Verfasst von: Dr. Who | 21.9.17

1579 | Todesstoß: Autokratin Merkel beerdigt die Demokratie (mit der "Wahl", vgl. Erdogan)

Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz vergleicht die Menschen, die gegen die Kanzlerin demonstrieren, mit zornigen Kindern, die sich unverstanden fühlen. Auf der anderen Seite ist die Kanzlerin als Mutter der Nation unantastbar. „Mutti ist tabu“ meint der bekannte Psychiater und Spezialist für die Mentalität der Ostdeutschen im Sputnik-Interview.

Herr Maaz, bei Wahlkampfauftritten, vor allem in Ostdeutschland, wurde die Kanzlerin ausgepfiffen wurde. Allerdings geht Merkel gewöhnlich überhaupt nicht auf die Protestler ein. Es schien an ihr abzuprallen. Steht Mutti da drüber?

Das ist genau ihr Trick. Wenn sie darauf eingehen würde, würde sie eine Angriffsfläche bieten und müsste sich damit auseinandersetzen. Das lässt sie abprallen nach dem Motto: Ihr Kinder versteht das nicht. Das birgt aber Zündstoff. Das kenne ich aus der Entwicklungspsychologie: wenn Kinder sich überhaupt nicht verstanden und angenommen fühlen, werden sie immer aggressiver. Dann werden sie entweder krank oder verhaltensauffällig.

Die meisten Menschen würde es allerdings nie wagen, Mutti zu widersprechen oder sie gar auszupfeifen.

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Die Beziehung, die man als Kind zu seinen Eltern hatte, prägt die ganze Persönlichkeit. Später wiederholt man diese prägenden Beziehungserfahrungen in der Partnerschaft, in der Freundschaft, aber auch gegenüber Fremden. In der Psychoanalyse nennt man das Übertragungen. Das überträgt sich auf das Verhältnis zu Merkel, die ja eben von den meisten nicht kritisiert wird. Schlechte Mütterlichkeit wird nur sehr selten wahrgenommen und thematisiert. Die Mutter ist heilig, die wird nicht kritisiert, die ist tabu. Das ist auch evolutionär nachvollziehbar: ein kleines Kind darf die Mutter nicht wirklich kritisieren, da dies existenziell bedrohlich ist. Also wird das unterdrückt. Man verhält sich dann so, wie es Mutti gefällt. Diese Übertragung erfährt Frau Merkel in erster Linie. Selbst für ihre schweren politischen Fehler, von der Energiewende, über die Euro-Rettung, die Griechenland-Geschichte bis hin zur verheerenden Asyl- und Migrationspolitik, wird sie nicht wirklich angegriffen. Mutti wird geschont. Sie hat Mutterschutz. Wenn man Mutti angreift, würde man ja quasi in der Übertragung seine eigene Mutter angreifen. Ich behaupte mal, jeder Mann, jeder Bundeskanzler hätte schon längst zurücktreten müssen.

Hat vielleicht auch der Mann Schulz wegen dieses Mutti-Syndroms keine Chance gegen Merkel?

Ja. Für mich war das TV-Duell peinlich. Man hätte ihm sagen müssen, dass er nur diese eine Chance hat, wenn er jetzt angreift und keine Angst vor Mutti hat. Man hat seine Befürchtung gespürt, wenn ich jetzt angreife, dann verderb ich’s mir mit allen, das macht man nicht. Da ist auch was dran, denn Mutti greift man nicht an. Das wäre aber der einzige Weg gewesen. Das hat Schulz leider überhaupt nicht verstanden.

Ist aus Merkel nun die Mutti gemacht worden oder tut sie selbst alles dafür, Mutti zu sein?

Sowohl als auch. Weil sie so bescheiden und wenig hysterisch und kämpferisch auftritt, ist sie dem einfachen Bild einer Mutter ähnlicher, als wenn sie erotisch und modisch aufgemotzt als Frau daher kommen würde. Ich behaupte, dann wäre sie nicht so lange an der Macht geblieben.

Ist es auch Taktik der Kanzlerin, zum Beispiel bei der Flüchtlingskrise, sich bloß nicht anmerken zu lassen, dass man Mist gebaut hat?

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Ja, Augen zu und durch. Viele finden das ja gerade gut, dass sie das so ohne Kampf absitzt. Bei Frau Merkel habe ich das Gefühl, dass sie wie Opium für das Volk ist. Mit Ausdrücken wie "Wir schaffen das" und "Das ist alternativlos" und ihrer scheinbar ruhigen, gelassenen Art vermittelt sie den Menschen den Eindruck, dass alles nicht so schlimm ist. Das erklärt mir auch den belanglosen Wahlkampf. Merkel fährt wie im Schlafwagen ins Bundeskanzleramt. Es gibt überhaupt keine Aufregung, die es aber geben müsste, da wir vor riesigen Problemen stehen.

Nach Demokratie klingt das allerdings nicht, eher nach Autokratie. Da fehlt quasi nur noch die Krone.

Das ist ja das Schlimme, dass im Grunde die Mutti-Herrschaft die Demokratie beerdigt. Das hat es noch nie gegeben, dass solche wesentlichen Entscheidungen, wie die Energiewende oder eben vor allem die Flüchtlingsproblematik im Prinzip ohne Parlament entschieden wurden. Das muss doch in einer parlamentarischen Demokratie vom Parlament diskutiert, bewertet und abgesegnet werden. Dass das nicht geschieht, erkläre ich mir eben mit diesem Mutti-Tabu-Komplex und auch damit, dass die Politiker selbst Angst vor dem haben, was auf uns zukommt.

Was meinen Sie, warum tut sich eine Frau im fast Rentenalter diesen Stress jetzt noch einmal vier Jahre an?

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In meinen Augen könnte es eine narzisstische Problematik sein. Ich war dabei, als sie das bei Anne Will bekannt gegeben hat. Da sagte sie, ich bin noch mal gebeten worden. Sie ist quasi verführt worden. Das ist naheliegend, weil die CDU/CSU überzeugt ist, nur mit ihr gewinnen zu können. Ich vermute, dass ihr narzisstisches Geltungsbedürfnis dem dann zugestimmt hat. Die häufigsten Wege, sich und der Welt zu beweisen, dass man wichtig ist, sind Geld und Macht. Da kam wohl zusammen, dass sie überredet wurde und selbst das Bedürfnis hatte, an der Macht zu bleiben.

Bis jetzt ist die Kanzlerin weitestgehend unbeschadet durch alle Gewässer navigiert. Meinen Sie, Sie kann das bis zum Schluss durchhalten und vielleicht noch krönen und endgültig als Heilige in die Geschichte eingehen?

Ich fürchte für sie eher das Gegenteil. Das, was jetzt auf uns zukommt, die Krise des Westens, das ist nicht mehr wirklich zu handeln. Da müssen harte Entscheidungen getroffen werden, um die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, aber auch in Rechts und Links zu verhindern. Dafür ist die Kanzlerin nicht geeignet.

Armin Siebert

Dr. Hans-Joachim Maaz war von 1980 bis zu seinem Ruhestand 2008 Chefarzt der Psychotherapeutischen und Psychosomatischen Klinik im Evangelischen Diakoniewerk Halle. 1990 erschien sein Buch Der Gefühlsstau, in dem er den Einfluss von staatlicher und familiärer Repression im DDR-System auf die psychische Befindlichkeit der Bevölkerung untersuchte. In seinen Folgewerken setzte er sich auch kritisch mit der Situation im wiedervereinigten Deutschland und deren Folgen auf die Psyche auseinander.

Quelle: de.sputniknews.com

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