HSP — eine Frage der Darstellung

Folgende Informationen liefen uns aktuell über den Weg. Wir kommentieren diese und machen uns Inhalte – wie üblich – nicht zu eigen. Im nachfolgenden Fall distanzieren wir uns ausdrücklich von den getätigten Darstellungen.

Auffallend ist, dass von Erkrankungen gesprochen wird und dass seelische Belastungen mit psychischen Störungen in einen Topf geworfen werden. Das ist bedenklich — oder sollte man sagen: krank? Hier wird auf diese Entwicklung gesondert Bezug genommen.

Behinderte Menschen im Beruf

Psychische Erkrankungen nehmen zu. Mitverantwortlich dafür sind auch steigende Belastungen am Arbeitsplatz. Was können Betriebe vorbeugend und im Krankheitsfall tun? Nach einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden im Jahr 2020 Angststörungen und Depressionen im Ranking der „größten Leiden der Menschheit“ Platz 2 und 3 einnehmen – hinter Herzinfarkt und vor Verkehrsunfällen. Tatsächlich steigt die Zahl psychischer Erkrankungen Jahr für Jahr.

Sicherlich steigt diese Zahl ständig, eine wahre Ursache wird jedoch kaum thematisiert: dass Geisteshaltungen krank machen können und was es mit dem Effekt von Spiegelneuronen auf sich hat. Dass nach wie vor selbst in Fachpublikationen zu kurz gegriffen wird, ist kein Zufall. Würde man einige Ursachen ganz klar benennen, würden sich andere Korrelationen über Auslösemechanismen und damit auch andere Symptomatiken ergeben. Das kann mitunter sehr unangenehm werden, vor allem, wenn es bedeutet, dass Erklärungsmodelle ins Wanken geraten und mehr noch: zuweilen grundsätzlich nicht haltbar sind.

Nach einer EU-weiten wissenschaftlichen Studie machen jede dritte Frau und jeder fünfte Mann im Laufe des Lebens mindestens einmal eine seelische Erkrankung durch. Psychische Störungen sind inzwischen die vierthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Fachleute führen diese Entwicklung jedoch nicht allein auf zunehmende Belastungen zurück, sondern auch auf eine sensiblere Wahrnehmung bei Betroffenen wie Ärzten. Das gesellschaftliche Verständnis für seelische Krisen und psychische Symptome scheint generell gewachsen.

Seelische Erkrankung ist ein etymologischer Widerspruch. Noch heute erhebt die “klassische” Psychologie den Anspruch, sich auf die Seele zu konzentrieren. Wahr ist indes, deutlich abzulesen am Selbstverständnis vieler Branchenzugehöriger, dass es hierbei eher um Psychiatrie geht und somit der Fokus auf Anomalie liegt sowie den dem Zeitgeist entsprechendem Umgang damit. Mit Seele hat das absolut wenig zu tun, und so kommt es auch, dass sich zunehmend Menschen bei Psychologen nicht sicher und eher unverstanden fühlen. Deswegen sind sie allerdings nicht psychopathologisch auffällig oder haben eine Störung. Diese Form von Diagnostik ist absolut fragwürdig, insbesondere, da sie Tautologie operationalisiert.

Psychische Störungen mit seelischen “Erkrankungen” gleichzusetzen zeigt sehr deutlich eine Ablehnung von (Selbst-)Verantwortung dafür auf, ein komplexes, kybernetisches, holistisches Verständnis der Natur, der Naturwissenschaft und des Menschen per se zu entfalten. Wir leben in einer Welt, welche geistig zu vermitteln bestrebt ist, dass bereits alles verstanden sei und gegenteiliges Vorbringen lediglich eine Normabweichung.

Bei weitem ist das Verständnis nicht gewachsen, sondern im Gegenteil oftmals gesunken, da vieles im Verborgenen stattfindet. Die Dunkelziffer ist nach wie vor sehr, sehr hoch. Je mehr Unbalance zunimmt und beispielsweise die Produktivität oder andere Normen und Rahmenbedingungen bedroht, umso mehr wird aus einem Verständnis ein Unverständnis und zunehmender Druck samt fragwürdigen Antworten, wie sich an zahllosen Beispielen belegen lässt.

Ursachen und Folgen

In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren unter einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung. Die Ursachen sind vielschichtig: Sie beruhen auf einer Wechselwirkung von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. So kann es beispielsweise bei entsprechender Veranlagung durch eine Lebenskrise, wie der Tod eines Angehörigen, zum Ausbruch einer Erkrankung kommen. Psychische Störungen und Erkrankungen können nur von Fachleuten diagnostiziert werden.

Was sind Fachleute, was zeichnet sie aus und wodurch ist ihre suggerierte relative Unfehlbarkeit gegenüber Nichtfachleuten gekennzeichnet? Das Expertentum hat in den letzten Jahrzehnten erschreckende Ausmaße angenommen, die dazu geführt haben, dass Menschen darunter leiden. Über Ex-Per-Ten lassen sich ganz hervorragend Hierachien aufbauen, welche dann meist völlig autark sind und schier unantastbar. Dringend angebrachte Fragen werden nicht mehr gestellt und der Nimbus der Unangreifbarkeit wird durch weitere Experten gezielt aufgebaut. Diese Experten sind stets gleicher Ansicht. Das ist die wahre Bedrohung, die wahre Krankheit, von der allerdings kaum jemand spricht.

Selbst bei gleichlautenden Diagnosen sind die Auswirkungen und der Verlauf einer Erkrankung oft sehr verschieden. Wer seelisch erkrankt ist, kann wieder vollständig gesund werden. Es ist aber auch möglich, dass die Erkrankung chronisch verläuft und sich zu einer Behinderung entwickelt. Eine seelische Behinderung liegt vor, wenn als Folge einer psychischen Erkrankung längerfristige oder dauerhafte Störungen auftreten und dadurch die Alltagsbewältigung, die Erwerbsfähigkeit und die soziale Integration erheblich beeinträchtigt sind. Vielen Menschen mit einer seelischen Erkrankung fällt es schwer, sich zu ihrer Behinderung zu bekennen.

Manchem Experten fällt es in der Tat schwer, sich zu seiner Behinderung zu bekennen. Es ist möglich, Ursache und Wirkung zu vertauschen, und indem durch subtile, aber dauerhafte Wiederholung Inhalte vollkommen anders gefüllt werden, aus einem Gesunden einen Kranken zu machen. Oftmals ist eine seelische Belastung überhaupt keine Störung oder Erkrankung. Erkrankung ist nach WHO klar definiert und bezieht sich ausschließlich auf die organische Ebene. Wenn nun sogar noch ein Vokabular von Behinderung angewandt wird, muss entweder von grober Verzerrung gesprochen werden oder aber der Absicht, durch Suggestion Betroffenen das Fremdbild der inakzeptablen Anomalie zu vermitteln — zu der sie sich dann auch bekennen sollen.

Manchen fehlt krankheitsbedingt die Einsicht, erkrankt zu sein. Andere fürchten sich davor, als „verrückt“ abgestempelt und ausgegrenzt zu werden. Sie lehnen daher auch einen Schwerbehindertenausweis ab. Dies ist insofern problematisch, weil sie damit auch auf Fördermöglichkeiten durch das Integrationsamt und auf den besonderen Kündigungsschutz verzichten. Eine wichtige Aufgabe der Schwerbehindertenvertretung ist es daher, die Betroffenen entsprechend zu beraten und bei der Antragstellung zu unterstützen.

Geistig-mentale Schwerbehinderungen in diesem Ausmaß sind selten, und oftmals sind derartig Betroffene gar nicht im regulären Erwerbsprozess integriert. Durch die Darstellung nach innen wie nach außen wird beidseits der Eindruck erweckt, die Betreffenden seien unheilbar krank, was lediglich für einen sehr kleinen Prozentsatz zutrifft. Nämlich für jenen Personenkreis mit organischen Dysfunktionen.

Umgang mit psychischen Krisen

Psychische Störungen zeigen sich meist besonders deutlich am Arbeitsplatz: Die erkrankte Person reagiert auf Stress und Druck schnell überfordert und kann selbst übliche Leistungsanforderungen nicht mehr erfüllen. Die Fehlzeiten nehmen zu.  Auch die Beziehungen sind oft gestört: Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten, die das „seltsame“ Verhalten nicht verstehen, führen dazu, dass sich der Betroffene immer mehr zurückzieht. Die Situation kann so weit eskalieren, dass das Arbeitsverhältnis ernsthaft gefährdet ist.

Selbstverständlich, und hier sind Fähigkeiten aller Beteiligter gefragt. Oft wird von Betroffenen verlangt, dass sie die Krise selbsttätig lösen, zumindest jedoch artikulieren – und das in einem Umfeld, das oft genug taub, kritiklos oder kritikunfähig ist. Das Aussprechen von Wahrheiten und Befindlichkeiten ist jedoch Grundvoraussetzung für seelisches Gleichgewicht. Das ist heute nur selten gewährleistet, da ständig dritte Interessen zu berücksichtigen sind.

Aber auch die Arbeit selbst kann die Seele belasten und eine psychische Krise auslösen. Als wichtigste Belastungsfaktoren nannten Arbeitsschutzexperten in einer Befragung der Initiative Gesundheit und Arbeit aus dem Jahr 2004 „Zeitdruck“, „schlechtes Führungsverhalten“ und „Arbeitsplatzunsicherheit“. Dem betrieblichen Umfeld kommt daher eine wichtige Rolle zu beim Umgang mit seelischen Krankheiten und Krisen. Wie sollen Vorgesetzte, Kollegen oder das betriebliche Integrationsteam reagieren? Dafür gibt es zwar keine Standardlösung, aber vier Grundregeln, an denen man sich orientieren kann:

1. Hinschauen und der eigenen Wahrnehmung trauen.
2. Handeln, wenn es nötig erscheint.
3. Professionelle Hilfe organisieren.
4. Sich nicht selbst überfordern

Seelische Belastungen vermeiden

Darüber hinaus sollten sich Betriebe aber auch die Frage stellen, was sie tun können, um psychische Belastungen am Arbeitsplatz generell zu reduzieren und die seelische Gesundheit der Belegschaft zu fördern. Ein erster Schritt könnte sein, die Beschäftigten für das Tabu-Thema „psychische Krisen“ zu sensibilisieren, zum Beispiel durch eine Befragung der Mitarbeiter und entsprechende Schulungen für Führungskräfte.

Entsprechende Schulungen bietet Syncomm Managemententwicklung an: nämlich keine Standardlösungen, keine Seminare zu “best practice”, sondern auf jahrzehntelanger Beobachtung, Analyse und emprischer Forschung, Intuition, Empathie und Einfühlungsvermögen beruhende und auf HSP eigenen erhöhter Wahrnehmung basierendem Wissen um Wechselwirkungen. Kaum jemand kann diesen Bereich besser abdecken als Hochsensitive und Hochsensible: sind sie es doch, welche bei ausgeprägter Bewusstheit für ihre Gaben und Fähigkeiten entscheidenden Mehrwert bieten. Ein entsprechendes Selbstbewusstsein geht damit einher.

Wichtig ist auch, ein Klima des Vertrauens zu schaffen, in dem Mitarbeiter ermutigt werden, Probleme frühzeitig anzusprechen. Trotz sachlicher Zwänge haben Führungskräfte durchaus Gestaltungsspielräume, die Arbeitsbedingungen so zu beeinflussen, dass unnötige Belastungen vermieden werden. Dies erfordert Kompetenz in der Personalführung, die der Betrieb fördern sollte. Wo ein wertschätzender Umgang miteinander gepflegt und der Einsatz der Mitarbeiter honoriert wird, hat auch Mobbing mit seinen seelischen Verletzungen wenig Chancen.

GÜNSTIGE BEDINGUNGEN FÜR DEN ARBEITSPLATZ

  • Arbeitsplatz an die behinderungsbedingten Einschränkungen anpassen, z.B. Publikumsverkehr vermeiden, Zeitdruck reduzieren
  • Auf eine klare und eindeutige Kommunikation achten
  • Über geplante Veränderungen rechtzeitig informieren
  • Feste Bezugsperson bestimmen
  • Unerklärliche Verhaltensweisen ansprechen, um Missverständnisse zu vermeiden, z.B. wenn Medikamente die Leistungsfähigkeit einschränken
  • Krankheitsbedingte Verhaltensweisen akzeptieren. Dabei auch Belastungen für die Kollegen berücksichtigen!
  • Begleitung und je nach Einzelfall Betreuung durch das Integrationsteam im Betrieb anbieten

HILFE IM EINZELFALL
Ein wichtiger Ansprechpartner für Betriebe, die Unterstützung beim Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern suchen, ist der Integrationsfachdienst. Er berät und begleitet Betroffene und das betriebliche Umfeld auch bei der Suche nach Lösungen im Einzelfall. Beispiele für mögliche Maßnahmen sind: stufenweise Wiedereingliederung, Umsetzung, Anpassung der Arbeitsinhalte oder der Arbeitszeit sowie eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes.

Seelische Erkrankungen

*Man kann grob drei Gruppen unterscheiden:
Bei den neurotischen Störungen spielt die Angst eine zentrale Rolle. Neurotische Verhaltensweisen dienen dazu, Ängste zu bewältigen und zu kontrollieren. In Stresssituationen kommt es zum psychischen Zusammenbruch oder der Betroffene verhält sich plötzlich auffällig. Zu den neurotischen Störungen zählen Phobien – übersteigerte Ängste vor bestimmten Dingen oder Situationen – sowie Zwänge und psychosomatische Erkrankungen. Affektive Störungen: Bekannteste Beispiele sind die Depression und ihr euphorisch-gereiztes Gegenstück, die Manie. Wenn beide im Wechsel auftreten, spricht man von einer bipolaren oder manisch-depressiven Störung. Bei psychotischen Störungen, zu denen auch Schizophrenien gehören, stehen Störungen von Wahrnehmung, Bewusstsein, Gefühlen und Denken im Vordergrund. Ein wesentliches Merkmal ist der Verlauf in Phasen. In akuten Phasen leiden die Betroffenen unter einer starken Einschränkung der Wahrnehmung der äußeren Wirklichkeit bis hin zu Wahnvorstellungen. Sie fühlen sich grundlegend unverstanden oder sogar verfolgt, verschließen sich ihrer Umwelt und reagieren oft panisch. Manche hören Stimmen oder haben Halluzinationen.

*Quelle: Nach Klassifikation ICD – 10/WHO 2006

Quelle: Betriebsrat HSP