll sich der türkischstämmige Autor KZs für Flüchtlinge gewünscht haben, war am nächsten Tag den Medien zu entnehmen. Dem Auftritt folgte die komplette berufliche Hinrichtung Pirinçcis: Verlage kündigten die Zusammenarbeit mit dem Autor auf, Buchhändler nahmen die Pirinçci-Titel aus den Regalen. Pirinçcis obszöne und drastische Reden muss man zwar nicht mögen.

Aber die Berichterstattung über das entscheidende »KZ-Zitat« war schlicht falsch: In Wirklichkeit wollte Pirinçci sagen, dass die Herrschenden Asylkritiker wohl am liebsten in KZs stecken würden, »aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb«. Zwar hatte der Autor also eindeutig nicht dafür plädiert, Migranten ins KZ zu stecken, und setzte sich »vor Gericht gleich im Dutzend gegen deutsche Medien durch…«, wie der konservativ-liberale Blog von Roland Tichy schrieb (13.11.2015). »Der lautstark erhobene Vorwurf ›Lügenpresse‹ wird gewissermaßen gerichtlich bestätigt.«

Aber seine Verträge und seine Existenz war Pirinçci trotzdem los. Besonders brutal war der Boykott seiner gesamten Verwertungskette: Angefangen bei den Verlagen über den Großhandel bis hin zum Bucheinzelhandel wurden Pirinçcis Bücher – egal ob politisch oder nicht – aus dem Programm bzw. Regal genommen. Was man nicht anders deuten kann als den Versuch, den Autor völlig zu zerstören: »Wir werden gerade Zeuge einer Totalexklusion [Ausgrenzung], die an Herrn Pirinçci vorexerziert wird«, sagte der Konstanzer Soziologe Professor Jost Bauch in einem Interview: »Politische Äußerungen führen dazu, dass er nicht nur politisch ausgeschlossen, sondern auch wirtschaftlich an die Wand gestellt und sozial geächtet wird. Und das ist der Anfang von Totalitarismus.« (Junge Freiheit, 30.10.2015)

»Säuberung« ist das Zauberwort der Stunde

Mehr noch: Es ist die Verwirklichung des Totalitarismus. »Das Recht, zu sagen und zu drucken, was wir denken, ist eines jeden freien Menschen Recht, welches man ihm nicht nehmen könnte, ohne die widerwärtigste Tyrannei auszuüben«, sagte einmal der berühmte Aufklärer Voltaire. Oder wie seine Biografin Evelyn Beatrice Hall Voltaires Haltung auf den Punkt brachte: »Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich werde bis zum Tode darum kämpfen, dass Sie sie äußern dürfen.«

Von solcher Noblesse sind heutige Knobelbecher-Linke weit entfernt. Säuberung ist das Zauberwort der Stunde: von Verlagsprogrammen und Bücherregalen genauso wie von Lehrplänen und Zeitungsspalten. All die vielen Geschichtsstunden über den Faschismus waren umsonst: Heute stehen wir in Deutschland schon wieder vor einer beispiellosen Säuberungswelle.

Besonders monströs: Wie das Beispiel Pirinçci zeigt, geht es dabei nicht einmal um einzelne – etwa misslungene – Werke oder Reden, sondern um das gesamte Werk des geächteten Autors. Nicht einmal Pirinçcis Katzen-Krimis sollten noch erscheinen dürfen. Massenmedien, Zeitungen und Buchmarkt sollen von unbequemen Autoren gereinigt werden:

  • September 2014: Nach islamkritischen Äußerungen verlässt der Stellvertretende Chef der Bild am Sonntag, Nicolaus Fest, das Blatt »auf eigenen Wunsch«.

  • Oktober 2015: Nach einer öffentlichen Denunziation wird die YouTube-Satire-Figur »Dr. Alfons Proebstl« als der Sprecher und ehemalige Big-Brother-Moderator Percy Hoven »entlarvt«. Als »Proebstl« habe er »fremdenfeindliche Ressentiments« verbreitet, schrieb die Zeit (07.10.2015). Hoven warf die Rolle umgehend hin und entschuldigte sich in aller Form. Angeblich hatte ein Augsburger TV-Sender Hovens Frau mit Entlassung gedroht, berichtete der Journalist Michael Klonovsky (Klonovsky-Blog, 08.10.2015).

  • Oktober 2015: Nach einer Rede bei einer PEGIDA-Demonstration wird dem Autor Akif Pirinçci unterstellt, KZs für Migranten gefordert zu haben. Verlage, Großhändler und Buchhandlungen kündigen ihm die Zusammenarbeit auf und nehmen seine Bücher aus dem Programm.

  • November 2015: Aufgrund seiner konservativen und katholischen Gesinnung schon länger auf der Abschussliste, wird ein vergleichsweise belangloser Post auf Facebook skandalisiert und zum Anlass genommen, den Autor Matthias Matussek öffentlich zu kompromittieren. Ein Streit in der Redaktion der Welt wird zur Sollbruchstelle im Verhältnis zu dem Autor, und er fliegt.

  • November 2015: Aufgrund angeblich »politisch umstrittener Äußerungen« macht die ARD die Nominierung des Sängers Xavier Naidoo zum deutschen Kandidaten beim Eurovision Song Contest 2016 rückgängig. Unter anderem die Süddeutsche Zeitung hatte Naidoo als »berühmten Verschwörungstheoretiker« denunziert. Auch Die Zeit hatte sich an der Kampagne beteiligt. Spiegel Online berichtete über einen Proteststurm bei Twitter.

»Eine Form von Terrorismus«

Exakt das geschah auch zu Beginn des Dritten Reiches: Verlage, Künstler und Journalisten wurden gleichgeschaltet. Wer nicht parierte, verlor alles: die Existenz und schlimmstenfalls sogar das Leben. Seine Bücher wurden aus den Buchhandlungen genommen, manchmal sogar verbrannt. Genau wie bei Pirinçci waren davon nicht nur einzelne Bücher betroffen, sondern häufig das gesamte Werk eines Autors.

Dabei sind die oben genannten Beispiele ja nur die neueren Fälle. Meine Wenigkeit erwischte es schon 2003, die tagesschauModeratorin Eva Herman 2007. Von vielen weniger prominenten Vorkommnissen, nach denen kein Hahn krähte, ganz zu schweigen. Auf jeden bekannten Fall kommen wahrscheinlich zehn bis 20 unbekannte, die sich in irgendwelchen namenlosen Redaktionen abspielten oder die heimlich still und leise abgewickelt wurden.

Säuberungswellen sind aber nicht nur Zeichen der Totalitarisierung, sondern auch typische Vorzeichen des Krieges: Um die propagandistischen Kräfte zu bündeln, versucht das jeweilige Land, die Meinung im Inneren weiter gleichzuschalten und zu begradigen. Denn ohne Propaganda und gleichgeschaltete Meinung kann man nun mal keinen Krieg führen.

Die gute Nachricht: Immerhin bekundeten im Fall Naidoo zahlreiche Künstler ihre Solidarität, von denen man es gar nicht gedacht hätte: angefangen bei Til Schweiger (»eine Form von Terrorismus«) über Herbert Grönemeyer bis hin zu den Comedians Atze Schröder und Michael Mittermeier: »Klein denkend Deutschland versinkt im Hass, das macht mich traurig«, schrieb Mittermeier auf Facebook und vermutete: »DIESER Weg wird kein leichter sein…«. Wie wahr. Denn wenn wir dieser Säuberungswelle nicht entschieden entgegentreten, werden wir am Ende nicht nur ein paar Sänger, Autoren und ein paar Bücher verlieren – sondern alles…

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