Verfasst von: Dr. Who | 21.6.17

1572 | Der Teufel treibt’s in Syrien

Russland ist am 19. Juni vorerst aus einer Vereinbarung mit den USA über Flüge im syrischen Luftraum ausgestiegen.

Am Vortag hatte ein Kampfjet F/A-18E Super Hornet der von den USA angeführten Koalition eine Su-22 der syrischen Luftstreitkräfte unweit von Rakka abgeschossen. Der syrische Militärflieger hatte Stellungen des so genannten "Islamischen Staates" (IS) angegriffen, die Amerikaner und deren Verbündete dabei aber in keiner Weise bedroht.

Die US-Koalition habe Gewalt angewandt, um angeblich die Oppositionskräfte vor einer Offensive der Regierungstruppen zu schützen, sagte der russische Militärexperte Alexander Chrolenko. Das sei nicht der erste Angriff der Amerikaner gegen die syrischen Regierungskräfte gewesen. Der Experte erinnerte daran, dass zwei US-Kriegsschiffe im April den Stützpunkt Schairat der syrischen Luftwaffe in der Provinz Homs mit Raketen beschossen hatten. Und in den vergangenen Wochen waren Assad-Truppen bei At Tanf mehrmals Ziel von Angriffen der Koalition gewesen.

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Die Regierungstruppen rücken konsequent von Damaskus bis an die Grenzen zum Irak und Jordanien vor, stoßen dabei jedoch auf den verbissenen Widerstand der Extremisten und bewaffneten Oppositionellen. Genauso wichtig ist auch die Kontrolle über die Gebiete zwischen At Tanf und dem Territorium südöstlich von As-Suweida. Die Syrer genießen dabei die Unterstützung der russischen Luftwaffe, des Irans, der Hisbollah und der Brigaden Fatemiyoun, Zeynabiyoun und Asaib Ahl al-Hakk.

Die libanesische Zeitung „Al Modon“ prognostizierte jüngst:

„Trotz der Anwesenheit der Amerikaner könnte der Iran von At Tanf aus durch die Wüste zur irakischen Grenze vorrücken und seine Kräfte an den Grenzen zu Jordanien und Israel konzentrieren.“

Die amerikanischen Interventionen könnten aus diesen strategisch wichtigen Richtungen (im Dreieck Rakka – At Tanf – As-Suweida) jederzeit böse bestraft werden. Der Iran demonstrierte seine Militärstärke bereits am 18. Juni, als er die Stellungen der Terroristen mit Marschflugkörpern mittlerer Reichweite beschoss, und zwar über irakisches Territorium, das de facto Washington kontrolliert.

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Für die proamerikanische Koalition ist das Vorgehen des Irans ein rotes Tuch, aber ihre Teilnehmer müssen Rücksicht auf die Möglichkeiten ihrer anderen Verbündeten und auf die Verfechter der territorialen Integrität Syriens nehmen. Unter anderem verfügen Russland, Syrien und der Iran über S-300-Fla-Raketensysteme. Sie könnten US-Kampfjets „aus Versehen“ abschießen und sich dann per “direktem Draht” dafür entschuldigen.

Die Koalition stemmt sich massiv gegen die Friedensprozesse in verschiedenen Regionen des Landes. Die US-Koalition hat einfach nicht genug Kräfte, um ein „Südsyrien“ nach dem Vorbild Südkoreas zu gründen. Die Amerikaner haben keine Lust, nach den nicht gerade erfolgreichen Kriegseinsätzen in Afghanistan und im Irak jetzt noch in Syrien steckenzubleiben. Aber die Versuchung in Syrien ist dermaßen groß, dass das Vorgehen der Koalition kaum noch einer Logik folgt.

Washington verliert alle Vorsicht: Es ruft zur Einstellung der Kontakte mit dem legitimen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auf, es versucht, in Syrien nach dem „jugoslawischen Szenario“ zu handeln, indem dort eine „parallele“ syrische Armee der Kollaborateure gebildet wird. Aber irreguläre bewaffnete Formationen (ob der IS oder andere Gruppierungen) können unmöglich nur in Einzelfällen eingesetzt werden, zumal das dem internationalen Image der Amerikaner schadet.

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Die Koalition behauptet, den IS vernichten zu wollen, in Wahrheit aber widersteht sie dem „syrischen Regime“ – also auch den Verbündeten von Präsident Assad – mit allen möglichen Mitteln.

Moskau ruft seine Partner immer wieder auf, die territoriale Integrität Syriens zu respektieren, was auch die Resolution 2254 des UN-Sicherheitsrats vorschreibt, und einseitige, mit Damaskus nicht abgesprochene Handlungen zu vermeiden. Aber seine Verpflichtungen als Verbündeter sollten Russland nicht daran hindern, nicht nur Worte sprechen zu lassen.

Quelle: de.sputniknews.com

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