Verfasst von: Dr. Who | 22.2.17

1563 | Multipolarität: Mentale Defizite der "Elite"

Donald Trump ist kein Auslöser der Veränderungen in der Welt, sondern hat ihnen vielmehr seinen Wahlsieg zu verdanken. Die Europäer haben das noch nicht begriffen und sind verwirrt, sagt der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow in einem Exklusivinterview mit sputniknews. Er klärt auch über einen wichtigen Charakterzug der Deutschen auf.

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„Es ist vorerst ziemlich schwer zu verstehen, wie Trump zu dem transatlantischen Verhältnis steht. Es gibt Äußerungen, die von den Europäern ziemlich nervös gedeutet werden. Wie es mir scheint, befindet sich das alte Europa derzeit im Zustand der permanenten Panik ausgerechnet deshalb, weil sie von den USA diesen Wandel nicht erwartet haben. Sie begreifen nicht, was weiter kommt. Sie haben sich noch nicht mental umgestellt und nicht begriffen, dass es nicht Trump war, der Veränderungen in die Welt mitgebracht hat: Vielmehr haben die Veränderungen in der Welt ihn selbst in den Vordergrund rücken lassen“, so Lukjanow. 

In Brüssel wird man dies begreifen – in Europa arbeiten ja professionelle und erfahrene Menschen. Vorerst findet diese Verwirrung allerdings einen sonderbaren Ausdruck – in der aktuellen Situation ist es nicht besonders vernünftig, ausgesprochen kritische Äußerungen über den neuen US-Staatschef zu machen. In Brüssel scheint man noch nicht begriffen zu haben: Trump im weiteren Sinne ist etwas Ernsthaftes und auf lange Sicht“, sagte der Experte.

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Nach Ansicht von Lukjanow hat Angela Merkel anscheinend nicht vor, ihren Ansatz zu den USA zu ändern: „Als in vielerlei Hinsicht prinzipielle und werteorientierte Person ist sie der Meinung: Was getan wurde, war richtig. Das ist ein deutscher Charakterzug. Es fällt den Deutschen sehr schwer umzulenken. Wenn sie sich irgendwohin fortbewegen, lenken sie nicht um und erreichen einen gesetzmäßigen Abschluss.“

Es sei schwer zu sagen, was am Ende komme, falls Deutschland auf jener Version der europäischen Integration bestehe, die jetzt eine Erosion erlebe. Vermutlich werde es Deutschland nicht gelingen, diese Version aufrechtzuerhalten. Dann werde die Krise zunehmen, prognostizierte der Experte.

Euro© Flickr/ Images Money

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Bis zum Jahresende werde Europa bewegungslos abwarten: „Die Europäer werden die Politik der neuen US-Administration weiter verfolgen, doch es ist vorerst nicht klar, wie diese Politik ist. Trump wird kaum im Ernst auf die Beziehungen mit Europa verzichten. Im laufenden Jahr werden wir also kaum eine deutliche Konstruktion des europäisch-amerikanischen Verhältnisses sehen.“

Generell versuche Trump, die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen aus dem komplizierten Block-Schema zurückzuholen: „Er versucht, alles zu vereinfachen und das zu tun, was für die USA günstig wäre. Er sagt, dass Amerika auf bilateraler Basis verhandeln soll. In einem gewissen Sinne ist das eine Rückkehr in die Epoche des Merkantilismus, als alles einfach gewesen war: Leistung gegen Leistung. Dies bedeutet, dass sich Wirtschaft bei Politik revanchieren könnte, darunter auch in Europa.“

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