Verfasst von: Dr. Who | 30.7.22

2321 | Ukraine: Phantastische Erzählungen

Weil “Verhandeln” bedeutet, das “Gesicht zu verlieren” was gleich gesetzt wird mit einer “Niederlage”, hat sich der kollektive Westen in eine Sackgasse manövriert, wie  Alastaire Crooke schreibt:

Der Westen ist so sehr in seine phantastische Erzählung vom unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch und der Demütigung Russlands verstrickt, dass er sich selbst “festfährt”. Er kann nicht vorankommen, weil er befürchtet, dass die NATO der Aufgabe, den russischen Streitkräften entgegenzutreten, nicht gewachsen ist (Putin hat darauf hingewiesen, dass Russland noch nicht einmal begonnen hat, seine volle Schlagkraft einzusetzen). Doch wenn der Westen sich auf einen Deal einlässt und sich zurückzieht, würde er sein Gesicht verlieren.

Der Westen hat sich damit zur Geisel seines hemmungslosen Triumphalismus gemacht, der sich als Informationskrieg ausgibt. Er hat sich für diesen zügellosen Hurrapatriotismus entschieden. Bidens Berater jedoch, die die Runen des Krieges – des unaufhaltsamen russischen Vormarsches – lesen, wittern ein weiteres außenpolitisches Debakel, das sich schnell anbahnt. Sie sehen in den Ereignissen keineswegs eine Bestätigung der “regelbasierten Ordnung”, sondern vielmehr eine schonungslose Offenlegung der Grenzen der US-Macht, die nicht nur ein wiedererstarktes Russland in den Vordergrund rückt, sondern auch eine revolutionäre Botschaft für den Rest der Welt (eine Tatsache, die der Westen allerdings noch nicht erkannt hat).

Darüber hinaus zerfällt das westliche Bündnis in dem Maße, wie sich Kriegsmüdigkeit einstellt und die europäischen Volkswirtschaften auf eine Rezession zusteuern. Die heutige instinktive Neigung, erst zu entscheiden und dann zu denken (europäische Sanktionen), hat Europa in eine existenzielle Krise gestürzt.

Das Vereinigte Königreich ist ein Beispiel für das gesamte europäische Problem: Die politische Klasse des Vereinigten Königreichs, verängstigt und verwirrt, war zunächst “entschlossen”, ihren Führer zu beseitigen, um dann festzustellen, dass sie keinen Nachfolger mit der nötigen Ernsthaftigkeit hatte, um die neue Normalität zu bewältigen, und dass sie keine Ahnung hatte, wie sie der Falle entkommen sollte, in die sie sich begeben hatte. Sie wagen es nicht, wegen der Ukraine ihr Gesicht zu verlieren und haben keine Lösung für die kommende Rezession. Und das Gleiche gilt für die politische Klasse Europas: Sie ist wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines entgegen kommenden Autos.”

Wobei sich das Reh offenbar auch noch  einbildet,  die beiden entgegenkommenden Scheinwerfer seien zwei Motorräder, durch die man einfach durchschlüpfen kann und alles wird wieder gut… um dann, als sich herausstellt, dass es eine Autoe ist, den Ukrainern auf der Straße zuzurufen: „Sie sterben für Europa, sie haben verdient, den europäischen Traum mit uns zu leben“ (Uschi von der Leyen)… Von dem aber nichts übrigbleiben wird, selbst wenn die EU-Bürokraten am Ende darauf verzichten, die Ukraine beitreten zu lassen – der Euro ist schon jetzt eine Weichwährung und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Vorteil, dass eine schwache Währung dem Export zugute kommt, existiert nicht mehr, wenn keine billige Energie für die Industrieproduktion zu  Verfügung steht, sondern teuer eingekauft werden muss – mit  “harten” Währungen wie dem Dollar ( + 15% seit Jahresbeginn) oder dem Rubel, der sogar 44% teurer wurde. Im April hatte ich einem Bekannten, der für die Bundesregierung arbeitet, geraten, bei den  Planungen und  “War Games” das Szenario “Wiedereinführung der D-Mark” auf die Tagesordnung zu setzten, weil man einen Plan B oder C in der Tasche haben sollte, wenn sich der  Superplan A – Russland “ruinieren” – als Sackgasse erweist. Dass er das mittlerweile tut,  ist unbestreitbar – es sei denn, man hat sich  sich mit “zügellosem Hurrapatriotsimus” selbst als Geisel genommen und kommt nicht runter von diesem Trip, weil man Opfer der eigenen Propaganda geworden ist. Eines hysterischen Moralismus, der ein derart ultimativ Böses (Puuuutin) konstruiert hat,  dass jeder Kompromiss ausgeschlossen ist.

Könnte es sein, dass Russland mit seinem Vorgehen in der Ukraine dafür gesorgt hat, dass der kollektive Westen in eine Falle getappt ist?  Warum haben die Russen die ukrainischen Truppen im Donbass nicht längst von der Versorgung abgeschnitten und sämtliche Brücken über den Dnjepr und die Bahnverbindungen zerstört, was sie ohne Weiteres hätten tun können ? Lassen sie zu, dass schwere Artillerie und westliche Waffen an die Front geschafft werden, um sie dort konzentriert leichter zerstören zu können als in den im Land verteilten Depots? Wollen sie dafür sorgen, dass so den NATO-Ländern, die das Material liefern, selbst die Munition und der Nachschub ausgeht? Die USA haben schon ein über Drittel aller ihre Stinger und Javelin-Raketen geliefert und der diensthabene Komiker in Kiew verlangt laufend mehr – in einem Monat verballert die Ukraine eine komplette US-Jahresproduktion. Dass die Russen bei ihrer “Militäroperation” so gemächlich langsam vorgehen –  was westliche Triumphialisten dann sofort auf  “Schwäche” oder Materialknappheit (“Den Russen gehen die Raketen aus!”) zurückführen – könnte beabsichtigt sein:  Russland lässt sich Zeit, und folgt einer strategischen Weisheit Napoleons : Nicht unterbrechen, wenn die Feinde einen Fehler machen.

Lass sie ruhig noch ein paar Wunderwaffen liefern, die am Kriegsausgang nichts ändern,  lass sie  weiter ihre Arsenale leeren, die wegen Rohstoff, -und Energiekrise nur aufwändig wieder gefüllt werden können, lass sie weiter “Sanktionspakete” schnüren, die ihnen als Bumerang um die Ohren fliegen und ihre ohnehin überschuldeten Haushalte ruinieren. Und lass sie ruhig weiter ihren “Informationskrieg”  gewinnen, und sich als glorreiche Sieger und heilige Kämpfer gegen das Ultraböse und seine Ausgeburt Wladimir Putin fühlen – an den Fakten, der Realität “on the ground”, ändern diese Fiktionen rein gar nichts.

“Der Westen hat Uhren, wir haben Zeit” lautete die Parole der paschtunischen Sandalenarmee, die vor zwei Jahren die NATO aus Afghanistan verjagte. Und jetzt scheint die Zeit für Russland zu spielen, das die NATO aus der Ukraine verjagen will. Denn der geostrategische Plan des US-Imperiums, den Russen mit einem Krieg in der Ukraine ein “Afghanistan 2.0” zu bereiten, geht ebenso nach hinten los wie die Sanktionsorgie im Wirtschaftskrieg. Nicht die Russen, der Westen wird von dem sinnlosen Gemetzel und seinen Folgen zermürbt. Und die NATO steht einmal mehr als Papiertiger da, der zwar gern über wehrlose Nationen herfällt, gegen wehrhafte militärische Gegner aber außer Gebrüll wenig zu bieten hat.

Auch nicht gegen “das gefährlichste Szenario”, welches Zbig Brzezinski in seinem Buch “Das große Schachbrett”  benannt hat, und das bei dem gestrigen Besuch Putins in Teheran und einem 40-Milliarden-Deal mit Gazprom über die Förderung von iranischem Erdgas besiegelt wurde:
”Das potentiell gefährlichste Szenario [für Amerika] wäre eine große Koalition aus China, Russland und vielleicht dem Iran, eine ‘anti-hegemoniale’ Koalition, die nicht durch eine Ideologie, sondern durch komplementäre Interessen vereint wäre.”

“Joe Biden has finally managed to create that” – schreibt Bernhard von Moon of Alabama dazu. Und man kann nur hoffen, dass der senile POTUS und seine Vasallen in Brüssel, Berlin und Paris langsam checken, auf was sie sich einlassen und dass sie in einem Kampf The West vs.The Rest nur die Verlierer sein können. Die unipolare Welt ist definitiv zu Ende und wer das zu spät merkt, den bestraft das Leben.

Zu Ende scheint es auch mit dem Regime des Komikers und TV-Unternehmers Zelenski zu gehen, der gerade in einer Säuberungsaktion seinen Geheimdienstchef, den Generalsstaatsanwalt und weitere Mitarbeiter wegen “Kollaboration” mit Russland entlassen hat. Seit einigen Wochen kursieren schon Gerüchte, dass ein Coup gegen Zelenski und ein Regierungswechsel vorbereitet werden, um einen Ausweg aus dem Krieg zu finden. Der engste Zirkel Zelenskis verlässt indessen schon das sinkende Schiff, darunter der Ex-Parlamentschef  Razumkov, Sicherheitsberater Danyliuk und die unlängst wegen Horromärchen über russische Vergewaltigungen entlassene Menschenrechtsbeauftragte Lyudmyla Denisova. Diese drei scheinen die Ukraine so sehr zu lieben, dass sie lieber im Ausland wohnen, und auch nicht irgendwo, sondern in der Schweiz und nicht in einer bescheidenen Berghütte, sondern jeder in einem stattlichen Anwesen mit reichlich Wohnfläche. Was die Frage, wo denn die Abermillionen, die im schwarzen Loch Ukraine verschwinden, eigentlich landen, zumindenst ein ein Stück weit beantwortet: jedes dieser Chalets im feinen Gstaad hat etwa 9 Millionen Euro gekostet.

(wird fortgesetzt)

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