Verfasst von: Dr. Who | 2.12.15

1404 | Wer soll das bezahlen?!

von Michael Morris

Sie schätzen Kompetenz und guten Service? Sie sind kritisch, umwelt- und verantwortungsbewusst, legen Wert auf regionale und gesunde Lebensmittel, auf alternative Medizin und auf ausreichend hochwertige geistige Nahrung? Und Sie wollen gut über diese Themen informiert werden? Sie wollen, dass Sie selbst und andere anständig bezahlt werden und unter ordentlichen Bedingungen arbeiten? Warum unterstützen Sie dann nicht jene Firmen, die genau das leisten?

Es gibt viele Menschen, die sich gegen die Ausbeutung von Billigarbeitskräften aussprechen, die anprangern, unter welch unmenschlichen Bedingungen Frauen und Kinder in Bangladesch, China oder Indien sieben Tage pro Woche für einen Hungerlohn schuften. Und dennoch kaufen viele von ihnen dann ihre T-Shirts, Hosen und Flip-Flops bei genau jenen Billigkaufhausketten, die dort produzieren lassen und Menschen wie Vieh behandeln. Warum? Entweder sind es Heuchler, oder sie sind faul – oder sie haben nicht wirklich darüber nachgedacht.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin weder beim KOPP-Verlag angestellt, noch werde ich für diesen Artikel bezahlt. Ich habe ihn Jochen Kopp angeboten, weil ich den täglich mehreren Hunderttausend Lesern seines kostenlosen Online-Informationsdienstes etwas vor Augen führen wollte. Sie kennen das Lied: »Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt…?«

Täglich lesen rund 150 000 kritisch denkende Menschen Nachrichten und Artikel bei Kopp Online. Vielleicht noch mal so viele nutzen diesen kostenlosen Kundendienst von Kopp, wenn er auf anderen Internetseiten verlinkt wird. Da Sie, liebe Leserin und lieber Leser, nun diesen Artikel vor sich haben, gehören Sie zu jener Gruppe kritischer Menschen, die ihre Informationen nicht allein durch die Mainstream-Medien beziehen, sondern einen größeren Horizont haben und gerne hinter die Kulissen schauen.

Sie bezahlen zwar für das öffentlich-rechtliche Fernsehen – ob Sie es konsumieren oder nicht. Sie bezahlen für Ihren Pay-TV-Sender, um Ihre Lieblings-US-Fernsehserien zu sehen. Sie bezahlen für die Tageszeitungen, Magazine und Bücher, die Sie lesen. Doch für das, was Sie regelmäßig und offenbar gerne bei Kopp Online lesen, bezahlen sie nicht. Es ist kostenlos!

Diesen außergewöhnlichen Service oft hervorragend recherchierter Artikel, Nachrichten und Hintergrundinformationen bietet ihnen kein anderer Onlinebuchhändler. Dennoch nehmen Sie ihn als selbstverständlich hin. Aber das ist er nicht. Es ist wie mit den regionalen Lebensmitteln: Prinzipiell will jeder seine Milch, sein Gemüse und sein Fleisch gerne vom Bio-Bauernhof um die Ecke beziehen. Er will dafür aber nicht mehr bezahlen als beim Discounter. Um es klar zu sagen: Das ist nicht möglich.

Wenn Sie Qualität wollen, dann müssen Sie Qualität bezahlen! Wenn nicht, werden Sie mit Ihrem Verhalten dafür sorgen, dass die Qualität langfristig immer weiter sinkt. Es gibt im Englischen einen schönen Spruch: »Put your money where your mouth is!« Das heißt so viel wie: »Lass deinen Worten Taten folgen!«

Der Kopp-Verlag, sein Buchversand und seine angeschlossenen Dienste beschäftigen insgesamt über 60 feste und noch einmal so viele freie Mitarbeiter – allesamt in Deutschland und nicht, wie häufig, anderswo hinter der Grenze in Polen oder Tschechien. Allein 20 Mitarbeiter sind für die Nachrichten- und Informationsplattform Kopp Online zuständig. Dieser Informationsdienst hat eine ständig wachsende Leserschaft und hat bereits vor Jahren die Internetausgaben mehrerer traditioneller und bekannter Zeitungen überholt.

Es handelt sich bei Kopp um ein solides mittelständisches Unternehmen, das in Rottenburg am Neckar, rund 50 Kilometer südwestlich von Stuttgart, beheimatet ist. Das Unternehmen ist für ein gutes Betriebsklima und für die faire Entlohnung seiner Mitarbeiter bekannt. Es bezahlt all seine Steuern in Deutschland. Warum das wichtig ist? Nun, weil die meisten der mehreren Hunderttausend regelmäßigen Leser von Kopp Online zwar den kostenlosen Informationsdienst in Anspruch nehmen, ihre Bücher aber dann oft anderswo im Internet kaufen. Wenn Sie wollen, können Sie jetzt mitsingen: »Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt…?«

Kopp schlägt passend zu den (in der Regel exklusiv) veröffentlichten Artikeln Bücher vor, die zum jeweiligen Thema passen. Das sind sowohl Bücher, die im Kopp-Verlag erschienen sind, als auch Bücher anderer Verlage. Mit dem Verkauf dieser Bücher kann das Unternehmen Kopp sich den Luxus des kostenlosen Dienstes Kopp Online leisten – zumindest in der Theorie. Tatsächlich folgen viele Leser den Vorschlägen der Redaktion und bestellen das eine oder andere vorgeschlagene Buch.

Doch hier kommt der Clou: Viele bestellen ihre Bücher nicht bei Kopp, sondern zum selben Preis und denselben Konditionen bei einem anderen Unternehmen, oft bei einem der ganz großen internationalen Online-Marktplätze. Warum? Weil sie dort auch ihre Socken, Kerzen, Zahnbürsten und Druckerpatronen kaufen, permanent angemeldet sind und nicht weiter darüber nachdenken. Während man bei den Billigklamotten noch den verlockend niedrigen Preis ins Feld führen könnte, gibt es bei Büchern kein stichhaltiges Argument fürs Fremdgehen, denn sie kosten überall dasselbe. Es handelt sich meist einfach um Gedankenlosigkeit.

Kopp bietet alle Bücher an, die andere Buchhändler auch führen, in manchen Fällen führt der Kopp-Versandhandel sogar Bücher, die anderswo längst vergriffen sind. Die Preise sind aufgrund der Buchpreisbindung dieselben wie in jedem Laden und bei jedem anderen Internetbuchhandel. Der Versand ist kostenlos und könnte schneller nicht sein. Der Service ist perfekt. Die meisten Menschen, die anderswo bestellen, tun dies meist, weil sie nicht weiter darüber nachdenken, dass Sie mit Kopp Online etwas konsumieren, für das sie auch etwas zurückgeben sollten. Geben und Nehmen müssen sich langfristig immer die Waage halten. Man kann nicht immer nur nehmen.

Haben Sie darüber nachgedacht, was es den Kopp-Verlag kosten muss, in Deutschland allein 20 Mitarbeiter zu beschäftigen und anständig zu bezahlen, damit Sie täglich kostenlose, exklusive, gut recherchierte Informationen zur Verfügung haben, die sie anderswo nicht bekommen? Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Kopp-Online-Team hervorragende redaktionelle Arbeit leistet, die Artikel nicht nur gut recherchiert, sondern auch gut und fehlerfrei geschrieben sind? Vergleichen Sie das einmal mit anderen alternativen Internetmedien! Die strotzen teilweise so von Fehlern, dass man den Inhalt kaum noch verstehen kann.

Sie haben bereits davon gehört, dass andere Internetbuchhändler ihren Mitarbeitern Hungerlöhne zahlen und sie schlecht behandeln, dass einige dieser Firmen in Deutschland keine (oder so gut wie keine) Steuern zahlen, weil sie einen Deal in Luxemburg geschlossen haben und ihre Einnahmen dorthin steuerfrei verschieben? Es ist nicht so, dass ich alles, was meine Kollegen bei Kopp Online schreiben, immer auch selbst unterschreiben würde, aber es ist zumindest so, dass die Redaktion mutig ist und Autoren zu Wort kommen lässt, die anderswo ihre Recherchen und Meinungen nie veröffentlichen könnten, weil sie nicht dem politischen Konsens der Masse entsprechen.

Ich war selbst auch schon mit dem Inhalt mancher Artikel nicht einverstanden und habe das die Redaktion und den jeweiligen Autor wissen lassen. Die Reaktion darauf war immer neutral bis positiv. Wenn man als Autor anderswo Kritik an einer Veröffentlichung übt, ist man damit automatisch für immer abgemeldet. Kopp Online ist meiner Meinung nach eine der wenigen Internetplattformen, die eine große Bandbreite von Meinungen und Themen, geistigen und politischen Haltungen bietet und die Kritik zulässt. Das ist aus meiner Sicht in einer Zeit immer größerer geistiger Schlichtheit und Beschränktheit ein wertvolles Gut.

Wenn Kopp sein kostenloses Informationsprogramm einstellen würde (oder müsste), weil Sie genau jene anderen Unternehmen unterstützen, würden Sie persönlich etwas vermissen? Ich würde es!

Kürzlich besuchte ich eine Freundin, die regelmäßig Artikel bei Kopp Online liest und sogar Abonnentin des kostenpflichtigen Magazins KOPP Exklusiv ist. Ich sah bei ihr ein Paket eines bekannten Onlinebuchhändlers liegen und ich fragte sie, warum sie ihre Bücher denn nicht bei Kopp bestellte, worauf sie mir antwortete:

»Gute Frage, das weiß ich auch nicht. Ich bestelle immer alles bei…«

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich möchte keinen der anderen Onlinebuchhändler schlecht machen. Ich freue mich über jedes verkaufte Buch, denn solange Menschen noch lesen, besteht wenigstens noch ein kleiner Funke Hoffnung auf einen positiven geistigen Wandel in unserer Gesellschaft. Ich möchte Sie lediglich dazu bringen, sich die Frage zu stellen:

»Warum unterstütze ich nicht ein mittelständisches deutsches Unternehmen, das seinen Mitarbeitern ordentliche Löhne zahlt, in Deutschland regulär seine Steuern abführt und mir zusätzlich zum kostenlos und schnell zugestellten Buch einen einmaligen kostenlosen Informationsdienst bietet?«

Mir ist es als Autor egal, wo Sie Ihre Bücher kaufen. Ich bekomme immer dieselbe kleine Marge für jedes verkaufte Buch. Ich finde nur, dass der deutschsprachige Raum etwas sehr Wichtiges verlieren würde, sollte der Kopp-Verlag sich eines Tages genötigt sehen, seinen Informationsdienst einzustellen. Ich möchte Sie mit all dem weder langweilen noch belehren, ich möchte Ihnen aber gerne einige Denkanstöße geben, weil ich das Gefühl habe, dass wir alle viel zu oft blind durchs Leben laufen und meist nicht das tun, was wir als Überzeugung vor uns hertragen.

Lippenbekenntnisse sind wertlos. Was zählt, sind Taten. Alles, was wir tun, hat einen Effekt, eine Auswirkung auf andere, aber auch auf uns selbst. Wir haben mehr Macht und Einfluss, als uns meist bewusst ist, als Mensch ebenso wie als Konsument oder als Wähler. Ich finde sogar, dass wir die verdammte Pflicht haben, zumindest gelegentlich über unser Verhalten nachzudenken und uns entsprechend unseren Überzeugungen zu verhalten.

Es ist toll, dass Sie alternative Artikel und Nachrichten lesen, dass Sie überhaupt noch Bücher lesen, aber es wäre noch toller, wenn Sie bei Ihrer nächsten Buchbestellung kurz innehalten und eine bewusste Entscheidung treffen würden. Wir alle sind Gewohnheitstiere, umso wichtiger ist es, sich dessen bewusst zu werden und diese Gewohnheiten gelegentlich zu hinterfragen.

»Put your money where your mouth is!«, also »lass deinen Worten Taten folgen!«


Michael Morris

Mitunterzeichner sind:

Heinz-Wilhelm Bertram

Michael Brückner

William Engdahl

Markus Gärtner

Torben Grombery

Brigitte Hamann

Jan van Helsing

Janne Kipp

Markus Mähler

Thomas Mehner

Andreas von Rétyi

Armin Risi

Stefan Schubert

Dr. Udo Ulfkotte

Gerhard Wisnewski

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