Verfasst von: Dr. Who | 24.2.16

1463 | China: Todesurteil Organ"spende"

von J. D. Heyes

In China politischer Gefangener zu sein ist ein hartes Los; und das in mehr als nur einer Hinsicht. Man wird geschlagen, gefoltert, erhält zu wenig zu essen und wird gedemütigt – und darüber hinaus kann es noch dazu kommen, dass einem Organe auch gegen den eigenen Willen entfernt werden.

Die alternative Medien-Internetseite The Anti-Media und das Nachrichtenmagazin Newsweek berichten, die chinesische Regierung gerate wegen des erneuten Vorwurfs, die Behörden entnähmen regelmäßig politischen Gefangenen Organe, international immer mehr in die Kritik, und sie lösten weltweit Empörung aus.

Verschiedene renommierte Investigativ-Journalisten und andere Ermittler aus der ganzen Welt haben diese Vorwürfe genauer untersucht. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass der chinesische Staat tausenden Gefangenen Organe entnommen hat – teilweise mit Gewalt und oft sogar ohne jegliche Betäubung.

Viele der Opfer gehören der 1992 gegründeten und 1999 verbotenen religiösen Gruppierung Falun Gong an, die Elemente auch des Buddhismus und des Daoismus vereint. (Offiziell gibt es in China keine Staatsreligion, da die kommunistische Führung es bevorzugt, wenn die Bevölkerung ihr huldigt.) Personen, die sich zu der religiösen Gruppe bekennen, werden oft von der Regierung verfolgt. The Anti-Media berichtet dazu: »Religiöse Verfolgung stellt für viele Menschen in China trotz der Tatsache, dass die kommunistische Regierung keine offizielle Staatsreligion kennt, eine ernste Gefahr dar.«

Keine Betäubung

Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Mitglieder verschiedenster Dissidentengruppen, darunter Mitglieder von Falun Gong, Christen und Tibeter, ins Gefängnis gesperrt. Viele der Inhaftierten haben schwere Beschuldigungen gegen ihre Verfolger erhoben. Dazu gehören schwerer Missbrauch, einschließlich der erzwungenen gewaltsamen Entnahme von Organen. Diese Misshandlungen und erzwungenen Eingriffe, darunter auch die Entnahme von Hornhäuten, Nieren und Lebern, gehen mindestens bis in die 1990er-Jahre zurück.

»Es ist bekannt, dass chinesische Chirurgen [an politischen Gefangenen] Entnahmeoperationen durchführen und der ›Spender‹ während der Entnahme in verschiedenen Fällen sogar noch am Leben war – die Entnahme der Organe war dann die eigentliche Todesursache«, erklärte Dr. Katrina Bramstedt, Professorin an der Bond University in Australien gegenüber Newsweek. Die australische Tageszeitung The Sidney Morning Herald schrieb im April 2015 dazu:

»Eine frühere chinesische Krankenhausmitarbeiterin und Ehefrau eines Arztes, deren Identität geheim gehalten wurde, [erklärte,] ihr Ehemann habe die Hornhäute von 2000 noch lebenden Menschen entnommen. Danach wurden die Leichen eingeäschert.«

Angesichts dieser Zustände wundert es nicht, dass China die zweithöchste Transplantationsrate weltweit aufweist. Oft beträgt die Wartezeit für bestimmte Transplantate lediglich zwei bis drei Wochen. »Irgendjemand wird wegen seiner Organe getötet«, erklärte der Menschenrechtsanwalt David Metas gegenüber dem Morning Herald. »Es gibt sonst keine andere vernünftige Erklärung.«

Die chinesische Regierung hat dies immer wieder bestritten und behauptet, Organe würden ausschließlich freiwilligen Spendern entnommen.

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping erklärte im März 2015, das Transplantationsprogramm werde noch im August des gleichen Jahres eingestellt. Xi machte den geschassten früheren Sicherheitschef Zhou Yongkang für eventuelle Probleme und Fehler verantwortlich.

Aber in einer Sendung der wöchentlichen Dokumentationsreihe SBS Dateline mit dem Titel »Organentnahme bei Menschen: Chinas Organhandel« berichtete ein chinesischer Medizinstudent, er könne sich noch lebhaft daran erinnern, wie weiterhin Blut [im Rhythmus des Herzschlags] aus dem Körper eines »Spenders« geflossen sei, der noch am Leben gewesen wäre, als er den Körper aufschnitt. Er habe dann, so fügte er hinzu, der betreffenden Person die Leber und zwei Nieren entfernt. Die Operationen seien unter ungewöhnlich nachlässigen Umständen und in großer Schnelligkeit erfolgt.

»Noch am Leben«

»Die Dokumentation enthüllt, wie die noch lebenden ›Spender‹ heimlich in Verbrennungsanlagen in Heizräumen der Krankenhäuser aufbewahrt wurden – nachdem ihren Körpern bereits die Organe entnommen worden waren«, berichtet The Anti-Media.

Weiter heißt es in dem Dokumentarfilm, laut Recherchen, die acht Jahre in Anspruch nahmen, habe die chinesische Regierung politischen Gefangenen jedes Jahr etwa 10 000 Organe entnommen, ohne diese Menschen zu betäuben. Auch eine Ermittlung der Vereinten Nationen kam 2008 zu dem Schluss, dass die Regierung politischen Gefangenen ihrer Organe beraube.

In dem Bericht heißt es, eine »große Zahl von Falun-Gong-Anhängern sei an einer Vielzahl von Orten gegen ihren Willen zu Organspenden gezwungen worden, um diese Organe dann für Transplantationen zur Verfügung zu stellen. Falun-Gong-Anhängern wurden seit 2001 systematisch lebenswichtige Organe wie Herzen, Nieren, Lebern und Hornhäute im Krankenhaus von Suijiatan in der Provinz Liaoning entnommen«.

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