Verfasst von: Dr. Who | 27.5.16

1542 | Russland ist Gegengewicht zur NATO

Die US-amerikanische U-Boot-Flotte soll der russischen weiterhin überlegen bleiben, so der Pentagon-Chef. Tatsächlich haben die USA deutlich mehr Atom-U-Boote. Aber auch Russlands Kriegsmarine hat ihre Trümpfe. Militärexperten beschäftigen sich mit dem aktuellen Stand der Dinge und mit den Aussichten.

Russische Kriegsmarine© Sputnik/ Igor Zarembo

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Der russische Militärexperte Konstantin Siwkow, einst Kapitän zur See, sagte der Onlinezeitung vz.ru, Russland sei derzeit in Sachen U-Boote den USA tatsächlich unterlegen: „Lohnt sich eine Aufholjagd auf Amerika? Sie lohnt sich wohl, wenn wir die Aufgabe zum Schutz unserer Interessen in globaler Hinsicht lösen wollen.“

Pentagon-Chef Ashton Carter hatte jüngst auf dem Marinestützpunkt in Groton (Connecticut) gesagt, die Überlegenheit der US-amerikanischen U-Boot-Flotte gegenüber Russland und China sei zwar kein „angeborenes Recht“, werde aber bestehen bleiben.

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Diesel-Elektro-U-Boote des Projekts 636 „Warschawjanka“, U-Boot-Jäger „Admiral Pantelejew“ und Kampf- und Transporthubschrauber Mi-8AMTSch Terminator© Sputnik/ Vitaliy Ankov

„New York Times“: Russische U-Boote fordern USA und NATO heraus

Wie die Onlinezeitung weiter berichtet, hat die US-Navy derzeit 53 Atom-U-Boote, die russische Kriegsmarine nur 16 (19 weitere werden gebaut). Dazu noch hat Russland 57 Diesel-U-Boote, während Amerika überhaupt keine. Dies geht auf unterschiedliche Strategien zurück: Seit Ende der 1950er Jahre bauen die USA keine dieselgetriebenen  U-Boote mehr, weil diese für autonome Missionen weniger geeignet sind.

Wenn es um einen technischen Vergleich von Atom-U-Booten geht, hat Russland in mancher Hinsicht seine Vorteile. Medienberichten zufolge wurde beispielsweise ein U-Boot gebaut, das mehrere Wochen lang in sechs Kilometer Tiefe operieren kann. So etwas haben weder die USA noch China.

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Generell ist es nach Ansicht des russischen Marine-Experten Michail Nenaschew falsch, von einer vollständigen Überlegenheit der USA zu sprechen: „Könnten die Amerikaner mindestens ein Gebiet des Weltmeeres zeigen, wo wir nicht in der Lage wären, uns ihnen entgegenzusetzen oder zurückzuschlagen?“

Atom-U-Boot  Juri  Dolgoruki© Foto: Sevmasch

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Russland habe Optionen, die jegliches Gerede von seinem hoffnungslosen Rückstand widerlegen würden, so Nenaschew. Er wies insbesondere auf jenen Einsatz hin, als ein russisches Diesel-U-Boot Marschflugkörper des Typs Kalibr gegen syrische Stellungen der Terrorgruppe IS abgefeuert hatte.

Seit mehreren Jahren übe die russische U-Boot-Flotte außerdem aktiv im Weltmeer. „Ihre professionellen Qualitäten haben inzwischen zugenommen. Dies ermöglicht selbst mit der vorhandenen Zahl der U-Boote, sowohl operativ-taktische als auch strategische Aufgaben zu lösen. Zwar braucht Russland mehrere Dutzend neue U-Boote, doch auch jetzt würden wir den Amerikanern nicht zuraten, die Kampfbereitschaft unserer Flotte real auf den Prüfstand zu stellen“, mahnte Nenaschew.

Quelle: de.sputniknews.com

Künftige russische U-Boote sollen in der Lage sein, auch Ziele im Weltall zu bekämpfen. An entsprechenden Techniken wird bereits gearbeitet, teilte der stellvertretende Marinechef Viktor Bursuk mit.

US-Raketenabwehrsystem© Foto: US Missile Defense Agency

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„An solchen Technologien arbeiten sowohl unsere Forscher als auch ihre Kollegen im Ausland“, sagte Admiral Bursuk dem Radiosender Echo Moskaus. „Das ist eine der Richtungen für die U-Boot-Bewaffnung der Zukunft.“

Russische Jagdflugzeuge MiG-31 sind schon jetzt im Stande, Ziele im nahen Weltraum zu bekämpfen. Darüber hinaus ist eine weitreichendere Abfangrakete für das Luftabwehrsystem S-400 „Triumph“ getestet worden. Die Rakete 40N6Е kann Flugobjekte in einer Höhe von bis zu 185 Kilometern abschießen.

Quelle: de.sputniknews.com

Russische U-Boote der nächsten Generation sollen einem Zeitungsbericht zufolge Komponenten aus Verbundwerkstoffen bekommen, um für gegnerische Sonare weniger auffällig zu werden.

Atom-U-Boot Juri Dolgoruki© Foto: Sevmash

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Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Donnerstag berichtet, sollen Steuerruder, Schrauben, Stabilisatoren und weitere Konstruktions-Komponenten bei russischen U-Booten der neuen Generation aus Verbundwerkstoffen gefertigt werden. Geplant sind auch entsprechende Schichtungen für den Rumpf. All dies soll die U-Boote deutlich leiser machen.

Valeri Polowinkin, Fachmann des in St. Peterburg ansässigen Forschungszentrums Krylow, sagte dem Blatt, die Möglichkeiten der bewährten Monometall-Werkstoffe seien ausgeschöpft. Wenn man nicht auf Verbundwerkstoffe umstelle, werde es kaum gelingen, die Kampf-Parameter weiter zu verbessern.

„Es geht um neue mehrschichtige Verbundwerkstoffe. Ihre Struktur und ihre Zusammensetzung reduzieren die reflektierten Sonar-Signale eines U-Bootes und drosseln die Ausbreitung der Vibration, die von Mechanismen im Betrieb ausgeht. Der Gegner wird kein reflektiertes Signal von erforderlicher Intensität bekommen. Denn der entsprechende Verbundwerkstoff hat einen hohen Koeffizienten der Schallabsorption und kann bei der Entstehung von Vibration seine Eigenschaften ändern, um die Ausbreitung von Schwingungsenergie zu verhindern. Dieser Effekt wird möglich durch die sehr komplizierte Innenkonstruktion des Verbundwerkstoffes, die wir entwickelt haben. Es geht dabei nicht um eine prozentuale, sondern um eine vielfache Verbesserung“, so Polowinkin.

Su-35© Foto: Sukhoi Company

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Mit Verbundwerkstoffen sollen die neuen U-Boote laut Polowinkin leichter und sicherer werden, aber auch billiger zu warten. Denn diese Werkstoffe sind korrosionsfrei und brauchen nicht gestrichen zu werden.

Wie es hieß, werden die entsprechenden technischen Lösungen jetzt im Standlauf getestet. Im Jahr 2018 könnte die erste U-Boot-Schraube aus Verbundwerkstoffen reif genug sein, um einem Testprogramm außerhalb des Labors unterzogen zu werden. „Das ist eine der aussichtsreichsten Arbeiten unseres Instituts“, sagte Polowinkin.

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Atom-U-Boot Juri Dolgoruki© Foto: Sevmash

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Der russische Militärexperte Andrej Frolow kommentiert: „Die Anwendung von Verbundwerkstoffen lässt sich in das Entwicklungskonzept für Atom-U-Boote der nächsten – fünften – Generation einbetten. Die entsprechenden Arbeiten hat Marinechef Viktor Tschirkow zuvor angekündigt. Die Entstehung solcher U-Boote ist zu erwarten, sobald das aktuelle Bauprogramm für Atom-U-Boote der vierten Generation (Borej- und Jassen-Klasse) zu Ende geht.“

„Das Konzept eines U-Bootes der fünften Generation wird seit Ende der 1980er Jahre diskutiert. Es ist zu vermuten, dass es sich um ein Projekt auf Basis des Atom-U-Bootes ‚Sewerodwinsk‘ der Jassen-Klasse handeln wird, aber mit niedrigeren Produktionskosten“, prognostiziert Frolow.

Quelle: de.sputniknews.com

Die russischen nichtnuklearen U-Boote werden in den kommenden Jahren deutlich schneller, bei weitem manövrierfähiger und längere Zeit unter Wasser verbringen können, wie Vizeadmiral Viktor Bursuk, stellvertretender Befehlshaber für Bewaffnung der Russischen Marine, mitteilte.

Atom-U-Boot Wladimir Monomach© Foto: Rubin

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„Die Aufenthaltsdauer unter Wasser wird mithilfe luftunabhängiger Energieanlagen erhöht werden“, sagte der General gegenüber russischen Medien. Darüber hinaus sollen die U-Boote künftig auch höhere Geschwindigkeiten erreichen und eine bessere Manövrierbarkeit erhalten. Zusätzlich sollen sie mit besseren Tarnkappen- und Hochpräzisionswaffensystemen ausgerüstet werden.

Zuvor war berichtet worden, dass Russlands Seestreitkräfte bis Ende dieses Jahres zahlreiche neue Waffensysteme in Dienst stellen werden. So erhält die russische Schwarzmeerflotte zwei dieselelektrische U-Boote des Typs 636.3 „Warschawjanka“. Diese Boote sind so geräuscharm, dass sie bei der NATO den Codenamen „Schwarzes Loch“ bekamen.

Strategischer Langstreckenbomber Tu-160© Foto: Rostec

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Bewaffnet sind die „Warschawjankas“ mit Marschflugkörpern vom Typ „Kalibr“. Ein U-Boot dieser Klasse, die „Rostow-am-Don“, hat damit während der Überfahrt nach Sewastopol ohne aufzutauchen die Stellungen syrischer Terroristen beschossen.

Wie der Vize-Befehlshaber der russischen Marine, Alexander Fedotenkow, vor kurzem mitteilte, arbeitet Russland derzeit an einem neuen nicht-atomaren U-Boot unter dem Namen „Kalina“, das die besten Eigenschaften der U-Boot-Projekte 677 „Lada“ und 636 „Warschawjanka“ verbinden soll.

Quelle: de.sputniknews.com

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